Sony hat eine weitreichende Strategieänderung bestätigt: Hauseigene Singleplayer-Spiele der PlayStation Studios werden künftig nicht mehr für den PC erscheinen. Titel wie Ghost of Yotei, Saros, Marvel's Wolverine und Intergalactic: The Heretic Prophet bleiben PS5-exklusiv. Multiplayer- und Live-Service-Spiele wie Marathon, Marvel Tokon: Fighting Souls und Horizon Hunters Gathering sind von der Entscheidung nicht betroffen und werden weiterhin plattformübergreifend veröffentlicht.
Hermen Hulst bestätigt das Ende der PC-Ports
Am 18. Mai 2026 hat Hermen Hulst, CEO der Sony Studio Business Group, die Entscheidung in einer internen Town-Hall-Versammlung gegenüber den Mitarbeitern offiziell bestätigt. Bloomberg-Journalist Jason Schreier berichtete zuerst über die Ankündigung auf der Social-Media-Plattform Bluesky. Die offizielle Bestätigung folgt auf einen Bloomberg-Bericht vom März 2026, in dem Schreier bereits über Sonys geplanten Rückzug von der Multiplattform-Strategie berichtet hatte.

Hulst stellte laut Quellen klar: Die narrativen Singleplayer-Spiele der PlayStation Studios sollen ab sofort ausschließlich auf PlayStation-Konsolen erscheinen. Eine öffentliche Stellungnahme von Sony steht bislang aus – Experten rechnen frühestens bei einer Investorenkonferenz mit einem offiziellen Kommentar.
Was sich für PC-Spieler ändert
Die Liste der betroffenen Titel ist lang und schmerzhaft für die PC-Community. Konkret werden folgende Spiele nicht auf den PC kommen:
- Ghost of Yotei – Der Nachfolger von Ghost of Tsushima, das 2024 noch erfolgreich auf Steam erschien, bleibt PS5-exklusiv.
- Saros – Der Third-Person-Shooter-Roguelike von Housemarque, dessen Vorgänger Returnal noch auf den PC portiert wurde.
- Marvel's Wolverine – Insomniacs nächster Superhelden-Titel nach der Spider-Man-Reihe, geplant für September 2026.
- Intergalactic: The Heretic Prophet – Naughty Dogs neues Projekt wird ebenfalls nicht den Sprung auf den PC schaffen.
Eine wichtige Ausnahme bilden Spiele von Drittentwicklern, die Sony lediglich als Publisher vertreibt. Death Stranding 2: On the Beach von Kojima Productions sowie Kena: Scars of Kosmora von Ember Lab sollen weiterhin auf PC erscheinen. Ebenso bleibt die Multiplayer-Schiene unangetastet: Titel wie Marathon, Horizon Hunters Gathering und Helldivers 2 werden plattformübergreifend angeboten.
Warum Sony die Strategie ändert

Mehrere Faktoren haben offenbar zu dieser Kehrtwende geführt:
Sinkende Verkaufszahlen bei PC-Ports: Während die ersten PlayStation-Ports auf Steam durchaus erfolgreich waren, zeigten spätere Veröffentlichungen einen deutlichen Abwärtstrend. God of War Ragnarök verkaufte sich auf dem PC weniger als halb so gut wie sein Vorgänger, ähnlich erging es Spider-Man 2 im Vergleich zum ersten Teil. Laut Alinea Analytics machten PC-Verkäufe zuletzt weniger als 2,5 Prozent des gesamten PlayStation-Umsatzes aus.
Schutz der Markenidentität: Innerhalb von Sony gab es wachsende Bedenken, dass die Verfügbarkeit großer Exklusivtitel auf Steam die Marke PlayStation schwächt und Konsolenverkäufe kannibalisiert. Marktforschungsdaten von Circana zeigen, dass exklusive Spiele der wichtigste Faktor bei der Kaufentscheidung für Konsolenhardware sind.
Microsofts neue Xbox-Strategie: Ein weiterer Faktor ist Microsofts nächste Xbox-Konsole, die stärker als PC-ähnliches System konzipiert sein soll und theoretisch Zugang zu mehreren Storefronts bieten könnte – darunter potenziell auch PlayStation-Spiele. Diese Aussicht dürfte Sonys Entscheidung beschleunigt haben.
PSN-Pflicht und Piraterie: PC-Spieler reagierten zudem ablehnend auf die Pflicht, ein PlayStation-Network-Konto zu erstellen. Hinzu kommen Piraterie-Probleme: Spider-Man 2 wurde vor seinem offiziellen PC-Release bereits gecrackt und von Hunderttausenden Spielern in inoffiziellen Versionen gespielt.
Die Milliarden-Bilanz der PC-Ports
Sonys PC-Strategie war keineswegs ein Misserfolg – zumindest in absoluten Zahlen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- Seit 2022 hat Sony mindestens 2,37 Milliarden US-Dollar Umsatz durch Spieleverkäufe auf PC und Xbox generiert.
- Auf Steam allein wurden über 43 Millionen Exemplare von PlayStation-Titeln verkauft, mit einem Bruttoumsatz von rund 1,5 Milliarden US-Dollar.
- Helldivers 2 führt die Rangliste mit 12,7 Millionen verkauften Exemplaren auf Steam an – mehr als doppelt so viele wie auf der PS5.
- God of War folgt mit 4,2 Millionen, Days Gone mit 3,4 Millionen und Spider-Man Remastered mit 2,7 Millionen verkauften Einheiten.
Das Problem: Der Großteil dieser Einnahmen stammte von Multiplayer-Titeln, insbesondere Helldivers 2. Die narrativen Singleplayer-Ports, für die PlayStation eigentlich bekannt ist, konnten nach den anfänglichen Erfolgen nicht mehr an diese Zahlen anknüpfen.
Der Weg zur Exklusivität: Von Horizon Zero Dawn bis zum Strategiewechsel

