Subnautica 2: Krafton bietet Millionen-Abfindungen nach AI-First-Ankündigung

Der südkoreanische Publisher Krafton, bekannt für PUBG: Battlegrounds, Subnautica 2 und InZOI, hat ein unternehmensweites freiwilliges Abfindungsprogramm gestartet – nur wenige Wochen nachdem CEO Kim Chang-han die Transformation zum „AI-First“-Unternehmen verkündete. Die Maßnahme folgt auf Rekordgewinne im dritten Quartal 2024 und einen gleichzeitigen Einstellungsstopp in allen Bereichen außerhalb der KI-Entwicklung.

Bis zu drei Jahre Gehalt für freiwilligen Ausstieg

Laut Business Korea wurde das Programm am 12. November 2024 intern angekündigt und steht allen Mitarbeitern offen, unabhängig von Position oder Abteilung. Die Abfindungspakete staffeln sich nach Betriebszugehörigkeit:

  • Unter 1 Jahr: 6 Monate Gehalt
  • Bis 2 Jahre: 12 Monate Gehalt
  • Bis 5 Jahre: 18 Monate Gehalt
  • Bis 8 Jahre: 24 Monate Gehalt
  • Bis 11 Jahre: 30 Monate Gehalt
  • Über 11 Jahre: 36 Monate Gehalt

Krafton betont, das Programm diene nicht dem Personalabbau, sondern solle Mitarbeitern ermöglichen, „neue Herausforderungen innerhalb und außerhalb des Unternehmens anzunehmen“. Ein Unternehmenssprecher erklärte: „Der Kernzweck ist es, Mitglieder dabei zu unterstützen, ihre Wachstumsrichtung proaktiv zu gestalten und im Zeitalter der KI-Transformation neue Wege einzuschlagen.“

Rekordgewinne und gleichzeitiger Stellenstopp

Die Timing dieser Maßnahme ist bemerkenswert: Krafton verzeichnete im dritten Quartal 2024 mit 1,052 Billionen Won (etwa 718 Millionen US-Dollar) operativem Gewinn die besten Zahlen seit Firmengründung. Der Gesamtumsatz lag bei 2,407 Billionen Won (rund 1,6 Milliarden US-Dollar), ein Plus von 21 Prozent im Jahresvergleich.

Parallel zum Abfindungsprogramm verkündete CFO Bae Dong-geun während des Earnings Calls am 4. November einen unternehmensweiten Einstellungsstopp. „Mit Ausnahme von Organisationen, die an originalen IPs und KI-bezogenem Personal arbeiten, haben wir die Einstellungen unternehmensweit eingefroren“, so Dong-geun. Er fügte hinzu: „Die individuelle Produktivität muss auf Unternehmensebene steigen.“

100 Millionen Dollar für KI-Infrastruktur

Die „AI-First“-Strategie beinhaltet massive Investitionen: Rund 100 Millionen Won (etwa 70 Millionen US-Dollar) fließen in einen NVIDIA B300-betriebenen GPU-Cluster, der als Grundlage für „agentische KI“ dienen soll. Weitere 20,8 Millionen US-Dollar sind für die Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit KI-Tools vorgesehen.

Ab 2026 plant Krafton jährliche Ausgaben von 30 Milliarden Won für KI-Training, einschließlich eines „AI Learning Hub“, wo Mitarbeiter AI-Anwendungen miteinander teilen können. Die komplette Umstellung soll bis zur zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen sein und umfasst „KI-verknüpfte Workflows, eine agentische KI-Managementplattform und ein Datenstandardisierungssystem“.

Komplette HR-Umstrukturierung um Künstliche Intelligenz

Krafton reorganisiert sein gesamtes Personalmanagementsystem. Die bestehenden HR-Richtlinien werden „rund um KI neu organisiert“, um bis Ende 2025 eine „AI-First-Kultur“ zu etablieren. CEO Kim Chang-han kündigte an, dass Krafton „die Arbeit zentriert auf agentische KI automatisieren und ein KI-zentriertes Managementsystem vollständig implementieren“ werde.

Das Unternehmen plant, KI zur Lösung „komplexer Probleme“ einzusetzen und die „unternehmensweite Produktivität“ zu steigern. Die durch „KI-Adoption freigesetzten Zeit- und Ressourcen“ sollen in neue Produktentwicklung reinvestiert werden, was laut Krafton „Möglichkeiten für interne Mitarbeitermobilität und Rollenerweiterung“ schaffen soll.

PUBG Ally: KI-Squadkamerad kommt 2026

Erste konkrete Ergebnisse der KI-Offensive werden für 2026 erwartet. Dann soll PUBG Ally für PUBG: Battlegrounds‘ Arcade-Modus eingeführt werden – ein KI-gesteuerter Squadkamerad, der Items sammelt, teilt, auf Situationen reagiert und auf Koreanisch, Englisch und Mandarin kommunizieren kann. Die Entscheidungsfindung läuft dabei auf GPUs für niedrige Latenz.

Kontroverse um InZOI und Unknown Worlds

Kraftons KI-Kurs stößt nicht überall auf Gegenliebe. Das Life-Simulator-Spiel InZOI, das KI für die Generierung von 3D-Objekten aus 2D-Bildern und Custom-Texturen nutzt, kämpft mit drastisch sinkenden Spielerzahlen. Nach dem Early-Access-Start im März 2024 brach die Nutzerbasis von über 87.000 Peak-Spielern auf Steam auf unter 4.000 ein – aktuell sind es etwa 2.000.

Gleichzeitig läuft noch immer die Klage der ehemaligen Unknown-Worlds-Führungskräfte Charlie Cleveland, Ted Gill und Max McGuire. Sie werfen Krafton vor, sie entlassen zu haben, um 250 Millionen US-Dollar an Performance-Boni für Subnautica 2 zu umgehen. Krafton kontert mit eigener Klage wegen angeblich widerrechtlich heruntergeladener Entwicklungsdateien.

Interessanterweise betonte Unknown Worlds‘ Community Manager Donya Abramo kürzlich, dass das Studio keine KI in Subnautica 2 verwenden werde: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich das ändern wird.“

Last Epoch-Studio verteidigt Krafton-Übernahme

Nicht alle Krafton-Studios teilen die Skepsis. Judd Cobler, Gründer von Eleventh Hour Games (Last Epoch), verteidigte die Übernahme durch Krafton im Oktober 2024 auf Reddit: „Unsere Optionen waren begrenzt. Wir brauchten Finanzierung und die Alternativen waren: an fremder IP arbeiten, Finanzierung von Firmen nehmen, die uns weniger gefallen, Krafton beitreten oder Bankrott gehen.“

Cobler betonte, dass sein Studio trotz der jüngsten Entwicklungen weiterhin aktiv neue Mitarbeiter einstelle und er langfristig an die Partnerschaft glaube.

Teil einer Branchenentwicklung

Krafton agiert nicht im Vakuum. Die Gaming-Industrie verzeichnet seit 2022 massive Entlassungswellen, Zehntausende Jobs gingen bei Embracer, Unity, Microsoft Gaming, EA, Sony, Epic, Ubisoft, Sega und Riot verloren. Kraftons „freiwilliges“ Abfindungsprogramm bei gleichzeitigem Einstellungsstopp und massiven KI-Investitionen deutet darauf hin, dass das Unternehmen menschliche Arbeitskraft durch Automatisierung ersetzen will – trotz Rekordgewinnen.

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