Bei den Game Awards 2025 hat Publisher KRAFTON gemeinsam mit dem schwedischen Entwicklerstudio Neon Giant das Open-World-Shooter-RPG NO LAW vorgestellt. Das Spiel soll die narrative Dichte von Cyberpunk 2077 mit der Sandbox-Freiheit von Grand Theft Auto verbinden und dabei vollständig auf Single-Player-Erfahrung setzen.
Von Top-Down zu First-Person: Neon Giants nächster Schritt
Neon Giant, das Studio hinter dem gefeierten Cyberpunk-Shooter The Ascent (2021), wagt mit NO LAW einen radikalen Perspektivwechsel. Statt der isometrischen Ansicht des Vorgängers setzt NO LAW auf reine First-Person-Action – eine bewusste Entscheidung, die das Team optimal nutzen will. Die Entwickler bringen beeindruckende Erfahrung mit: Mitglieder des Studios waren an Kultshootern wie Bulletstorm, Far Cry 3 und den modernen Wolfenstein-Titeln beteiligt.
„NO LAW ist für uns als Studio der nächste Schritt“, erklärt Claës af Burén, Managing Director von Neon Giant. „Mit The Ascent haben wir eine solide Grundlage für unsere Herangehensweise an Weltgestaltung, Systeme und Storytelling geschaffen. Dieses neue Projekt nutzt alles, was wir gelernt haben, und wendet es auf eine völlig andere Art von Spiel an – eines, das größer, reaktiver und persönlicher ist als alles, was wir bisher gemacht haben.“
Port Desire: Cyberpunk-Metropole ohne Gesetze, aber mit Konsequenzen

Das Spiel ist in Port Desire angesiedelt, einer düsteren Hafenstadt, die in die Klippen am Meer gebaut wurde. Anders als die futuristischen Megastrukturen anderer Cyberpunk-Spiele setzt Port Desire auf eine bodenständigere, aber dennoch technologisch fortgeschrittene Urbanität. Die mit Unreal Engine 5 entwickelte Stadt wird als „Cybergrunge-Metropole“ beschrieben – voller unerwarteter Vegetation, schillernder Neonlichter und einer vertikalen Architektur, die von Dachgärten bis zu vernebelten Gassen reicht.
Die Stadt lebt von Gesetzlosigkeit und unkontrollierter Freiheit, doch das bedeutet nicht, dass Handlungen folgenlos bleiben. Neon Giant verspricht eine reaktive Open World, in der jede Entscheidung das Spielerlebnis prägt. NPCs erinnern sich an die Taten der Spieler, Allianzen können geschmiedet oder zerstört werden, und verschiedene Durchläufe eröffnen unterschiedliche Wege und Enden.
Grey Harker: Vom Kriegsveteranen zum Racheengel
Spieler schlüpfen in die Rolle von Grey Harker, einem ehemaligen Militärveteranen, der nach schweren Verletzungen bei seinem letzten Einsatz aus dem aktiven Dienst ausschied. Harker hat sich ein friedliches Leben aufgebaut, in dem er sich um seine Pflanzen kümmert – bis die Gewalt ihn wieder einholt. Als sein Frieden brutal zerstört wird, muss er auf seine Geheimdienstinstinkte und spezielle Ausrüstung zurückgreifen, um sich das Gestohlene zurückzuholen und sich der Stadt zu stellen, die ihm Unrecht getan hat.
Die Geschichte wird als Cyber-Noir-Thriller mit Detective-Elementen beschrieben, der Momente zum Durchatmen bietet und nicht nur auf Action setzt. Die Entwickler betonen, dass es neben der spektakulären Gewalt auch ruhigere Momente geben wird, in denen Spieler die Atmosphäre aufsaugen können.
Gameplay: Totale Freiheit zwischen Stealth und Chaos

