Der Hype um Palworld reißt nicht ab – doch wie lange kann das Survival-Phänomen noch wachsen? Verlagsleiter John Buckley hat auf der GDC überraschend offen über die Grenzen des aktuellen Spiels und eine mögliche Fortsetzung gesprochen.
Kein zweites No Man's Sky: Warum endlose Updates keine Option sind
Seit dem explosiven Early-Access-Start im Januar 2024 hat sich Palworld mit über 25 Millionen verkauften Exemplaren und einem Allzeit-Rekord von über 2,1 Millionen gleichzeitigen Spielern auf Steam als eines der erfolgreichsten Indie-Spiele der letzten Jahre etabliert. Viele Fans träumen seither davon, dass Pocketpair den Titel über ein Jahrzehnt hinweg mit regelmäßigen Großupdates versorgt – ähnlich wie Hello Games es mit No Man's Sky vorgemacht hat.
John Buckley, Verlagsleiter und Kommunikationsdirektor bei Pocketpair, hat diesen Hoffnungen im Gespräch mit GamesRadar+ auf der GDC 2026 allerdings einen Dämpfer verpasst. Das Problem liege in der grundlegenden Spielstruktur: Palworld setze auf lineare Progression, bei der Spieler stetig stärker werden und höherstufige Ausrüstung freischalten. Bei einem Spiel mit horizontaler Progression wie No Man's Sky funktioniere das Modell endloser Erweiterungen, doch bei Palworld stoße man irgendwann an eine natürliche Grenze.
Buckley zog dabei einen Vergleich zu World of Warcraft, das im Laufe der Jahre mehrfach einen sogenannten „Stat Squish“ durchführen musste, um die immer weiter steigenden Zahlenwerte überhaupt noch handhabbar zu halten. Fünf Level hier, zehn Level dort – irgendwann münde das in eine unkontrollierbare Aufblähung des Spiels.
Casual-Spieler im Blick: Wenn Inhalte zur Last werden
Ein weiterer zentraler Aspekt in Buckleys Überlegungen ist die Zugänglichkeit für Gelegenheitsspieler. Bereits jetzt bietet Palworld im Minimum rund 20 bis 30 Stunden Spielzeit, und mit dem bevorstehenden 1.0-Update wird dieser Umfang nochmals deutlich anwachsen. Die Frage, die sich das Studio stellt: Wie weit kann man den Inhalt noch ausdehnen, bevor sich das Spiel für Neueinsteiger wie eine lästige Pflicht anfühlt?
Dieses Spannungsfeld zwischen den Wünschen der Hardcore-Community und der Einstiegsfreundlichkeit für neue Spieler beschäftigt Pocketpair offenkundig intensiv. Es ist ein Balanceakt, den viele Live-Service-Spiele kennen – und an dem nicht wenige gescheitert sind.
Palworld 2.0: Sequel als Lösung gegen Game Bloat?
Die vielleicht spannendste Aussage des Interviews: Buckley schließt ein Palworld 2.0 ausdrücklich nicht aus. Eine Fortsetzung könnte die eleganteste Lösung sein, um das Universum weiterzuentwickeln, ohne die bestehende Version zu überladen. Es hänge davon ab, wie weit man das aktuelle Spiel noch sinnvoll erweitern könne, ohne dass es langweilig oder unzugänglich werde.
Buckley deutete zudem an, dass intern bereits über etwas jenseits des aktuellen Palworld nachgedacht wird – auch wenn er das Wort „Sequel“ bewusst vermied, um nichts voreilig in die Welt zu setzen.
Voller Fokus auf Version 1.0
Trotz der Sequel-Andeutungen betonte Buckley unmissverständlich: 100 Prozent des Pocketpair-Teams arbeitet aktuell am 1.0-Release. Dieser soll 2026 erscheinen und das Spiel endgültig aus dem Early Access führen. Intern wird das Update als das „größte aller Zeiten“ beschrieben, mit massiven Erweiterungen der Spielwelt, neuen Pals, verbesserten Systemen und umfangreichen Qualitätsverbesserungen.
Seit dem Early-Access-Start hat Palworld bereits fünf große Updates erhalten: Version 0.2 brachte Raid-Bosse, 0.3 die Sakurajima-Insel, 0.4 das Feybreak-Gebiet, 0.5 führte Crossplay ein und 0.6 lieferte die Terraria-Kollaboration. Die 1.0-Version soll all das in den Schatten stellen und gleichzeitig die technischen Schwächen und den bekannten „Jank“ des Spiels beheben.
Palworld wächst über das Hauptspiel hinaus
Parallel zur Arbeit am Hauptspiel treibt Pocketpair die Expansion der Marke voran. Mit Palworld: Palfarm befindet sich ein Cozy-Farming-Spinoff in Entwicklung, das von einem separaten, kleinen Team erstellt wird. Das Spiel setzt auf eine entspannte Lebenssimulation im Stil von Stardew Valley und Animal Crossing, in der Spieler gemeinsam mit ihren Pals eine Farm aufbauen, kochen, craften und Beziehungen pflegen können. Palfarm hat bereits eine eigene Steam-Seite und soll mehrere Sprachen unterstützen, darunter auch Deutsch.
Darüber hinaus hat Pocketpair ein Palworld-Sammelkartenspiel angekündigt, dessen erste Trial Decks und Erweiterungen im Juli 2026 erscheinen sollen. Auch Kollaborationen mit anderen Indie-Spielen wie Terraria und Ultrakill haben bereits stattgefunden, und eine mögliche Zusammenarbeit mit Core Keeper wurde kürzlich angedeutet.
Rechtsstreit mit Nintendo bleibt im Hintergrund
All diese Pläne stehen weiterhin im Schatten des laufenden Patentstreits mit Nintendo und The Pokémon Company. Seit September 2024 klagen beide Unternehmen gegen Pocketpair wegen der Verletzung mehrerer Patente, die sich auf Fangmechaniken und Reittiersysteme beziehen. Das japanische Patentamt hat allerdings im Oktober 2025 einen zentralen Patentantrag von Nintendo abgelehnt, und auch die US-Patentbehörde hat eine seltene Neubewertung eines Nintendo-Patents angeordnet – beides Entwicklungen, die Pocketpairs Position stärken könnten.
Stand Anfang 2026 befindet sich das Verfahren noch in der Vorbereitung, ein Verhandlungstermin wurde noch nicht angesetzt. Pocketpair hat im Laufe des Streits bereits einige Spielmechaniken angepasst und unter anderem die Pokéball-ähnliche Beschwörungsmechanik entfernt. Das Verfahren dürfte sich bis weit ins Jahr 2026 oder sogar 2027 ziehen.
Zwischen Aufbruch und Abschluss
2026 wird für Palworld ein entscheidendes Jahr. Mit dem 1.0-Release steht der Abschluss der Early-Access-Phase bevor, während Palfarm, das Sammelkartenspiel und potenzielle weitere Kollaborationen die Marke in neue Richtungen tragen. Die Andeutungen eines möglichen Palworld 2.0 zeigen, dass Pocketpair langfristig denkt – auch wenn das aktuelle Spiel zunächst die volle Aufmerksamkeit erhält.
Für Fans bedeutet das: Der Weg endet nicht mit Version 1.0. Er könnte gerade erst richtig beginnen.
