Sony gibt Entwarnung: PS5-Versorgung trotz globaler RAM-Krise bis Ende 2026 gesichert

Die weltweite Speicherknappheit, von Brancheninsidern bereits als „RAMmageddon“ bezeichnet, hält die Tech-Industrie in Atem. Doch Sony-Finanzchefin Lin Tao konnte Spielern bei der Vorstellung der Q3-Quartalszahlen nun zumindest vorläufig Entwarnung geben: Die PlayStation 5 bleibt von den schlimmsten Auswirkungen verschont – zumindest bis zum Weihnachtsgeschäft 2026.

Sony hat vorgesorgt: Genügend RAM für das kommende Jahr

Während Valve die Veröffentlichung der Steam Machine aufgrund der angespannten Marktlage verschieben musste, präsentiert sich Sony deutlich besser aufgestellt. Die Finanzchefin bestätigte während des Earnings Calls, dass das Unternehmen die „Mindestmenge an Speicher gesichert hat, die nötig ist, um die Weihnachtssaison des nächsten Geschäftsjahres zu bewältigen.“ Diese vorausschauende Lagerhaltung erinnert an Sonys Strategie vor den befürchteten US-Zöllen 2025 – ein Schachzug, der sich erneut auszuzahlen scheint.

Die Aussagen decken sich mit ähnlichen Ankündigungen von Nintendo: Präsident Shuntaro Furukawa erklärte kürzlich, dass die Switch 2 voraussichtlich bis Ende 2026 keine Preiserhöhung erfahren werde. Beide Konsolenhersteller setzen auf langfristige Lieferverträge und laufende Verhandlungen mit Zulieferern.

Warum RAM plötzlich so knapp ist

Die aktuelle Speicherknappheit unterscheidet sich fundamental von der Chip-Krise während der Corona-Pandemie. Diesmal ist nicht ein Produktionsausfall schuld, sondern eine strukturelle Verschiebung der gesamten Halbleiterindustrie: Die drei dominierenden Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron haben ihre Fertigungskapazitäten massiv in Richtung KI-Infrastruktur umgelenkt.

Rechenzentren für künstliche Intelligenz verschlingen astronomische Mengen an Hochleistungsspeicher. Laut IDC werden KI-Arbeitslasten bis Ende des Jahrzehnts rund 70 Prozent der globalen Datencenter-Kapazitäten beanspruchen. High Bandwidth Memory, wie er für KI-Beschleuniger benötigt wird, verbraucht dabei deutlich mehr Wafer-Kapazität als herkömmliche DRAM-Module.

Die Konsequenzen sind drastisch: DRAM-Preise stiegen 2025 um satte 172 Prozent. Micron-CEO Sanjay Mehrotra bezeichnete die Situation als „beispiellos“ und warnte, dass die Engpässe mindestens bis 2028 anhalten werden. Das Unternehmen stellte sogar seine Consumer-Marke „Crucial“ ein, um Kapazitäten für lukrativere KI-Kunden freizumachen.

Sonys Strategie gegen steigende Kosten

Trotz der gesicherten Speicherversorgung bleibt die Frage nach möglichen Preiserhöhungen im Raum. Lin Tao formulierte es diplomatisch: Sony wolle die Auswirkungen steigender Speicherkosten „minimieren“ – schloss aber nicht aus, dass es zu Anpassungen kommen könnte. Die PS5 erhielt bereits 2025 Preiserhöhungen in mehreren Regionen.

Um potenzielle Verluste im Hardware-Geschäft aufzufangen, verfolgt Sony eine zweigleisige Strategie:

Die Monetarisierung der bestehenden Nutzerbasis steht im Fokus. Mit über 92 Millionen verkauften PS5-Konsolen und 132 Millionen monatlich aktiven PSN-Nutzern – ein neuer Rekordwert – verfügt Sony über ein enormes Ökosystem. Controller, Zubehör und kleinere Hardware-Upgrades könnten stärker in den Vordergrund rücken.

Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf den Ausbau von Software- und Netzwerkdiensten. Der PlayStation Store verzeichnete im vergangenen Quartal Rekordumsätze, was die rückläufigen Hardware-Verkäufe mehr als kompensierte. PlayStation Plus trägt ebenfalls erheblich zu den Einnahmen bei.

PS5 überholt PS3 – Verkaufszahlen weiterhin stark

Die aktuellen Quartalszahlen zeigen, dass die nun fünf Jahre alte Konsole weiterhin solide performt. Mit 8 Millionen verkauften Einheiten im Weihnachtsquartal 2025 konnte die PS5 sogar die brandneue Switch 2 um eine Million Einheiten übertreffen.

Die kumulierten Verkäufe von 92,2 Millionen Einheiten bedeuten einen historischen Meilenstein: Die PS5 hat die Lifetime-Sales der PlayStation 3 überholt, die es auf 87,4 Millionen Konsolen brachte. Bis zum Übertreffen der PS4 mit ihren 117 Millionen verkauften Geräten fehlen allerdings noch rund 25 Millionen – ein Ziel, das Sony Schätzungen zufolge bis Mitte 2027 erreichen könnte.

Zum starken Q3-Ergebnis trug maßgeblich Ghost of Yotei bei. Das Sucker-Punch-Spiel übertraf laut Tao die Launch-Verkäufe des Vorgängers Ghost of Tsushima im gleichen Zeitraum. Auch Live-Service-Titel wie Helldivers 2 und MLB The Show generierten stabile wiederkehrende Umsätze.

Was bedeutet das für die PlayStation 6?

Die langfristigen Auswirkungen der RAM-Krise könnten sich vor allem bei der nächsten Konsolengeneration bemerkbar machen. Analysten von MST Financial deuten bereits an, dass die PS6 „länger als erwartet“ auf sich warten lassen könnte.

Ursprünglich kursierten Gerüchte über einen Release Ende 2027 oder Anfang 2028. Angesichts der anhaltenden Speicherengpässe erscheint ein späterer Termin mittlerweile wahrscheinlicher. Ob das für Spieler ein Nachteil ist, bleibt abzuwarten: Mehr Entwicklungszeit könnte auch bessere Hardware bedeuten – sofern Sony die Produktionskosten im Griff behält.

Für Käufer, die noch keine PS5 besitzen, ist 2026 jedenfalls ein sicheres Fenster. Weder Lieferengpässe noch signifikante Preiserhöhungen sind laut Sony in diesem Zeitraum zu erwarten. Wer hingegen auf fallende Preise spekuliert, sollte die Entwicklung am Speichermarkt genau im Auge behalten – denn Entspannung ist dort vorerst nicht in Sicht.

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