Ubisoft-Umbau: Prince of Persia Remake gestrichen, Studios dicht

Ubisoft steht vor dem größten Umbruch seiner Unternehmensgeschichte. Der französische Publisher kündigte am 22. Januar 2026 eine umfassende Restrukturierung an, die das gesamte Unternehmen in fünf spezialisierte „Creative Houses“ aufteilen wird. Das lang erwartete Prince of Persia: The Sands of Time Remake gehört zu den prominentesten Opfern dieser Neuausrichtung – nach sechs Jahren Entwicklungszeit wurde das Projekt endgültig eingestampft.

Sechs Spiele gestrichen, sieben weitere verschoben

Neben dem Prince of Persia Remake hat Ubisoft fünf weitere Projekte gestrichen – vier davon waren bislang nicht angekündigt, eines war ein Mobile-Titel. Laut Unternehmensangaben erfüllten diese Projekte nicht die neuen, verschärften Qualitätsanforderungen. Zusätzlich werden sieben weitere Spiele verschoben, darunter ein nicht näher benanntes Projekt, das ursprünglich im Fiskaljahr 2026 erscheinen sollte und nun ins Fiskaljahr 2027 verlegt wurde. Berichten zufolge soll auch das Assassin's Creed Black Flag Remake von den Verzögerungen betroffen sein.

Prince of Persia: Eine Entwicklungshölle findet ihr Ende

Das Prince of Persia: The Sands of Time Remake hatte eine besonders turbulente Geschichte. Als Ubisoft das Projekt 2020 ankündigte, sollte es ursprünglich 2021 erscheinen. Der erste Trailer wurde von Fans derart heftig kritisiert, dass Ubisoft ihn von allen offiziellen Kanälen entfernte. Die ursprünglich zuständige indische Ubisoft-Division scheiterte so gründlich an der Umsetzung, dass Ubisoft Montréal das Projekt komplett neu beginnen musste. 2024 präsentierte man einen überarbeiteten Trailer, der deutlich besser ankam, mit geplanter Veröffentlichung 2026. Insider berichteten noch kürzlich von einem möglichen Release Mitte Januar 2026 – doch stattdessen kam nun das endgültige Aus.

Studios schließen, Massenentlassungen folgen

Die Restrukturierung geht mit erheblichen personellen Konsequenzen einher. Bestätigt wurde bereits die Schließung der Studios in Halifax und Stockholm. In den schwedischen Studios Massive Entertainment und Ubisoft Stockholm sind etwa 55 Stellen von Entlassungen betroffen, nachdem ein freiwilliges Abfindungsprogramm im Herbst 2025 nicht die gewünschten Zahlen erreichte. Im Abu Dhabi-Studio wurden bereits im November 2025 insgesamt 29 Mitarbeiter entlassen – das Studio konzentriert sich nun ausschließlich auf das Spiel Growtopia. Weitere Studioschließungen und Entlassungen sollen folgen, genaue Zahlen will Ubisoft am 12. Februar im Rahmen der Quartalszahlen bekanntgeben.

Im vergangenen Jahr wurden bereits rund 200 Mitarbeiter in Europa entlassen, darunter in den Studios in Leamington, Düsseldorf und bei Reflections. Insgesamt beschäftigt Ubisoft etwa 17.000 Mitarbeiter weltweit.

Die fünf „Creative Houses“ im Detail

Das neue Organisationsmodell gliedert Ubisoft in fünf spezialisierte Einheiten:

Creative House 1 (Vantage Studios): Zuständig für die Skalierung der größten Franchises zu „jährlichen Milliarden-Dollar-Marken“ – darunter Assassin's Creed, Far Cry und Rainbow Six. Vantage Studios wurde 2025 mit Unterstützung von Tencent gegründet, das 1,25 Milliarden Dollar in Ubisoft investierte. Co-CEO ist Charlie Guillemot, Sohn des Ubisoft-Gründers.

Creative House 2: Fokus auf kompetitive und kooperative Shooter-Erfahrungen mit Marken wie The Division, Ghost Recon und Splinter Cell.