PlayStation begann seine PC-Offensive im Jahr 2020 mit der Veröffentlichung von Horizon Zero Dawn auf Steam – ein damals als historisch empfundener Schritt. In den folgenden Jahren portierte Sony zahlreiche seiner größten Franchises auf den PC: God of War (2022), Spider-Man Remastered (2022), Returnal (2023), The Last of Us Part I (2023), Ratchet & Clank: Rift Apart (2023), Ghost of Tsushima (2024), God of War Ragnarök (2024), Spider-Man 2 (2024/2025) und weitere Titel.
Diese Ära ist nun vorbei. In rund sechs Jahren hat Sony insgesamt 16 Singleplayer-Spiele auf den PC gebracht – eine beachtliche Zahl, die die PC-Gaming-Community nachhaltig geprägt hat. Doch die nachlassenden Verkaufszahlen bei neueren Ports und die strategische Neuausrichtung unter Hermen Hulst setzen dem Experiment ein Ende.
PS5-Preiserhöhung verschärft die Situation

Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der Sony die Preise für seine Hardware in Deutschland deutlich angehoben hat. Seit dem 2. April 2026 gelten folgende Preise:
- PS5 mit Laufwerk: 649,99 € (zuvor 549,99 €, +100 €)
- PS5 Digital Edition: 599,99 € (zuvor 499,99 €, +100 €)
- PS5 Pro: 899,99 € (zuvor 799,99 €, +100 €)
- PlayStation Portal: 249,99 € (zuvor 219,99 €, +30 €)
Die PS5 Digital Edition hat sich damit seit ihrem Launch im November 2020 um satte 200 Euro verteuert – ein Preisanstieg von 50 Prozent. Zusätzlich hat Sony eine Preiserhöhung für PlayStation Plus Essential angekündigt, die ab dem 20. Mai 2026 in ausgewählten Regionen gilt.
Für PC-Spieler, die bislang auf PlayStation-Ports gewartet haben, bedeutet das: Wer künftig Ghost of Yotei, Marvel's Wolverine oder das nächste Naughty-Dog-Spiel erleben will, muss mindestens 599,99 Euro für eine PS5 Digital Edition investieren. Eine bittere Pille, die Nintendo-Spieler allerdings seit Jahrzehnten schlucken.
Was bedeutet das für die Gaming-Branche?
Sonys Kehrtwende steht im direkten Kontrast zu Microsofts Strategie unter der neuen Xbox-CEO Asha Sharma, die zunehmend auf Multiplattform-Veröffentlichungen setzt. Während Xbox seine Studios-Titel auf möglichst vielen Plattformen anbieten will, geht Sony den entgegengesetzten Weg und kehrt zum klassischen Exklusivitätsmodell zurück – einem Ansatz, der Nintendo seit jeher erfolgreich verfolgt.
Die Branche wird genau beobachten, ob sich diese Strategie in höheren Hardwareverkäufen niederschlägt. Gleichzeitig bleiben einige Fragezeichen: Sony hat selbst eingeräumt, dass sich Pläne in der unberechenbaren Videospielbranche jederzeit ändern können. Ob die Rückkehr zur Exklusivität dauerhaft Bestand hat oder bei veränderten Marktbedingungen erneut überdacht wird, bleibt abzuwarten. Für PC-Spieler heißt es vorerst: Entweder eine PlayStation kaufen – oder auf die verbliebenen Multiplayer-Ports und Drittanbieter-Titel hoffen.