Ein früher Prototyp von Pokemon Pokopia ist online aufgetaucht und offenbart eine radikal andere Entwicklungsrichtung als die im September angekündigte Version. Der vollständig spielbare Build aus dem Jahr 2019 wurde im Rahmen des umfangreichen „Teraleak“ entdeckt und gibt Einblick in die ursprüngliche Vision von Game Freak.
Von Stardew Valley zu Minecraft: Die dramatische Transformation
Der geleakte Prototyp präsentiert sich im charmanten Pixel-Art-Stil und erinnert stark an Stardew Valley statt an die Minecraft-ähnliche Optik der aktuellen Version. Während die angekündigte Fassung von Pokemon Pokopia auf 3D-Grafik und eine moderne Präsentation setzt, arbeitete Game Freak ursprünglich mit einem 2D-Top-Down-Design, das den klassischen Pokemon-Titeln näher stand.
Das Gameplay-Konzept unterschied sich ebenfalls fundamental. In der 2019er-Version wiesen Spieler Pokemon spezifische Aufgaben zu: Ein Bisasam konnte Pflanzen ernten, während Glurak beim Hausbau half. Die Pokemon arbeiteten eigenständig an farmähnlichen Standorten und sammelten Ressourcen. Diese Ressourcenmanagement-Mechanik bildete das Herzstück des Spiels und erinnerte an klassische Aufbausimulationen mit Pokemon-Thematik.
Entwicklungswechsel von Game Freak zu Koei Tecmo
Der Leak enthüllte auch wichtige Details zur Entwicklungsgeschichte. Pokemon Pokopia startete ursprünglich als reines Game-Freak-Projekt und sollte für die Nintendo Switch 1 erscheinen. Das Spiel war als spiritueller Nachfolger von Pokemon: Let's Go Pikachu und Evoli konzipiert und hätte Assets aus früheren Top-Down-Pokemon-Spielen wiederverwendet.

Im Laufe der Entwicklung wurde das Projekt jedoch komplett an Koei Tecmos Omega Force Studio ausgelagert. Diese Entscheidung führte zu einer fundamentalen Neuausrichtung: Das Spiel wurde auf eine neue technische Basis gestellt, die moderne 3D-Grafik ermöglichte und für die kommende Nintendo Switch 2 optimiert wurde.
Die aktuelle Version: Ditto im Mittelpunkt
In der finalen Version von Pokemon Pokopia, die 2026 erscheinen soll, steht das formwandelnde Pokemon Ditto im Zentrum. Spieler kontrollieren ein Ditto, das sich in einen Menschen verwandelt hat und die Fähigkeiten anderer Pokemon erlernen kann. Möchte man beispielsweise Pflanzen bewässern, kopiert man einfach Schiggys Aquaknarre-Attacke.
Diese Mechanik ersetzt das ursprüngliche Konzept, Pokemon direkt zu kommandieren. Ob in der finalen Version dennoch Pokemon eigenständig Aufgaben übernehmen können, bleibt unklar. Die offiziellen Trailer zeigen zwar Pokemon, die auf der Karte umherwandern, allerdings scheinen sie hauptsächlich zu tanzen statt produktive Tätigkeiten auszuführen.
Das Spiel wird Multiplayer-Funktionen bieten und zahlreiche beliebte Pokemon wie Glumanda, Pikachu, Pichu, Myrapla, Taubsi, Vulpix, Lapras, Karpador, Evoli und verschiedene Evoli-Entwicklungen enthalten.
Teil des größeren Teraleak
Der spielbare Prototyp ist nur eine von vielen Enthüllungen aus dem massiven Teraleak, der Game Freak im Oktober traf. Der Leak umfasste den vollständigen Unity-Source-Code, was technisch versierte Fans dazu befähigt, die frühe Version tatsächlich zu spielen. Entwickler RyDawgE entdeckte den Build zunächst, bevor der bekannte Leak-Account CentroLeaks Videomaterial und Downloadlinks verbreitete.
Neben Pokemon Pokopia enthüllte der Teraleak auch Details zu zukünftigen Hauptspielen. Die Generation 10 soll angeblich Pokemon Wind und Pokemon Wave heißen und in einer von Südostasien inspirierten Region mit prozedural generierten Inseln spielen. Eine offizielle Ankündigung wird für den Pokemon Day im Februar 2026 erwartet, mit einem möglichen Release im selben oder im darauffolgenden Jahr. Für Generation 11 ist ein Start erst 2030 vorgesehen.
Zwischen zwei Welten
Der geleakte Prototyp zeigt eindrücklich, wie stark sich Pokemon Pokopia während der Entwicklung verändert hat. Was als farmzentriertes Management-Spiel im Stardew-Valley-Stil begann, wird nun zu einem Minecraft-inspirierten 3D-Abenteuer mit Ditto als charismatischem Protagonisten.
Trotz der dramatischen Transformation könnten einige Kernkonzepte überleben. Tag-Nacht-Zyklen und dynamisches Wetter, die bereits im Prototyp vorhanden waren, wurden für die finale Version bestätigt. Auch die grundlegende Idee, mit Pokemon zusammenzuarbeiten und Strukturen zu errichten, bleibt erhalten – wenn auch in modernisierter und optisch aufgewerteter Form.
Fans dürfen gespannt sein, wie die finale Version von Pokemon Pokopia für die Nintendo Switch 2 aussehen wird und ob Elemente des ursprünglichen Konzepts in subtiler Form zurückkehren. Der Leak bietet jedenfalls einen faszinierenden Einblick in den kreativen Prozess und zeigt, wie drastisch sich die Vision eines Spiels während der Entwicklung wandeln kann.