Nach über drei Jahren Funkstille hat Konami endlich den Vorhang gelüftet: Silent Hill: Townfall hat während der PlayStation State of Play am 12. Februar 2026 seinen ersten Gameplay-Trailer erhalten – und der hat es in sich. Das Spiel, das ursprünglich im Oktober 2022 während einer Silent Hill Transmission erstmals angekündigt wurde, entpuppt sich als vollwertiger Ego-Survival-Horror-Titel mit einer frischen Vision für die legendäre Franchise.
Von der Ankündigung zum Gameplay – ein langer Weg
Als Konami 2022 insgesamt fünf neue Silent-Hill-Projekte vorstellte, war Townfall das vielleicht mysteriöseste davon. Der damalige Teaser zeigte lediglich ein statisches Radio und kryptische Bilder mit versteckten Botschaften – darunter Morsecode für „S.O.S.“ und „I don't know how to leave“ sowie der eingeblendete Text „Whatever heart this town had has now stopped“. Seitdem herrschte weitgehend Stille um das Projekt, während das Silent Hill 2 Remake und Silent Hill f die Franchise erfolgreich zurück ins Rampenlicht brachten. Nun ist Townfall an der Reihe, und der erste richtige Gameplay-Eindruck überzeugt auf ganzer Linie.
Protagonist Simon Ordell und die Insel St. Amelia
In Silent Hill: Townfall schlüpfen Spieler in die Rolle von Simon Ordell, einem neuen Protagonisten, der sich auf der nebelverhangenen Insel St. Amelia wiederfindet. Simon erwacht wiederholt im Wasser vor der Küste der verlassenen Kleinstadt und trägt ein medizinisches Armband am Handgelenk – erste Hinweise darauf, dass mit ihm etwas nicht stimmt. In einem Gespräch mit einer unbekannten Frau äußert er den Wunsch, nicht für immer in einem Raum bleiben zu wollen – eine Szene, die unweigerlich Erinnerungen an James und Mary Sunderland aus Silent Hill 2 weckt.
Die Stadt St. Amelia selbst ist von schottischen Küstendörfern inspiriert. Art Director Paul Abbott erklärte, dass er selbst in einer kleinen Fischerstadt aufgewachsen sei, die St. Amelia stark ähnelt. Der charakteristische Silent-Hill-Nebel ist hier kein bloßes Franchise-Zitat, sondern spiegelt die reale Atmosphäre schottischer Küstenorte wider. Das Entwicklerteam hat reale Straßenecken, Sitzbänke und architektonische Details als Vorlagen genutzt, um eine möglichst authentische und immersive Umgebung zu schaffen.
Ego-Perspektive als bewusste Entscheidung
Die wohl auffälligste Neuerung: Silent Hill: Townfall ist der erste vollwertige Titel der Reihe, der komplett in der Ego-Perspektive gespielt wird. Zwar bot Silent Hill: The Short Message bereits Ego-Gameplay, doch Townfall ist das erste Spiel in voller Länge mit dieser Kameraperspektive. Die Brüder Jon und Graeme McKellan – Writer/Director beziehungsweise Lead Game Designer bei Screen Burn – haben sich früh im Entwicklungsprozess für diesen Ansatz entschieden. Laut Jon McKellan sei im Horror das, was außerhalb des Sichtfelds passiert, oft beängstigender als das, was direkt vor einem liegt. Die klaustrophobischere Perspektive soll Screen Burns eigene Marke des Horrors in die Franchise einbringen.
Cutscenes wechseln dabei in die dritte Person, während das gesamte Gameplay aus Simons Augen erlebt wird. Spieler können sich an Ecken vorbeilehnen, in dunkle Bereiche spähen und sich vor Feinden verstecken – ähnlich wie in der Outlast-Reihe. Nicht jeder Kampf in Townfall ist gewinnbar, weshalb Schleich-Mechaniken eine zentrale Rolle spielen.
Das CRTV – Eine Evolution des ikonischen Radios

Anstelle des klassischen Radios, das in früheren Silent-Hill-Teilen durch statisches Rauschen vor nahenden Feinden warnte, trägt Simon ein sogenanntes „CRTV“ bei sich. Dieses handliche Gerät mit kleinem Bildschirm vereint laut Jon McKellan „echte Retro-Technologie und innovative Techniken“, um körnige, authentische Audio- und Videoinhalte zu erzeugen. Das CRTV geht über die passive Warnfunktion des Radios hinaus: Es erlaubt Simon, durch die Umgebung hindurch zu „sehen“ und Bedrohungen in der Nähe aufzuspüren. Darüber hinaus empfängt das Gerät Signale aus der Stadt, die Teile der Geschichte enthüllen und bei Rätseln helfen.
Der Name „Screen Burn“ – also das Einbrennen eines Bildes in alte CRT-Bildschirme – ist dabei kein Zufall: Das Studio hat sich nach genau diesem Phänomen benannt, als es sich 2025 von „No Code“ umbenannte.
Kampf, Waffen und Kreaturendesign
Der Trailer zeigt Simon im Kampf gegen groteske Kreaturen. Als Waffen stehen ihm unter anderem eine Holzplanke, eine Feueraxt und eine Handfeuerwaffe zur Verfügung. Das Kreaturendesign stammt unter anderem vom französischen Konzeptkünstler Franck Besançon, der für die monströsen Bewohner von St. Amelia verantwortlich zeichnet. Die gezeigten Feinde fügen sich nahtlos in die verstörende Ästhetik der Silent-Hill-Reihe ein.
Auf der PS5 nutzt Silent Hill: Townfall zudem die Features des DualSense-Controllers. Laut den Entwicklern sollen haptisches Feedback und adaptive Trigger nicht nur dem Kampf mehr Gewicht verleihen, sondern auch die Spannung in Begegnungen dynamisch verstärken. Wenn ein Feind sich dem Versteck des Spielers nähert, sollen dessen Schritte spürbar durch den Controller vibrieren.
Story-getriebene Rätsel und zyklische Erzählung

