Subnautica 2: Krafton nutzte ChatGPT, um 250-Millionen-Bonus zu umgehen

Der Rechtsstreit zwischen dem südkoreanischen Publisher Krafton und den ehemaligen Gründern von Unknown Worlds Entertainment nimmt immer bizarrere Züge an. Laut einem aktuellen Gerichtsdokument soll Krafton-CEO Kim Chang-han künstliche Intelligenz zu Rate gezogen haben, um Wege zu finden, eine vertraglich vereinbarte Zahlung von 250 Millionen US-Dollar zu umgehen. Die Antwort von ChatGPT fiel ernüchternd aus: Es sei wohl schwierig, den Earn-out zu kündigen.

Der Hintergrund: Eine halbe Milliarde für Subnautica

Krafton übernahm Unknown Worlds Entertainment im Oktober 2021 für 500 Millionen US-Dollar. Die Macher von Subnautica sollten als unabhängiges Studio weiterarbeiten und ihre kreative Identität behalten. Zusätzlich zum Kaufpreis vereinbarten beide Seiten einen Earn-out von bis zu 250 Millionen Dollar, der fällig werden sollte, wenn Subnautica 2 bestimmte Verkaufsziele bis Ende 2025 erreicht. Diese Summe sollte zwischen den drei Gründern – Charles Cleveland, Max McGuire und Ted Gill – sowie den übrigen etwa 100 Mitarbeitern aufgeteilt werden.

Bei der Akquisition erhielten Cleveland und McGuire jeweils rund 200 Millionen Dollar, während Gill etwa 60 Millionen Dollar bekam. Die restlichen Mitarbeiter teilten sich weitere 50 Millionen Dollar. Der große Earn-out war das Sahnehäubchen, das alle motivieren sollte, Subnautica 2 zum Erfolg zu führen.

Geheime Task Force und ChatGPT-Beratung

Laut den neuen Gerichtsdokumenten war CEO Kim Chang-han verzweifelt darum bemüht, die Zahlung zu vermeiden, da er eine professionelle Blamage befürchtete. Sein Vertrag als Krafton-CEO steht 2026 zur Verlängerung an, und der hohe Kaufpreis für Unknown Worlds lastete offenbar schwer auf ihm.

Die Kläger behaupten, dass Krafton zunächst versuchte, die Gründer zu einer Neuverhandlung des Earn-outs zu bewegen. Als diese ablehnten, soll Krafton eine geheime Arbeitsgruppe namens „Project X“ ins Leben gerufen haben. Das Ziel war klar definiert: Entweder einen Deal mit den Gründern aushandeln oder eine komplette Übernahme des Studios durchführen.

In dieser Situation soll Kim sich an ChatGPT gewandt haben, um Ideen zu sammeln, wie man den Earn-out vermeiden könnte. Maria Park, eine Krafton-Führungskraft, hatte Kim zuvor mitgeteilt, dass der Earn-out wohl gezahlt werden müsse, selbst wenn die Gründer mit Begründung entlassen würden. Die künstliche Intelligenz bestätigte diese Einschätzung und riet davon ab, den Bonus zu streichen.

Verschwundene Chat-Protokolle und gegenseitige Vorwürfe

Die Gründer behaupten, Krafton habe sich geweigert, die ChatGPT-Konversationen im Entdeckungsverfahren vorzulegen, und erklärt, diese existierten nicht mehr. Krafton wies diese Vorwürfe zurück und bezeichnete sie als Ablenkungsmanöver von den eigenen Versuchen der Kläger, Beweise zu vernichten – darunter angeblich belastendes Material aus ihren eigenen ChatGPT-Accounts.

Die Entlassungen und ihre Folgen

Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli 2025 entließ Krafton die drei Gründer und ersetzte sie durch Steve Papoutsis, den ehemaligen Chef von Striking Distance Studios. Kurz darauf wurde Subnautica 2 vom geplanten Early-Access-Start im August 2025 auf 2026 verschoben. Krafton-CFO und Unternehmensvertreter Richard Yoon konnte während des Entdeckungsverfahrens keinen einzigen Krafton-Mitarbeiter benennen, der das Spiel tatsächlich für nicht veröffentlichungsreif hielt.

