Steam Deck steuert Mars-Rover: Airbus testet mit Valve-Gerät

310 Kilogramm schwer, sechs Räder und ein Bohrer für zwei Meter Tiefe. So sieht der europäische Mars-Rover Rosalind Franklin aus. Bei Bodentests in Stevenage steuern Ingenieure von Airbus einen Prototyp davon mit einem Steam Deck. Bekannt wurde das durch ein Video, das die Runde durch die Spieleszene macht.

Airbus steuert einen Mars-Rover mit dem Steam Deck

Der Schauplatz ist das Gelände von Airbus Defence and Space im englischen Stevenage, nördlich von London. Dort entsteht der Rover Rosalind Franklin für die europäische Mission ExoMars. Für Tests auf der Erde nutzt das Team einen Prototyp.

Gesteuert wird dieser Prototyp mit einem ganz normalen Steam Deck. Auf dem tragbaren Rechner von Valve läuft ein eigens entwickeltes Steuerungsprogramm. Die Knöpfe und Steuerknüppel des Geräts übernehmen die Kontrolle über die Bewegungen des Rovers.

Öffentlich wurde das Ganze durch ein Video des britischen Wissensvermittlers Tom Scott. Er besuchte das Gelände und durfte den Prototyp selbst ausprobieren. Laut Berichten ist sein Video bislang die einzige ausführliche Quelle zu diesem Aufbau.

Angabe Detail
Rover Rosalind Franklin, Mission ExoMars
Hersteller Airbus Defence and Space
Testort Stevenage, Großbritannien
Steuergerät Steam Deck von Valve
Einsatz nur Bodentests mit einem Prototyp
Start zum Mars geplant für Oktober 2028
Landung geplant für November 2030

Wichtig ist eine Einschränkung. Das Steam Deck fliegt nicht mit zum Mars, und es steuert auch nicht den echten Rover während der Mission. Es dient ausschließlich den Tests auf der Erde.

So funktioniert die Steuerung

Die Belegung der Knöpfe erinnert an ein Rennspiel. Mit dem Analogstick fährt der Rover vorwärts und lenkt. Über die Schultertasten lassen sich die Räder um 90 Grad drehen.

Genau diese Drehung macht den Rover besonders. Sind die Räder quer gestellt, bewegt er sich seitwärts wie ein Krebs. Im Video von Tom Scott sorgt genau dieser Moment für Staunen. So bewegt sich kaum ein Fahrzeug auf der Erde, schon gar nicht auf Knopfdruck. Auf diese Weise kann er Hindernissen ausweichen, ohne sich umständlich zu drehen.

Weitere Funktionen liegen auf den Abzugstasten und den Tastfeldern des Steam Deck. Welche Befehle dort genau hinterlegt sind, geht aus den Berichten nicht hervor.

Laufen statt Rollen

Eine weitere Fähigkeit des Rovers nennt sich Radlaufen. Dabei bewegt er seine Räder nacheinander, ähnlich wie Beine. Das hilft in weichem Sand, in dem ein normales Fahrzeug stecken bleiben würde.

Für Tests auf der Erde ist so eine Funktion ideal. Mit einem Steam Deck in der Hand können Ingenieure sie direkt vor Ort ausprobieren und das Verhalten beobachten.

Darum setzt Airbus auf das Steam Deck

Auf den ersten Blick wirkt die Wahl ungewöhnlich. Schließlich gibt es spezialisierte Steuergeräte für Industrie und Forschung. Das Steam Deck bietet aber einige handfeste Vorteile.

Anders als ein normales Eingabegerät für Konsolen ist es ein vollwertiger Computer. Es läuft mit SteamOS, einem Betriebssystem auf Basis von Linux. Alternativ lässt sich Windows installieren. Ingenieure können darauf also beliebige eigene Programme ausführen.

Diese Eigenschaften machen das Gerät für solche Aufgaben attraktiv:

  • vollwertiger Rechner mit eigenem Betriebssystem
  • zwei Steuerknüppel, Schultertasten und Tastfelder in einem Gerät
  • eingebauter berührungsempfindlicher Bildschirm
  • WLAN und Bluetooth für die Verbindung zum Rover
  • handliche Größe und eigener Akku

Dazu kommt der Preis. Im Vergleich zu Spezialgeräten ist ein Steam Deck günstig und sofort verfügbar. Für ein Testgelände ist das ein klarer Pluspunkt. Geht ein Gerät kaputt, ist schnell Ersatz beschafft. Außerdem kennen viele Mitarbeiter die Bedienung bereits aus ihrer Freizeit.

