Die globale RAM-Krise macht auch vor Nintendo nicht halt – doch der japanische Konsolenhersteller gibt für den Augenblick Entwarnung. Trotz massiv steigender Speicherkosten bleibt der Preis der Nintendo Switch 2 vorerst unverändert. Nintendo-Präsident Shuntaro Furukawa bestätigte in einem Interview mit der japanischen Zeitung Kyoto Shimbun, dass die aktuellen Marktturbulenzen „keinen unmittelbaren Einfluss auf die Gewinne“ hätten. Doch diese Beruhigung könnte nur vorübergehend sein.
41 Prozent Preisanstieg bei RAM-Modulen trifft Nintendo hart
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut einem Bloomberg-Bericht stiegen die Kosten für die 12-Gigabyte-LPDDR5X-RAM-Module der Switch 2 im aktuellen Quartal um dramatische 41 Prozent. Auch der 256-Gigabyte-NAND-Speicher der Konsole verteuerte sich um knapp acht Prozent. Diese Preissteigerungen betreffen nicht nur die Konsole selbst, sondern auch Spielmodule und microSD Express Speicherkarten – eine 256-GB-Karte kostet derzeit rund 52 Euro.
Der Grund für diese Entwicklung liegt in der massiv gestiegenen Nachfrage durch die KI-Industrie. Chipgiganten wie Samsung, Micron und SK Hynix verlagern zunehmend ihre Produktionskapazitäten auf Arbeitsspeicher für KI-Rechenzentren und Datencenter, wodurch weniger RAM für die Gaming-Branche zur Verfügung steht. Besonders OpenAI steht im Verdacht, große Teile der weltweiten RAM-Kapazitäten aufgekauft zu haben, um die eigene Position im KI-Markt zu stärken.
Nintendos Strategie: Langfristige Planung als Puffer
Wie schafft es Nintendo trotz dieser dramatischen Preissteigerungen, die Kosten stabil zu halten? Die Antwort liegt in der Lieferkettenstrategie des Unternehmens. Furukawa erklärte, dass Nintendo Komponenten auf Basis mittel- bis langfristiger Geschäftsprognosen beschafft. Diese vorausschauende Planung ermöglicht es dem Konzern, mit ausreichenden Sicherheitsbeständen durch die aktuelle Marktkrise zu navigieren.
Dennoch räumte der Nintendo-Präsident ein, dass der Speichermarkt derzeit „sehr volatil“ sei und man die Entwicklung engmaschig überwache. Die Sicherheitsbestände werden nicht ewig ausreichen – und wenn sie zur Neige gehen, könnte eine Preiserhöhung unvermeidlich werden. Die Geschichte zeigt, dass Nintendo vor solchen Schritten nicht zurückschreckt: Im Herbst 2025 erhöhte der Konzern bereits die Preise der originalen Switch-Modelle. Die reguläre Switch stieg von 299 auf 339 US-Dollar, die OLED-Version von 349 auf 399 US-Dollar und die Switch Lite von 199 auf 229 US-Dollar – begründet mit veränderten Marktbedingungen.
Börse reagiert nervös: 14 Milliarden Dollar Wertverlust
Die Finanzmärkte zeigen sich besorgt über die Situation. An der Börse verlor Nintendo innerhalb weniger Tage rund 14 Milliarden US-Dollar an Marktwert – ein Kursverlust von etwa 4,7 Prozent, der größte Einbruch seit Mai. Im Dezember fiel die Nintendo-Aktie an sieben von acht Handelstagen. Investoren befürchten, dass die steigenden Produktionskosten langfristig die Gewinnmargen belasten könnten.
Zusätzlich wächst die Sorge, dass die Switch 2 trotz ihres beeindruckenden Starts – in den ersten vier Monaten wurden über 10,36 Millionen Einheiten verkauft – ihre Popularität möglicherweise nicht über die treue Nintendo-Fangemeinde hinaus aufrechterhalten kann, sollten Preiserhöhungen notwendig werden.
Prognose der Experten: Keine schnelle Entspannung in Sicht
Die Aussichten bleiben düster. Während der letzten Telefonkonferenz kündigte Speicherhersteller Micron an, dass die RAM-Knappheit voraussichtlich über das Jahr 2026 hinaus andauern wird, da die Produktion Zeit braucht, um mit der explodierenden Nachfrage Schritt zu halten. Marktanalysten von Trendforce prognostizieren sogar, dass Speichermodule 2026 zwischen 21 und 23 Prozent der gesamten Hardwarekosten bei Konsolen ausmachen könnten – was zu erheblichen Gewinneinbußen und möglicherweise abgeschwächten Verkaufszahlen führen würde.
Sollte der Markt zu lange angespannt bleiben, könnte Nintendo gezwungen sein, seine Strategie zu überdenken und die Switch 2-Preise zu erhöhen, um die gestiegenen Herstellungskosten auszugleichen. Das Unternehmen hat bereits kurz vor der Markteinführung einige Zubehörpreise in den USA angehoben – ein Warnsignal für künftige Entwicklungen.
Zölle als zusätzlicher Belastungsfaktor
Doch die RAM-Kosten sind nicht das einzige makroökonomische Risiko für Nintendo. Furukawa machte deutlich, dass das Unternehmen auch die globalen Zollentwicklungen genau im Blick behält. Besonders brisant: Nintendos offizielle Politik besteht darin, „Zölle als Kosten anzuerkennen und diese so weit wie möglich an die Preise weiterzugeben“. Das bedeutet im Klartext, dass höhere Zölle mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt an die Endverbraucher weitergereicht werden.
Diese Aussage betrifft nicht nur den US-Markt, sondern könnte auch andere Regionen treffen. Nintendo hatte zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres bereits mit Belastungen in Milliardenhöhe (in Yen) durch US-Zölle gerechnet, die sich in der ersten Jahreshälfte niedergeschlagen haben.
Was bedeutet das für Käufer?
Für Interessenten der Switch 2 heißt das aktuell: Der Preis von 469 Euro bleibt vorerst stabil. Wer mit dem Kauf liebäugelt, sollte jedoch die Marktentwicklung im Auge behalten. Die Kombination aus steigenden RAM-Kosten, möglichen Zollbelastungen und Nintendos nachweislicher Bereitschaft, Preise anzupassen, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen es erfordern, macht eine zukünftige Preiserhöhung durchaus wahrscheinlich.
Nintendo selbst stellte klar, dass weitere Preisänderungen für Produkte je nach Marktentwicklung nicht ausgeschlossen seien. Mit dem ehrgeizigen Ziel, bis Ende März 2026 insgesamt 19 Millionen Switch 2-Einheiten zu verkaufen, steht der Konzern unter Druck, einen Balanceakt zwischen Profitabilität und Marktakzeptanz zu meistern.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Nintendo seine Sicherheitsbestände lange genug strecken kann oder ob Spieler schließlich doch tiefer in die Tasche greifen müssen, um in den Genuss von Marios neuestem Abenteuer zu kommen.