NO LAW setzt auf maximale Spielerfreiheit. Der im Reveal-Trailer gezeigte Gameplay-Mix aus Hacking, Stealth-Mechaniken mit wanddurchdringender Radar-Technologie, vielfältigen Schusswaffen und brutalen Nahkampfangriffen erinnert an eine Mischung aus Cyberpunk 2077, Deus Ex und Bulletstorm. Besonders auffällig: ein verheerender Tritt, der selbst Dark-Messiah-Fans beeindrucken dürfte.
Das Spiel bietet klassische RPG-Elemente mit Erfahrungspunkten und Skill Trees. Spieler können sich spezialisieren: Möchten sie Experten im Lockpicking werden, sich aufs Hacken konzentrieren oder Waffenspezialisten werden? Die Wahl liegt bei ihnen. Jede Mission kann auf unterschiedliche Weise angegangen werden – vom leisen Infiltrationsansatz über taktische Präzision bis hin zu frontalem Angriff.
Die Gegner und Umgebungen reagieren dynamisch auf Lärm, Sichtlinien und Druck. Vertikale Bewegung spielt eine wichtige Rolle, und Spieler können mit fortschrittlichen militärischen Upgrades und Sci-Fi-Werkzeugen experimentieren. Jede Mission soll sich wie eine persönliche Geschichte von Rache, Konsequenzen und Überleben anfühlen.
Strikt Single-Player: Keine Kompromisse für die Story
In einer Zeit, in der viele AAA-Titel auf Live-Service-Elemente setzen, geht Neon Giant einen anderen Weg. NO LAW ist eine reine Single-Player-Erfahrung ohne jeglichen Multiplayer-Aspekt. Diese Entscheidung ermöglicht es dem Studio, sich vollständig auf eine dichte, narrative Kampagne zu konzentrieren, in der jede Entscheidung und jede Konsequenz sorgfältig ausgearbeitet ist.
Die Entwickler betonen zudem, dass bei der Produktion von NO LAW keine generative KI verwendet wird – eine bewusste Entscheidung, die die handwerkliche Herangehensweise des Studios unterstreicht. „Wir bauen die Spiele so, wie wir sie bauen wollen“, erklärt Arcade Berg, Co-Founder von Neon Giant. „Jeder Künstler wird einen starken Eindruck auf die Welt hinterlassen. Jeder Designer, jeder Programmierer wird einen sehr großen Einfluss auf das Spiel haben.“
Release und Plattformen: Kommt 2026 oder später

NO LAW befindet sich derzeit in Entwicklung für PC (Steam, Epic Games Store, Microsoft Store), PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Ein konkretes Release-Datum wurde noch nicht genannt, allerdings deuten die gezeigten Spielszenen aus einer frühen Version darauf hin, dass mit einem Launch frühestens 2026 zu rechnen ist.
Das Spiel kann bereits jetzt auf Steam zur Wunschliste hinzugefügt werden. Nach dem großen Erfolg von The Ascent auf Xbox Game Pass – das Spiel fand dort ein riesiges Publikum – dürfte auch NO LAW eine ähnliche Verbreitung angestrebt werden, auch wenn dies noch nicht offiziell bestätigt wurde.
Krafton als Publisher: Kreative Freiheit garantiert
Neon Giant wurde kürzlich vom südkoreanischen Publisher KRAFTON übernommen, der auch für PUBG: BATTLEGROUNDS, Subnautica und Hi-Fi Rush verantwortlich ist. Trotz der Übernahme betonen die Entwickler, dass KRAFTON sich nicht in kreative Entscheidungen einmischt und ihnen ermöglicht, sich auf die kreative Arbeit statt auf die Logistik der Unternehmensführung zu konzentrieren.
NO LAW markiert ein neues kreatives Kapitel für Neon Giant innerhalb von KRAFTONs wachsendem Portfolio globaler Studios. Das Spiel setzt die Vision von KRAFTON fort, einzigartige, hochwertige Erlebnisse zu unterstützen, die die Grenzen von Gameplay, Technologie und Weltgestaltung erweitern.
Zwischen Cyberpunk 2077 und GTA: Kann NO LAW beide Welten vereinen?

Die größte Frage bleibt: Kann Neon Giant die erzählerische Tiefe und atmosphärische Dichte eines Cyberpunk 2077 mit der Sandbox-Freiheit und Emergenz eines Grand Theft Auto verbinden? Der Reveal-Trailer konzentrierte sich stark auf Action-Sequenzen und gab noch wenig Einblick in die ruhigeren Momente, Erkundung und NPC-Interaktionen.
Doch wenn The Ascent eines bewiesen hat, dann ist es Neon Giants Fähigkeit, dichte, handgefertigte Cyberpunk-Welten zu erschaffen, die sich lebendig und reaktiv anfühlen. Mit dem Wechsel zur First-Person-Perspektive, einem erfahrenen Team und dem Fokus auf Spielerfreiheit könnte NO LAW tatsächlich das nächste große Cyberpunk-Spiel werden – vorausgesetzt, das Studio schafft den Balanceakt zwischen Action, Story und Open-World-Freiheit.
Die Gaming-Community darf gespannt sein, welche weiteren Details Neon Giant in den kommenden Monaten enthüllen wird. Bis dahin bleibt NO LAW eines der vielversprechendsten Projekte, die bei den Game Awards 2025 vorgestellt wurden – und ein Titel, der das Potenzial hat, das Cyberpunk-Genre nachhaltig zu bereichern.