Nintendo vs. Palworld: Die Patentklage zerfällt zusehends

Die Patentklage von Nintendo und The Pokémon Company gegen den Palworld-Entwickler Pocketpair stellt offenbar keine ernsthafte Bedrohung mehr für das erfolgreiche Survival-Crafting-Spiel dar. Neue öffentliche Gerichtsunterlagen zeigen: Die Kläger haben ihre Forderungen im November 2025 deutlich eingeschränkt – und damit die praktische Reichweite des Verfahrens drastisch reduziert. Selbst ein vollständiger Sieg vor Gericht wäre für Nintendo inzwischen kaum mehr als ein Symbolerfolg.

Worum geht es in dem Rechtsstreit?

Im September 2024 reichten Nintendo und The Pokémon Company in Japan Klage gegen Pocketpair ein. Der Vorwurf: Palworld verletze mehrere gemeinsam gehaltene Patente, die unter anderem Gameplay-Systeme zum Einfangen virtueller Kreaturen sowie den Wechsel reitbarer Mounts während der Nutzung abdecken. Die Kläger forderten Schadensersatz und eine Unterlassungsverfügung, die weitere Patentverletzungen verhindern sollte.

Palworld kommt auch auf Xbox-Konsolen Titel

Pocketpair wies die Vorwürfe von Anfang an zurück und ging in die Offensive: Das Studio stellte die Gültigkeit der umstrittenen Patente grundsätzlich infrage. Parallel dazu nahm der Entwickler jedoch konkrete Änderungen am Spiel vor, um sich juristisch abzusichern.

Diese Änderungen hat Pocketpair an Palworld vorgenommen

Als Reaktion auf die Patentklage passte Pocketpair zwei zentrale Spielmechaniken an:

Datum Patch Änderung
30. November 2024 0.3.11 Das Beschwören eigener Pals durch das Werfen von Pal-Sphären wurde durch eine statische Beschwörung direkt neben dem Spieler ersetzt.
8. Mai 2025 0.5.5 Das direkte Gleiten mit Pals wurde durch ein Gleiter-System ersetzt. Pals im Team gewähren weiterhin passive Gleit-Boni, Spieler benötigen aber nun einen Gleiter im Inventar.

November 2025: Nintendo schränkt die eigenen Forderungen ein

Wie der Patentexperte Florian Mueller von Games Fray anhand neuer öffentlicher Akten aufdeckte, haben Nintendo und The Pokémon Company den beantragten Rechtsschutz im November 2025 angepasst. Die Änderungen begrenzen den Fall faktisch auf ältere Versionen von Palworld – also auf jene Builds, die vor den Anpassungen von Ende 2024 und Mitte 2025 erschienen sind.

Die Konsequenz ist weitreichend: Laut Mueller bleibt Nintendo damit kein Weg mehr, um eine wirksame Unterlassungsverfügung gegen die aktuellen Versionen des Spiels auf irgendeiner Plattform zu erreichen. Die Klage stellt damit auch keine Gefahr mehr für den Palworld-1.0-Release dar, der für den 10. Juli 2026 angesetzt ist. Pocketpair hatte den Termin für den Early-Access-Ausstieg im Rahmen des Summer Game Fest 2026 bestätigt – die Vollversion erscheint für PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S und Xbox One.

Bemerkenswert ist zudem: Dass die Kläger ihre Vorwürfe selbst eingegrenzt haben, signalisiert indirekt, dass sie mit den von Pocketpair vorgenommenen Spieländerungen zufrieden sind.

Streitwert: Nintendos Anteil ist nur noch rund 28.000 Euro wert

Durch die Einschränkungen vom Herbst 2025 hätte selbst ein vollständiger Sieg Nintendos nur noch begrenzte Auswirkungen. Nintendo forderte zuletzt 5 Millionen Yen (umgerechnet rund 28.000 Euro) zuzüglich Verzugszinsen, The Pokémon Company verlangt separat denselben Betrag. Da sich der Fall nun offenbar auf ältere Spielversionen beschränkt, existiert kein Weg mehr zu einer Unterlassungsverfügung mit realer Wirkung. Der gesamte Rechtsstreit ist damit faktisch nur noch maximal 10 Millionen Yen (rund 56.000 Euro) plus Zinsen wert – ein verschwindend geringer Betrag angesichts der Dimensionen beider Konzerne.

