Strauss Zelnick, CEO von Take-Two Interactive und damit oberster Chef von Rockstar Games, hat auf der Semafor World Economy Conference 2026 in Washington, D.C. unmissverständlich klargestellt, was er von Elon Musks Vision KI-generierter Videospiele hält – und dabei dem Tech-Milliardär einen deutlichen Seitenhieb verpasst.
Der Auslöser: Musk behauptet, KI könne ein Spiel wie GTA 6 erschaffen
Bereits im Januar 2026 hatte Elon Musk auf seiner Plattform X (ehemals Twitter) für Aufsehen gesorgt. In einer Reaktion auf einen Post der Fan-Seite GTA 6 Countdown erklärte der Tesla-Chef, es bestehe durchaus die Möglichkeit, dass generative KI es jedem ermöglichen werde, „sein eigenes GTA 6 in wenigen Minuten zu generieren“ – und zwar bevor das eigentliche Spiel überhaupt erscheint. Musk legte nach: Man werde der KI nicht einmal einen konkreten Auftrag erteilen müssen, denn sie werde von selbst herausfinden, welches Videospiel einem am besten gefalle.
Epic-Games-CEO Tim Sweeney griff den Ball auf und bezeichnete ein mögliches „Text-to-GTA“ als logischen nächsten Schritt nach Text-to-Image und Text-to-Video. Die Debatte war damit eröffnet.
Zelnicks Konter: „Wäre Musks Job nicht der erste, den KI übernehmen sollte?“
Am 16. April 2026 nutzte Zelnick das Panel „Leadership in an Uncertain World“ auf dem Semafor-Gipfel, um Musks Thesen öffentlich zu zerlegen. Seine Argumentation war dabei ebenso einfach wie schlagfertig: Wenn KI tatsächlich in der Lage wäre, menschliche Arbeit zu ersetzen, warum hat sie dann nicht längst den Job des reichsten Mannes der Welt übernommen?

Zelnick verwies darauf, dass Musk über praktisch unbegrenzte finanzielle und personelle Ressourcen verfüge, sich bestens mit KI auskenne und nach eigener Darstellung 20 Stunden am Tag arbeite. Die rhetorische Frage lag auf der Hand: „Wenn KI jemandem den Job wegnehmen sollte, wäre es dann nicht seiner? Der reichste Mann der Welt – wäre das nicht Job Nummer eins für die KI?“
Zelnick fügte hinzu, er selbst arbeite trotz umfassender KI-Integration in seinem Berufsalltag härter als je zuvor. Das allein widerlege die These, KI werde menschliche Arbeit einfach überflüssig machen.
Handarbeit statt Algorithmus: Rockstars Philosophie
Zelnicks Aussagen auf der Semafor-Konferenz reihen sich in eine konsequente Haltung ein, die der Take-Two-Chef seit Monaten vertritt. Bereits in einem früheren Interview mit GamesIndustry.biz hatte er unmissverständlich erklärt, dass generative KI „keinerlei Anteil“ an dem habe, was Rockstar Games mit GTA 6 erschaffe. Die Spielwelten von Rockstar seien handgefertigt – Gebäude für Gebäude, Straße für Straße, Viertel für Viertel. Sie würden nicht prozedural generiert, und das sei genau der Grund, warum sie herausragend seien.

In einem separaten Statement bezeichnete Zelnick die Vorstellung, Entwickler könnten mithilfe generativer KI hochwertige Spiele erschaffen, die Spieler tatsächlich spielen wollen, als „lächerlich“. Es gebe schlicht keine Belege dafür, dass KI-Werkzeuge allein großartige Unterhaltungsprodukte hervorbringen können.
Die andere Seite: Take-Two entlässt eigenes KI-Team
Zelnicks klare Positionierung gegen KI-generierte Spiele bekommt durch jüngste Entwicklungen innerhalb des eigenen Unternehmens eine zusätzliche Dimension. Anfang April 2026 entließ Take-Two seinen Head of AI, Luke Dicken, mitsamt dem gesamten KI-Team. Dicken, der zuvor über ein Jahrzehnt bei Zynga gearbeitet hatte und Anfang 2025 zu Take-Two gewechselt war, bestätigte die Entlassungen auf LinkedIn.
Mindestens zehn weitere Mitarbeiter aus der KI-Abteilung verloren ihren Arbeitsplatz. Ehemalige Kolleginnen und Kollegen sprachen von „veränderten Prioritäten des oberen Managements“ als Grund für die Maßnahme. Eine offizielle Stellungnahme von Take-Two blieb aus.