Inhaltlich setzt Townfall auf eine narrative Struktur, die auf Wiederholung und Scheitern basiert. Simon scheint in einer Art Zeitschleife gefangen zu sein und versucht, einen Fluch zu brechen, der ihn zwingt, dieselben albtraumhaften Ereignisse immer wieder zu durchleben. Wie bei anderen Silent-Hill-Protagonisten trägt auch Simon eine schwere emotionale Last, und die Atmosphäre der Umgebung spiegelt dieses Gewicht wider. Schuld als wiederkehrendes Thema der Reihe wird auch hier erforscht – allerdings auf eine ganz eigene Art.
Die Entwickler betonen den Fokus auf story-getriebene Rätsel und ein mysteriöses Narrativdesign. Vertreter von Annapurna Interactive und Screen Burn erklärten, dass sie ein Spiel erschaffen wollten, das sich spezifisch nach dem Team anfühlt, das daran arbeitet. Spieler erfahren nur das, was Simon weiß – eine bewusste Designentscheidung, die den Spannungsbogen über das gesamte Spiel aufrechterhalten soll.
Silent Hill als Phänomen – nicht nur ein Ort
Wie schon Silent Hill f, das die psychologischen Schrecken der Reihe ins ländliche Japan verlegte, bricht auch Townfall mit der Tradition, dass Silent-Hill-Geschichten in der namensgebenden Stadt spielen müssen. St. Amelia liegt in Nordeuropa, inspiriert von der schottischen Ostküste. Das Spiel verfolgt dabei ein zentrales Konzept: Silent Hill ist nicht nur ein Ort, sondern ein Phänomen, das sich überall manifestieren kann. Dieser Ansatz eröffnet der Franchise völlig neue Möglichkeiten und war ursprünglich als Grundstein einer Anthologie-Reihe geplant, in der verschiedene Kreativteams ihre eigenen Silent-Hill-Geschichten erzählen.
Screen Burn – Vom Indie-Studio zum Silent-Hill-Entwickler

Screen Burn Interactive, ehemals bekannt als No Code, ist ein kleines Studio mit Sitz in Glasgow, Schottland. Bekannt wurden sie durch die narrativ fokussierten Titel Stories Untold und Observation, die beide atmosphärische Horror-Elemente enthielten. Als Annapurna Interactive nach dem Erfolg von Observation auf das Studio zukam, begannen die Arbeiten an einem Pitch für ein Silent-Hill-Spiel – das Team arbeitet somit seit schätzungsweise sechs Jahren an Townfall. Die Studiogröße hat sich im Zuge der Entwicklung verdoppelt, was den Umfang des Projekts unterstreicht. Annapurna stellte in der Silent Hill Transmission klar: Obwohl sie als Indie-Publisher bekannt seien, handele es sich bei Townfall keineswegs um ein Indie-Projekt.
Plattformen und Release
Silent Hill: Townfall erscheint 2026 für PlayStation 5 und PC (Steam sowie Epic Games Store). Einige Quellen nennen auch die Xbox Series X|S als Plattform, während die offizielle Konami-Website zum Zeitpunkt der Ankündigung nur PS5 und PC aufführt – ob Xbox zum Launch oder später folgt, bleibt somit abzuwarten. Ein exaktes Erscheinungsdatum wurde noch nicht genannt, einige Berichte deuten jedoch auf einen Release im Sommer 2026 hin. Das Spiel kann bereits auf Steam und im Epic Games Store auf die Wunschliste gesetzt werden.
Was Townfall für die Zukunft der Reihe bedeutet
Mit dem Silent Hill 2 Remake, Silent Hill f und nun Townfall hat Konami die einst totgeglaubte Franchise eindrucksvoll wiederbelebt. Townfall war das letzte der fünf 2022 angekündigten Projekte, das noch ohne Gameplay-Material dastand – diese Lücke ist nun geschlossen. Ob Screen Burns Vision dem Erbe der Reihe gerecht wird und sich gegen andere kommende Survival-Horror-Titel behaupten kann, wird sich zeigen. Die ersten Eindrücke stimmen jedoch optimistisch: Die Kombination aus Ego-Perspektive, einem atmosphärisch dichten schottischen Setting und der kreativen Handschrift eines Studios, das narrative Horror-Erfahrungen beherrscht, könnte genau die frische Perspektive sein, die Silent Hill braucht.