Nicht der erste Fall dieser Art

Spielehardware in Forschung und Militär ist kein neues Phänomen. Seit Jahren nutzen verschiedene Einrichtungen handelsübliche Spielsteuerungen zur Steuerung von Robotern oder Drohnen. Der Grund ist einfach: Viele junge Ingenieure sind mit Spielkonsolen aufgewachsen und kommen damit sofort zurecht.

Das Steam Deck geht einen Schritt weiter. Es vereint Steuerung, Bildschirm und Rechner in einem Gerät. Genau diese Kombination macht es für Testzwecke so praktisch.

Das Steam Deck in Kürze

Valve brachte das Steam Deck im Februar 2022 auf den Markt. Das Gerät sieht aus wie eine große tragbare Konsole, ist technisch aber ein kompletter PC. Darauf laufen Spiele aus der eigenen Steam-Bibliothek, ohne dass du sie erneut kaufen musst.

Ende 2023 folgte eine überarbeitete Fassung mit OLED-Bildschirm. Sie bietet kräftigere Farben und einen größeren Akku. Seitdem gilt das Steam Deck als eines der erfolgreichsten Geräte seiner Art.

Ein großer Vorteil ist die Offenheit. Valve erlaubt ausdrücklich, eigene Programme zu installieren oder das Betriebssystem zu wechseln. Genau diese Freiheit nutzen die Ingenieure bei Airbus für ihre Tests.

Die Mission ExoMars und Rosalind Franklin

Der Rover trägt den Namen der britischen Chemikerin Rosalind Franklin. Sie leistete einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung der Struktur der DNA. Das Ziel der Mission passt dazu: Der Rover soll auf dem Mars nach Spuren von Leben suchen.

Dafür hat er einen besonderen Bohrer an Bord. Er kann bis zu zwei Meter tief in den Boden bohren. Dort sind mögliche Spuren von Leben besser vor Strahlung geschützt als an der Oberfläche.

Merkmal Wert
Masse rund 310 Kilogramm
Räder sechs Räder mit je 25 Zentimetern Durchmesser
Bohrtiefe bis zu 2 Meter
Landeplatz Oxia Planum
Geplante Missionsdauer mindestens sieben Monate
Rakete Falcon Heavy

Der Landeplatz Oxia Planum wurde gezielt ausgewählt. Dort gibt es Hinweise auf frühere Wasservorkommen und Tonminerale. Solche Orte gelten als besonders vielversprechend für die Suche nach Leben.

Ein langer Weg zum Mars

Die Mission hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich arbeitete die europäische Raumfahrtagentur ESA mit Russland zusammen. Nach dem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 beendeten die Mitgliedsstaaten diese Kooperation.

Danach musste die Mission neu geplant werden. Unter anderem fehlte plötzlich die Landeplattform, die Russland liefern sollte. Airbus übernahm später den Bau einer neuen Plattform. Heute sind europäische und amerikanische Partner beteiligt. Die NASA liefert unter anderem die Rakete und einige Bauteile für die Landung.

Laut Airbus steckt in dem Projekt mehr als 20 Jahre intensiver Arbeit. Kata Escott leitet Airbus Defence and Space in Großbritannien. Sie nennt den erfolgreichen Flug zum Mars den Höhepunkt dieser Zeit.

Auf dem Mars selbst fährt der Rover übrigens weitgehend selbstständig. Funksignale brauchen zwischen Erde und Mars mehrere Minuten. Eine direkte Steuerung per Knopfdruck wie bei den Tests ist deshalb unmöglich. Der Rover plant seine Wege mithilfe seiner Kameras selbst. Ziele und Aufgaben geben die Teams auf der Erde vor.

Vom Wohnzimmer auf das Testgelände

Die Geschichte ist ein schönes Beispiel dafür, wie weit Spielehardware inzwischen reicht. Viele Menschen nutzen das Steam Deck für Spiele im Zug oder auf dem Sofa. Nun hilft es bei der Vorbereitung einer Mission zum Mars. Valve dürfte darüber kaum unglücklich sein, eine bessere Werbung ist kaum vorstellbar.

Gleichzeitig zeigt der Fall die Stärke offener Hardware. Das Steam Deck lässt sich frei programmieren und für eigene Zwecke nutzen. Genau das unterscheidet es von vielen Konsolen, die fest auf Spiele beschränkt sind. Ingenieure bei Airbus haben diese Freiheit clever genutzt. Wer ein Steam Deck besitzt, hält also ein Werkzeug in der Hand, mit dem Profis Raumfahrttechnik testen. Eine Reise zum Mars wird daraus zwar nicht, eine schöne Anekdote für die nächste Spielerunde aber allemal.

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