Zum Vergleich: Palworld hat seit dem Early-Access-Start im Januar 2024 über 32 Millionen Spieler auf allen Plattformen erreicht und gilt als einer der größten Indie-Erfolge des Jahrzehnts.

Wichtige Termine: Anhörung am 1. Oktober, Signal des Gerichts am 9. November

Das Verfahren selbst läuft weiter. Der nächste große Schritt ist für den 1. Oktober 2026 angesetzt: Dann wird das Bezirksgericht Tokio eine Beweispräsentation beider Parteien anhören. Am 9. November 2026 will das Gericht anschließend seine Einschätzung mitteilen – das könnte das bislang deutlichste Signal dafür sein, wie viel von Nintendos Klage überhaupt noch übrig ist.

Für Nintendo und The Pokémon Company besteht dabei sogar ein erhebliches Restrisiko: Im schlimmsten Fall könnte das Gericht den Schutzumfang der streitgegenständlichen Patente einschränken oder diese komplett für ungültig erklären. Genau dieses Risiko dürfte zur Entscheidung beigetragen haben, die eigenen Vorwürfe einzugrenzen.

Rückschläge auf ganzer Linie: Patentämter stellen sich quer

Die eingeschränkte Klage ist nicht der einzige Dämpfer für Nintendo in diesem Rechtsstreit. Bereits im Oktober 2025 lehnte das japanische Patentamt (JPO) eine Patentanmeldung aus derselben Patentfamilie ab, auf die sich Nintendo in der Klage stützt – den Prüfern fehlte die ausreichende erfinderische Höhe. Kurz darauf ordnete John A. Squires, der Direktor des US-Patent- und Markenamts (USPTO), höchstpersönlich die Neubewertung von Nintendos umstrittenem „Beschwörungs“-Patent an, das erst im September 2025 erteilt worden war. In der Folge wurden alle 26 Patentansprüche zurückgewiesen – unter anderem mit Verweis auf ältere Patente von Konami, Bandai Namco und sogar Nintendo selbst.

Nintendos Finanzberichte für das Geschäftsjahr 2026 wiesen zudem erhebliche Prozesskosten aus, während der Rechtsstreit weiterläuft.

Welche Optionen bleiben Nintendo nach einem Urteil?

Sollte das erstinstanzliche Urteil ungünstig ausfallen, können Nintendo und The Pokémon Company die Entscheidung vor dem japanischen Obergericht für geistiges Eigentum (Intellectual Property High Court) anfechten. Der reduzierte Umfang des Falls ließe sich durch eine Berufung allerdings nicht wiederherstellen. „Nach dieser ersten Berufung könnten sie eine weitere versuchen, aber der Oberste Gerichtshof Japans muss den Fall nicht annehmen“, erklärt Patentexperte Florian Mueller gegenüber GameRant. Dieselben Berufungsmöglichkeiten stehen auch Pocketpair offen, sollte das Studio sie nach dem erstinstanzlichen Urteil nutzen wollen.

Freie Fahrt für Palworld 1.0

Was im September 2024 als existenzielle Bedrohung für Pocketpair begann, hat sich knapp zwei Jahre später zu einem juristischen Nebenschauplatz entwickelt. Die Kombination aus geschickten Spielanpassungen, Rückschlägen für Nintendos Patente bei den Behörden in Japan und den USA sowie den selbst eingeschränkten Forderungen der Kläger lässt die Klage zusehends zerfallen. Für die Community bedeutet das vor allem eines: Dem Palworld-1.0-Release am 10. Juli 2026 – inklusive der lang erwarteten World-Tree-Region, neuer Pals und erweiterter Story – steht juristisch nichts mehr im Weg.

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