Kraftons eigener Creative Director Hyeon-gyu Park stimmte nach einer internen Meilenstein-Prüfung am 27. Mai 2025 zu, dass Subnautica 2 wie geplant im August in den Early Access gehen sollte. Er warnte sogar, dass die Entlassung von Ted Gill die Entwicklungszeit um zwei Jahre verlängern würde.

Moral am Boden

Die Entlassungen hatten laut den Gerichtsdokumenten verheerende Auswirkungen auf die Studiomoral. Ein interner Krafton-Bericht dokumentierte den Schaden: Mitarbeiter beklagten einen erheblichen Vertrauensverlust gegenüber Krafton, äußerten Frustration darüber, dass die Unterstützung für Subnautica 2 kurz vor dem Launch zurückgezogen wurde, und fürchteten, selbst entlassen zu werden, wenn sie Widerstand leisten würden. Die offene, transparente Kultur, die Unknown Worlds ausgezeichnet hatte, wich Schweigen und Unbehagen.

Kraftons Position

Krafton bestreitet alle Vorwürfe und behauptet, die Gründer hätten das Projekt nach Erhalt ihrer ersten Zahlungen aufgegeben. Das Unternehmen wirft Cleveland vor, sich auf ein persönliches Filmprojekt konzentriert zu haben, anstatt Subnautica 2 Priorität einzuräumen. Cleveland und McGuire sollen ihre Rollen als Game Director und Technical Director aufgegeben haben, um persönlichen Leidenschaftsprojekten nachzugehen.

Das Unternehmen zog zudem Parallelen zum Desaster von Kerbal Space Program 2, um zu verdeutlichen, welchen Schaden ein voreiliger Release der Marke zufügen könnte.

AI-first Company und Massenentlassungen

Besonders brisant: Die ChatGPT-Kontroverse fällt zeitlich mit Kraftons Ankündigung zusammen, ein „AI-first Company“ zu werden. CEO Kim Chang-han verkündete diese strategische Neuausrichtung im Oktober 2025. Am 12. November bot Krafton seinen Mitarbeitern umfangreiche Abfindungspakete an: Beschäftigte mit weniger als einem Jahr Betriebszugehörigkeit erhalten sechs Monatsgehälter, während Mitarbeiter mit über elf Jahren bis zu drei Jahresgehälter bekommen können.

Als Reaktion auf Kraftons KI-Offensive erklärte Unknown Worlds, dass Subnautica 2 keine generative KI verwenden wird – ein Statement, das die Spannungen zwischen beiden Seiten weiter verdeutlicht.

Der aktuelle Stand

Beide Klagen – die der Gründer gegen Krafton und die Gegenklage von Kraftons Tochtergesellschaft Unknown Worlds gegen die drei ehemaligen Führungskräfte – sind anhängig. Der Prozess sollte am 17. November 2025 vor dem Delaware Chancery Court beginnen.

Die Gründer fordern die vollständige Zahlung des 250-Millionen-Dollar-Earn-outs sowie die Wiederherstellung ihrer Positionen bei Unknown Worlds. Sie argumentieren, dass die Bonuszahlung nicht mehr an das Erreichen der Umsatzziele geknüpft sein sollte, da Krafton selbst für die Sabotage des Early-Access-Launches verantwortlich sei.

Subnautica 2 bleibt offiziell für einen Early-Access-Release 2026 geplant. Das Spiel ist aktuell das am zweithäufigsten gewünschte Spiel auf Steam – direkt hinter Hollow Knight: Silksong. Ob die rechtlichen Auseinandersetzungen weitere Verzögerungen verursachen werden, bleibt abzuwarten.

Für Fans der Unterwasser-Survival-Reihe ist die Situation frustrierend. Was als vielversprechende Fortsetzung eines Indie-Hits begann, ist zu einem Paradebeispiel für die Risiken von Publisher-Übernahmen geworden – komplett mit KI-Beratung, geheimen Task Forces und verschwundenen Chat-Protokollen.

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