Trotz Resident Evil 2: Hideki Kamiya hasst Horror, will aber Kojimas P.T.-Nachfolger sehen

Der Bayonetta-Schöpfer überrascht mit unerwarteten Aussagen über das Horror-Genre – In einer überraschenden Wendung hat Hideki Kamiya, der legendäre Direktor von Resident Evil 2 und Schöpfer von Devil May Cry, enthüllt, dass er eigentlich Horror-Spiele hasst. Trotzdem wünscht sich der japanische Spieleentwickler nichts sehnlicher, als dass Hideo Kojima ein neues Spiel im Stil des ikonischen P.T. entwickelt – und droht sogar damit, es selbst zu versuchen.

Die paradoxe Beziehung zu Horror

In einem Tweet, der von IGN übersetzt wurde, sagte Kamiya: „Wenn es unmöglich ist, P.T. wiederzubeleben, sollte Kojima ein neues Spiel im gleichen Stil machen“, und fügte hinzu: „Wenn Kojima es nicht macht, versuche ich es vielleicht. Ich hasse Horror allerdings, also wäre es kein Horror… außerdem habe ich keine Ideen.“

Diese Aussage ist besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Kamiya für einige der einflussreichsten Horror- und Horror-inspirierten Spiele der Videospielgeschichte verantwortlich ist. Als Direktor von Resident Evil 2 hat er einen der Meilensteine des Survival-Horror-Genres geschaffen, und mit Devil May Cry etablierte er ein neues Subgenre, das Horror-Elemente mit rasanter Action verband.

P.T. – Das Demo-Phänomen, das eine Generation prägte

P.T. (Playable Teaser) erschien am 12. August 2014 überraschend im PlayStation Store und entwickelte sich schnell zu einem kulturellen Phänomen. Das von Hideo Kojima und Guillermo del Toro entwickelte interaktive Horror-Erlebnis nutzte eine First-Person-Perspektive und sperrte die Spieler in einen endlos scheinenden, sich wiederholenden Korridor mit der geisterhaften Erscheinung „Lisa“.

Nach dem Lösen des finalen Rätsels enthüllte ein Trailer, dass P.T. ein „spielbarer Teaser“ für Silent Hills war, mit Norman Reedus als Protagonist. Die Begeisterung war grenzenlos – bis Konami das Projekt im April 2015 abrupt einstellte und P.T. aus dem PlayStation Store entfernte.

Die bleibende Wirkung eines nie veröffentlichten Spiels

Die Auswirkungen von P.T. auf die Gaming-Industrie waren trotz seiner kurzen Verfügbarkeit enorm. PlayStation 4-Konsolen mit installiertem P.T. wurden auf eBay für über 1000 Dollar gelistet, und Entwickler ließen sich für Jahre von dem innovativen Horror-Design inspirieren.

Spiele wie Resident Evil 7, Layers of Fear und Visage zeigen deutlich den Einfluss von P.T., obwohl Capcom betont, dass die Ähnlichkeiten zwischen RE7 und P.T. rein zufällig seien. Kamiya selbst erkannte P.T. als wahren Urheber dieses Spieldesigns an und kritisierte, dass viele Entwickler die Verbindung nicht erkannten oder erwähnten.

Kamiyas komplizierte Beziehung zu Kollaborationen

Interessanterweise hat Kamiya in der Vergangenheit seine Skepsis gegenüber Zusammenarbeiten mit anderen japanischen Gaming-Größen wie Kojima oder Yoko Taro geäußert. „Schaut, es wäre eine Katastrophe!“, sagte Kamiya. „Es funktioniert nicht wie in Dragon Ball, wo Goku mit anderen Charakteren fusioniert. Zwei Menschen mit völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten und Ideen würden aufeinanderprallen.“

Diese Einstellung macht seine Bereitschaft, ein P.T.-ähnliches Projekt zu übernehmen, umso bemerkenswerter. Es zeigt, wie sehr ihn Kojimas Innovation beeindruckt hat, auch wenn er selbst zugibt, keine konkreten Ideen zu haben.

Die Zukunft des Horror-Genres

Während Fans weiterhin auf eine Wiederbelebung von P.T. oder Silent Hills hoffen, arbeitet Kojima bereits an seinem nächsten Horror-Projekt. OD, das Horror-Spiel, von dem wir seit 2023 nichts mehr gesehen haben, zeigt in geleakten Aufnahmen eine Third-Person-Ansicht eines Charakters, der ein verlassenes Fabrikgelände erkundet.

Kamiya selbst ist unterdessen mit seinem neuen Studio Clovers beschäftigt, wo er an einer Fortsetzung zu Okami arbeitet. Seine Aussagen über P.T. zeigen jedoch, dass die Faszination für Kojimas einzigartigen Horror-Ansatz auch bei einem selbsterklärten Horror-Hasser nicht nachlässt.

Ein Paradoxon der Spieleentwicklung

Kamiyas Geständnis wirft ein interessantes Licht auf die Kreativität in der Spieleentwicklung. Hier ist ein Entwickler, der einige der bekanntesten Horror-Spiele geschaffen hat, aber das Genre selbst ablehnt. Er gab sogar zu, P.T. sei zu gruselig, um es alleine zu spielen.

Diese Diskrepanz zwischen persönlicher Präferenz and professionellem Output ist nicht ungewöhnlich in der Kreativbranche, aber selten wird sie so offen ausgesprochen. Es zeigt, dass großartige Kunstwerke manchmal entstehen, wenn Schöpfer ihre Komfortzone verlassen – oder in Kamiyas Fall, wenn sie in einem Genre arbeiten, das sie persönlich meiden würden.

Fazit: Die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren

Zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung und anschließenden Löschung bleibt P.T. ein Mythos der Videospielgeschichte. Nick Robinson von Polygon beschrieb Konamis Entfernung als „die verantwortungsloseste, feigeste Entscheidung überhaupt“, fügte aber hinzu, dass die daraus resultierende Nichtverfügbarkeit das Demo zu „einem der coolsten, faszinierendsten Spiele in der Geschichte unseres Mediums“ gemacht habe.

Ob Kamiya jemals seine Drohung wahr macht und ein eigenes P.T.-ähnliches Projekt startet, bleibt abzuwarten. Seine Aussagen zeigen jedoch, dass die Sehnsucht nach innovativen Horror-Erlebnissen auch bei denjenigen vorhanden ist, die das Genre eigentlich meiden. In einer Industrie, die oft auf Sicherheit setzt, erinnert uns diese Geschichte daran, dass die mutigsten und einflussreichsten Spiele oft aus unerwarteten Richtungen kommen.

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