Nach fast zwei Jahrzehnten kehrt die Titan Quest-Reihe zurück. Während die ARPG-Community auf das nächste große Update für Path of Exile 2 wartet und sich auf Diablo 4 Season 10 vorbereitet, schleicht sich mit Titan Quest 2 ein alter Bekannter in den Early Access. Doch kann der mythologische Hack'n'Slash-Titel in der heutigen, von Service-Games dominierten Landschaft bestehen?
Griechische Götter treffen auf moderne ARPG-Mechaniken
Entwickler Grimlore Games und Publisher THQ Nordic haben sich für Titan Quest 2 viel vorgenommen. Das Spiel respektiert die Genre-Geschichte und liefert alle erwarteten ARPG-Elemente: isometrische Perspektive, verzweigte Skill-Trees und das befriedigende Geräusch von Loot, der aus besiegten Gegnern purzelt. Das Setting der griechischen Mythologie verleiht dem Ganzen einen eigenen Charme – von der Flucht vor der Göttin Nemesis bis zum Kampf gegen Pan ist alles dabei.
Das Dual-Klassen-System als Highlight
Ein besonderes Merkmal von Titan Quest 2 ist das Meisterschaften-System. Anders als viele moderne ARPGs, die Spieler mit komplexen Hybrid-Builds überfordern, setzt Grimlore auf ein zugänglicheres Konzept: Man wählt stets zwei Meisterschaften und kombiniert diese zu einem einzigartigen Build. Die Kombination aus Schurke und Sturm ermöglicht beispielsweise den Einsatz von Giftbomben und Eismagie – eine erfrischende Herangehensweise an Character-Building.
Wo der Minotaurus im Labyrinth steckt
Nach 15 Stunden Spielzeit zeigt sich jedoch ein grundlegendes Problem: Das Kampfsystem eskaliert nie wirklich. Während andere ARPGs ihre Spieler früh mit spektakulären Kämpfen und explosiven Fähigkeiten belohnen, bleibt Titan Quest 2 bemerkenswert zurückhaltend. Die Kämpfe erfordern zwar taktisches Vorgehen und sorgfältiges Dash-Management, erreichen aber selten die adrenalingeladenen Höhepunkte, die Genre-Fans erwarten.
Zugänglichkeit vs. Spannung
Grimlores Ansatz ist nachvollziehbar: Neue Spieler sollen nicht überfordert werden. Die überschaubare Anzahl an Skills und die simplen Angriffsmuster der Gegner schaffen Raum zum Lernen. Doch nach zehn Stunden vermisst man schmerzlich die Intensität eines Raums voller Untoten, die mit einem gut getimten Skill-Combo pulverisiert werden. Stattdessen beschwört man einen kleinen Wirbelsturm und lässt ein paar Blitze auf vereinzelte Gegner niedergehen.
Early Access als Chance und Herausforderung
Die aktuelle Version von Titan Quest 2 zeigt ein solides Fundament, das jedoch noch nicht mit der Konkurrenz mithalten kann. In einer Zeit, in der Live-Service-ARPGs um jeden Moment der Spieleraufmerksamkeit kämpfen, fehlt es dem Titel an den spektakulären Momenten, die Spieler bei der Stange halten.
Für wen ist Titan Quest 2 geeignet?
Nach der bisherigen Spielzeit – inklusive der Erkundung der Flooded Farmlands und dem Experimentieren mit verschiedenen Builds – kristallisiert sich die Zielgruppe heraus: Spieler, die eine engagierte Story über zerbrochene Meta-Builds stellen und die gemächlichere Gangart einem Feuerwerk der Effekte vorziehen, werden hier glücklich. Alle anderen sollten vielleicht noch etwas warten.
Potential vorhanden, Umsetzung ausbaufähig
Titan Quest 2 ist kein schlechtes Spiel – es ist nur noch nicht das ARPG, das viele Genre-Fans suchen. Der Early Access gibt Grimlore Games die Möglichkeit, auf Community-Feedback zu reagieren und das Tempo anzuziehen. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Bis dahin bleibt Titan Quest 2 ein solider, aber unspektakulärer Vertreter seiner Zunft.