Seit fast 30 Jahren schickt Capcom seine Survival-Horror-Reihe Resident Evil an die unterschiedlichsten Schauplätze – von den Straßen Raccoon Citys über das sumpfige Louisiana in Resident Evil 7 und das ländliche Spanien in Resident Evil 4 bis ins osteuropäische Bergdorf von Resident Evil Village. Ein naheliegender Ort fehlt jedoch bis heute: das Heimatland des Entwicklers, Japan. Genau dieses Thema kam nun in einem Entwicklerinterview zur Sprache – und die Antwort dürfte eingefleischte Fans aufhorchen lassen.
Masato Kumazawa, Produzent des erst kürzlich veröffentlichten Resident Evil Requiem, deutet an, dass ein Japan-Setting für einen künftigen Serienteil durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Eine offizielle Ankündigung ist das ausdrücklich nicht – aber ein bemerkenswertes Eingeständnis, dass das Team intern längst über diese Richtung nachdenkt.
Das steckt hinter den Aussagen
Die Aussagen stammen aus einem Gespräch mit dem japanischen Magazin Futaman. Geführt wurde das Interview von der ehemaligen japanischen Nachrichtensprecherin und bekennenden Resident-Evil-Anhängerin Risa Unai, die mit Kumazawa und dem leitenden Spieldesigner Kenji Fukasawa über den Erfolg von Requiem sowie über die künftige Ausrichtung der Reihe sprach.

Auf die Frage nach einem möglichen japanischen Schauplatz antwortete Kumazawa, dass ein Japan-Setting etwas sei, über das wohl jeder japanische Resident-Evil-Fan schon einmal nachgedacht habe – er selbst eingeschlossen. Da das Entwicklerteam überwiegend in Japan ansässig sei, habe sich vermutlich jedes Teammitglied bereits Gedanken darüber gemacht. Bislang sei Japan zwar noch nie als Schauplatz aufgetaucht, das könne sich künftig aber ändern.
Es ist ein vorsichtiges, aber vielsagendes „Vielleicht“. Kumazawa legt sich bewusst nicht fest, lässt die Tür für ein Japan-Abenteuer aber weit offen.
Flexible Zeitlinie statt starrer Regeln
Spannend ist, was Kumazawa darüber hinaus zur Chronologie der Reihe verriet. Obwohl die Figuren mit jedem neuen Teil sichtbar altern, gebe es dafür keine festen Vorgaben. Erst ab Resident Evil 4 habe man begonnen, das Altern der Charaktere bewusst darzustellen. Zuvor sei die Serie sogar einmal in der Zeit zurückgesprungen: Zwischen Resident Evil 2 und Resident Evil 3 wurde die Handlung nach hinten verschoben.
Das Team passe die Zeitlinie flexibel an die jeweilige Geschichte an, erklärte der Produzent. Dabei spiele die Überlegung eine Rolle, dass in der Gegenwart angesiedelte Geschichten die Spieler stärker in die Welt hineinziehen. Auch Requiem selbst nutzt diese Freiheit und zeigt unter anderem Szenen, die acht Jahre und teils noch weiter in der Vergangenheit liegen.
„Requiem“ ist nicht das Ende der Reihe
Trotz des schwergewichtigen Titels und des zeitlichen Zusammenfalls mit dem 30-jährigen Serienjubiläum stellten die Entwickler eine wichtige Sache klar: Resident Evil Requiem ist nicht als großer Abschluss der Reihe gedacht. Im Gegenteil – es gebe noch jede Menge zu erkunden, darunter die Geschichten jener Figuren, die im aktuellen Teil nicht vorkamen.
Kumazawa betonte zugleich, dass das Team die Kernelemente der Serie – die Charaktere und die Ereignisse, die sich entfalten – bewahren wolle. Gleichzeitig wisse man aber: Wer immer wieder dasselbe Spiel veröffentliche, langweile die Spieler irgendwann. Deshalb wolle man sich auch weiterhin neuen Herausforderungen stellen. Als Beispiele für solche Wagnisse nannte er den Perspektivwechsel in Requiem sowie das „Jenseits“ und die Megamycete-Mythologie aus Resident Evil Village.
Welche Charaktere kämen für ein Japan-Setting infrage?
Ein neuer Schauplatz wäre allein schon spannend – mindestens ebenso interessant ist aber die Frage nach dem Personal. Langjährige Publikumslieblinge wie Leon, Jill, Claire, Ada oder Chris könnten sich theoretisch auf eine Mission in Japan begeben. Genauso gut böte ein solches Spiel aber die Chance, frische Gesichter einzuführen.
Die Reihe hat zuletzt bewiesen, dass das funktioniert: Mit Ethan Winters und seiner Tochter Rosemary etablierte Capcom neue Hauptfiguren, und Resident Evil Requiem brachte neben dem zurückgekehrten Leon S. Kennedy mit Grace Ashcroft eine Newcomerin als zweite spielbare Protagonistin ins Spiel. Ein Japan-Abenteuer würde der Serie also reichlich erzählerischen Spielraum eröffnen.
Silent Hill hat den Schritt bereits gewagt

Dass ein japanischer Schauplatz für Horror bestens funktioniert, hat die Konkurrenz gerade erst vorgemacht. Konamis Silent Hill f verlegte das Geschehen erstmals nach Japan – in ein nebelverhangenes Dorf der 1960er Jahre – und zeigte eindrucksvoll, wie unheimlich diese Kulisse sein kann. Auch sonst sucht Konami neue Wege: Silent Hill: Townfall spielt in Schottland.
Sollte Resident Evil tatsächlich nach Japan kommen, läge ein Setting in der Gegenwart näher als der Rückgriff auf vergangene Jahrzehnte – schließlich spielen nahezu alle Hauptteile der Reihe in der Jetztzeit, und Kumazawa hält die Gegenwart bekanntlich für besonders immersiv. Bis dahin bleibt das Ganze aber Spekulation.
Resident Evil Requiem: Release, Plattformen und Preise im Überblick
Der neunte Hauptteil der Reihe ist seit dem 27. Februar 2026 erhältlich und kehrt nach Raccoon City zurück. Spielbar ist Requiem auf PC (Steam und Epic Games Store), PlayStation 5, Xbox Series X/S sowie Nintendo Switch 2. Anders als noch bei Resident Evil Village sind sowohl die Ego- als auch die Third-Person-Perspektive ohne Aufpreis enthalten.
Bei den Editionen und Preisen für Deutschland sieht es wie folgt aus:
| Edition | Preis (digital) |
|---|---|
| Standard Edition | 79,99 Euro |
| Deluxe Edition | 89,99 Euro |
Auf den Konsolen war der Titel in Deutschland bereits ab Mitternacht des 27. Februar spielbar, während der globale PC-Launch einheitlich um 06:00 Uhr morgens erfolgte.
Fazit: Ein Japan-Resident-Evil scheint nur eine Frage der Zeit
Noch ist nichts in Stein gemeißelt – Kumazawas Worte sind ein Gedankenspiel, keine Ankündigung. Doch die Kombination aus einem in Japan beheimateten Team, der ausdrücklichen Lust auf neue Wagnisse und dem klaren Bekenntnis, dass die Reihe mit Requiem noch lange nicht am Ende ist, lässt ein Japan-Setting realistischer erscheinen denn je. Wann und in welcher Form es so weit ist, bleibt abzuwarten – das nächste große Resident Evil dürfte ohnehin noch einige Jahre entfernt sein.