Die Entlassungen wirken auf den ersten Blick widersprüchlich: In Investorengesprächen hatte Zelnick noch im Februar 2026 betont, Take-Two „umarme generative KI aktiv“ und setze sie mit Hunderten von Pilotprojekten zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung ein. Die Auflösung des KI-Teams zeigt jedoch, dass das Unternehmen klar zwischen dem Einsatz von KI als unterstützendem Werkzeug und der Vision von KI als kreativem Ersatz für menschliche Entwickler unterscheidet.
Zelnick scherzt: Musk wäre seine erste Wahl für eine Simulation
Der Take-Two-Chef setzte in einem weiteren Interview noch einen drauf: Gefragt nach Musks bekannter Überzeugung, wir lebten möglicherweise in einer Computersimulation, antwortete Zelnick trocken, wenn er sich jemanden aussuchen müsste, der selbst eine Simulation sei, wäre Musk seine erste Wahl. Eine spitze Anspielung auf Musks Tendenz, große Versprechen zu machen, die sich regelmäßig nicht materialisieren.
Musks KI-Spielestudio: Viel versprochen, nichts geliefert
Und damit trifft Zelnick einen wunden Punkt. Im Oktober 2025 verkündete Musk auf X, sein KI-Unternehmen xAI werde bis Ende 2026 ein „großartiges KI-generiertes Videospiel“ veröffentlichen. Im selben Atemzug versprach er, dass Grok – die KI von xAI – bis Ende 2025 einen „zumindest anschaubaren Film“ produzieren werde und bis 2027 „richtig gute Filme“.

Stand April 2026 gibt es von xAIs angekündigtem Spiel weder Gameplay-Material noch einen Trailer, keine konkreten Details, kein bestätigtes Studioergebnis und kein Update zum ursprünglichen Zeitplan. Dasselbe gilt für die angekündigten KI-generierten Filme. Die Ankündigungen reihen sich damit in eine lange Liste von Musk-Versprechen ein, die ambitionierte Fristen setzten und bislang ohne greifbare Ergebnisse blieben – von der vollautonomen Tesla-Fahrsoftware bis zum Hyperloop.
KI als Werkzeug, nicht als Ersatz
Zelnick differenzierte auf der Semafor-Konferenz durchaus: KI sei ein mächtiges Werkzeug, das Routinearbeiten reduziere und Kreativen mehr Raum für anspruchsvollere Aufgaben gebe. Er nannte die automatische Texturgenerierung als Beispiel – wo Künstler früher jeden Grashalm manuell zeichnen mussten, erledige das heute ein Knopfdruck. Das Resultat sei, dass sich Entwickler auf die wirklich kreativen Aspekte konzentrieren könnten.
Gleichzeitig warnte Zelnick davor, die Technologie zu verteufeln: KI könne zwar für schlechte Zwecke missbraucht werden, aber die „Wehe mir“-Narrative seien übertrieben. Technologie schaffe Produktivität, Produktivität schaffe Wirtschaftswachstum und Wirtschaftswachstum schaffe mehr Beschäftigung, nicht weniger. Take-Two beschäftige heute mehr Menschen als jemals zuvor.
GTA 6 bleibt der Elefant im Raum
Während die KI-Debatte weitergeht, rückt der Release von Grand Theft Auto 6 näher. Der Titel soll am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S erscheinen – nach zwei Verschiebungen vom ursprünglichen Zeitfenster 2025 über Frühjahr 2026 zum finalen Termin. Rockstars Marketingkampagne soll im Sommer 2026 starten, und zahlreiche Entwickler anderer Studios meiden den November bewusst als Veröffentlichungszeitraum.
Die Botschaft, die Zelnick vermittelt, ist klar: Ein Spiel vom Kaliber eines GTA 6 – handgefertigt, über ein Jahrzehnt entwickelt, mit Produktionskosten von geschätzt mehreren Milliarden Dollar – lässt sich nicht per Textprompt in wenigen Minuten herbeizaubern. Und der Mann, der das Gegenteil behauptet, hat bislang den Beweis dafür schuldig geblieben.