Creative House 3: Verantwortlich für Live-Service-Spiele, darunter For Honor, The Crew, Riders Republic, Brawlhalla und Skull & Bones.

Creative House 4: Konzentriert sich auf immersive Fantasy-Welten und narrative Universen mit Marken wie Anno, Might & Magic, Rayman, Prince of Persia und Beyond Good & Evil.

Creative House 5: Zuständig für Casual- und familienfreundliche Spiele wie Just Dance, Hungry Shark, UNO und lizenzierte Hasbro-Titel.

Weitere Abgänge erschüttern das Unternehmen

Parallel zur Restrukturierung verließ Julian Gerighty, Executive Producer der Division-Reihe, Ubisoft nach fast 27 Jahren beim Unternehmen. Er wechselt zu EAs Battlefield Studios. Gerighty war maßgeblich für The Division, The Division 2 und Star Wars Outlaws verantwortlich und hatte erst kürzlich bei der New Game+ Showcase The Division 3 als „Monster“ angekündigt. Ubisoft versicherte, dass die Entwicklung von The Division 3 wie geplant weitergehe.

Bereits im Oktober 2025 hatte Marc-Alexis Côté, Vizepräsident und Executive Producer für Assassin's Creed, das Unternehmen verlassen – laut eigener Aussage wurde er nach Ablehnung einer reduzierten Rolle zum Gehen gedrängt.

Zurück ins Büro: Fünf-Tage-Präsenzpflicht

Als Teil der Umstrukturierung führt Ubisoft eine Fünf-Tage-Präsenzpflicht für alle Teams ein, mit einer jährlichen Freistellung für Home-Office-Tage. Diese Maßnahme hat intern für Diskussionen gesorgt, insbesondere unter Mitarbeitern, die sich an die flexibleren Arbeitsmodelle während und nach der Pandemie gewöhnt hatten.

Finanzieller Ausblick: Kurzfristige Verluste für langfristigen Erfolg?

Die Restrukturierung wird erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. CFO Frederick Duguet bezifferte die Abschreibungen auf kapitalisierte Forschungs- und Entwicklungskosten auf rund 650 Millionen Euro im Fiskaljahr 2026. Gleichzeitig soll die Umstrukturierung Einsparungen von 200 Millionen Euro bringen. Ubisoft senkte seine Prognose für die Nettobuchungen um 330 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro für das laufende Jahr.

Im aktuellen Quartal vermeldete Ubisoft Umsätze von 330 Millionen Euro, hauptsächlich getrieben durch Partnerschaften und einen starken Back-Katalog.

KI-Offensive und neue Projekte

Trotz aller Einschnitte kündigte Ubisoft verstärkte Investitionen in „spielerfokussierte Generative KI“ an. Vier neue IPs befinden sich in Entwicklung, darunter „March of Giants“, das Ubisoft kürzlich von Amazon erworben hat. Die Zuweisung dieser Projekte zu den Creative Houses soll später bekannt gegeben werden.

Ubisofts Zukunft bleibt ungewiss

CEO Yves Guillemot bezeichnete die Maßnahmen als „entscheidenden Wendepunkt“ für Ubisoft. Die AAA-Industrie sei selektiver und wettbewerbsintensiver geworden, mit steigenden Entwicklungskosten und größeren Herausforderungen bei der Markenbildung. Gleichzeitig hätten erfolgreiche AAA-Titel mehr finanzielles Potenzial als je zuvor.

Ob der radikale Umbau Ubisoft aus der Krise führen kann, bleibt abzuwarten. Die Schließung des kürzlich gewerkschaftlich organisierten Halifax-Studios kurz nach der Gewerkschaftsabstimmung hat zusätzlich für negative Schlagzeilen gesorgt. Die Gewerkschaft kündigte an, „jeden rechtlichen Weg“ zu verfolgen, um sicherzustellen, dass die Schließung nicht mit der Gewerkschaftsgründung zusammenhängt.

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