Sony wird wegen Zoll-Rückerstattungen verklagt – PS5-Käufer fordern Geld zurück

Hat PlayStation noch ein weiteres Studio übernommen? Titel

Sony Interactive Entertainment sieht sich erneut mit einer Sammelklage konfrontiert. Diesmal geht es um die Frage, wer von den Rückerstattungen der unter der Trump-Administration verhängten Importzölle profitieren sollte – der Konzern oder die Verbraucher, die während der Zollperiode deutlich mehr für ihre PlayStation 5 bezahlt haben.

Neue Sammelklage gegen Sony eingereicht

Die Klage mit dem Titel Walker et al v. Sony Interactive Entertainment LLC wurde am 6. Mai 2026 am US-Bezirksgericht für den Northern District of California eingereicht. Die Kläger Amorey Walker und Bryce Foster-Quarles werfen Sony vor, sich durch die Kombination aus Preiserhöhungen und staatlichen Zoll-Rückerstattungen unrechtmäßig zu bereichern.

Der Kern des Vorwurfs: Sony habe die Kosten der sogenannten IEEPA-Zölle (International Emergency Economic Powers Act) direkt an die Kunden weitergegeben, indem die Konsolenpreise erhöht wurden. Nachdem der US Supreme Court diese Zölle am 20. Februar 2026 mit einer 6:3-Mehrheit für verfassungswidrig erklärt hat, stehen den importierenden Unternehmen nun Rückerstattungen der gezahlten Zollgebühren zu. Die Kläger argumentieren, dass Sony damit doppelt profitiere – einmal durch die höheren Verkaufspreise und ein zweites Mal durch die staatlichen Rückzahlungen.

Die Preiserhöhungen im Überblick

Warum Sony bei PS5-Spielen einen Kurswechsel vollzieht TitelIn den USA stiegen die Preise der PlayStation-5-Konsolen zwischen August 2025 und April 2026 laut der Klageschrift massiv an: Die PS5 Disc Edition wurde um 150 US-Dollar teurer, ebenso die Digital Edition. Für die PS5 Pro wurden sogar 200 US-Dollar mehr fällig.

Auch in Europa und speziell in Deutschland bekamen Spieler die Preiserhöhungen zu spüren. Sony hob zum 2. April 2026 die unverbindlichen Preisempfehlungen für alle PS5-Modelle um jeweils 100 Euro an. Die aktuellen Preise in Deutschland sehen seitdem wie folgt aus:

Modell Alter Preis Neuer Preis (ab 02.04.2026)
PS5 Slim (Disc Edition) 549,99 € 649,99 €
PS5 Slim (Digital Edition) 499,99 € 599,99 €
PS5 Pro 799,99 € 899,99 €
PlayStation Portal 219,99 € 249,99 €

Besonders bemerkenswert: Die PS5 Digital Edition kostet seit ihrem Launch im November 2020 mittlerweile 200 Euro mehr – ein Anstieg von 50 Prozent. Sony begründete die Erhöhungen mit dem „anhaltenden Druck auf die globale Wirtschaftslage“, gestiegenen Komponentenkosten durch den KI-Boom und der US-Zollpolitik.

Hintergrund: Das Supreme-Court-Urteil zu den IEEPA-Zöllen

Der Hintergrund der Klage reicht zurück ins Jahr 2025, als die Trump-Administration unter Berufung auf den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) weitreichende Importzölle verhängte. Am 20. Februar 2026 entschied der US Supreme Court im Fall Learning Resources, Inc. v. Trump mit 6 zu 3 Stimmen, dass der IEEPA dem Präsidenten keine Befugnis zur Erhebung von Zöllen einräumt. Das Urteil wurde von Chief Justice Roberts verfasst und war ein deutlicher Einschnitt in die Handelspolitik der Regierung.

Die Richter argumentierten, dass das Zollrecht eine Steuerhoheit darstellt, die nach der US-Verfassung allein dem Kongress zusteht. Der IEEPA enthält weder den Begriff „Zölle“ noch „Steuern“ – und das Wort „regulieren“ in diesem Gesetz umfasst nach Auffassung des Gerichts nicht die Befugnis zur Besteuerung. Schätzungen zufolge wurden unter den IEEPA-Zöllen insgesamt rund 175 bis 179 Milliarden US-Dollar eingenommen, die nun potenziell zurückerstattet werden müssen.

Sony ist nicht allein – Klagewelle trifft die gesamte Branche

Die Klage gegen Sony reiht sich in eine wachsende Welle ähnlicher Verfahren ein. Bereits am 21. April 2026 wurde eine vergleichbare Sammelklage gegen Nintendo eingereicht. Die Kläger Gregory Hoffert und Prashant Sharan argumentieren in nahezu identischer Weise, dass Nintendo die Zollkosten über höhere Preise an die Kunden weitergab und sich nun gleichzeitig die staatlichen Rückerstattungen sichern will. Nintendo hatte am 6. März 2026 bereits Klage gegen die US-Regierung auf Rückerstattung der gezahlten Zölle erhoben.

Auch außerhalb der Gaming-Branche sind zahlreiche Unternehmen betroffen. Gegen Amazon, Nike, Adidas und Costco laufen ebenfalls Sammelklagen mit der gleichen Begründung. Die Logistikunternehmen UPS und FedEx, die ebenfalls unter Druck geraten waren, haben angekündigt, ihre Zoll-Rückerstattungen an betroffene Kunden weiterzuleiten – wurden aber trotzdem verklagt.

Sonys Klagen-Historie

Für Sony ist die neue Klage bei Weitem nicht die erste juristische Auseinandersetzung der letzten Jahre. Erst kürzlich wurde ein Vergleich in Höhe von 7,85 Millionen US-Dollar in einer Kartellklage vorläufig genehmigt. In diesem Fall ging es um den Vorwurf, Sony habe durch das Verbot von Drittanbieter-Gutscheincodes ein Monopol im digitalen Spielevertrieb über den PlayStation Store geschaffen. Rund 4,4 Millionen Betroffene sind von dem Vergleich erfasst. Darüber hinaus sah sich Sony in der Vergangenheit mit Klagen wegen Controller-Drift und Vorwürfen eines ehemaligen Destiny-Entwicklers konfrontiert.

Wie geht es weiter?

Die Klage Walker v. Sony Interactive Entertainment wurde als landesweite Sammelklage eingereicht und umfasst potenziell alle Personen in den USA, die zwischen dem 1. August 2025 und heute eine PlayStation-5-Konsole zum erhöhten Preis gekauft haben. Die Kläger fordern eine Geschworenenverhandlung.

Da das Verfahren noch in einer sehr frühen Phase steckt, ist unklar, wie hoch eine mögliche Entschädigung für einzelne Betroffene ausfallen könnte. Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass Sony die Preiserhöhungen nie explizit auf die Zölle zurückgeführt hat, sondern allgemein von einem „schwierigen wirtschaftlichen Umfeld“ sprach – was dem Konzern juristischen Spielraum geben könnte.

Für europäische und deutsche PlayStation-Spieler hat die US-Klage zunächst keine direkten Auswirkungen. Allerdings zeigt die Situation, dass die Ära der im Laufe der Lebenszeit günstiger werdenden Spielkonsolen offenbar endgültig vorbei ist – und dass die Folgen der globalen Handelspolitik auch die Gaming-Branche nachhaltig treffen.

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