Die Nintendo-Aktie hat am 4. Februar 2026 einen massiven Kurseinbruch erlitten. Trotz beeindruckender Quartalszahlen und starker Verkäufe der Switch 2 fiel der Kurs um knapp 11 % auf 8.973 Yen – der stärkste Tagesverlust seit 18 Monaten. Investoren reagieren damit nicht auf schlechte Geschäftszahlen, sondern auf eine Mischung aus branchenweiten Sorgen um explodierende Speicherchip-Preise, fehlende First-Party-Ankündigungen und eine ungewisse Zukunft für die Gaming-Hardware-Industrie.
Starke Zahlen, nervöse Investoren
Nintendos Q3-Bericht für das Geschäftsjahr 2026 (Zeitraum bis 31. Dezember 2025) fiel eigentlich hervorragend aus. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um satte 86 % auf rund 5,2 Milliarden US-Dollar. Der operative Gewinn legte um 21,3 % zu, der Nettogewinn sogar um 51,3 %. Über die ersten neun Monate des Geschäftsjahres summierte sich der Gesamtumsatz auf 1.905,8 Milliarden Yen – ein neuer Rekordwert.
Die Switch 2 hat sich seit ihrem Launch im Juni 2025 insgesamt 17,37 Millionen Mal verkauft und ist damit die am schnellsten verkaufte Nintendo-Konsole aller Zeiten. Allein im dritten Quartal gingen 7,01 Millionen Einheiten über die Ladentheke. Nintendo hält an seiner Prognose fest, bis Ende März 2026 insgesamt 19 Millionen Switch-2-Konsolen abzusetzen – eine Zahl, die zuvor von 15 Millionen nach oben korrigiert wurde.
Auch die Software-Verkäufe überzeugen: Mario Kart World und Donkey Kong Bananza zählen zu den meistverkauften Titeln. Die originale Nintendo Switch hat unterdessen die Marke von 155,37 Millionen verkauften Einheiten geknackt und ist damit die meistverkaufte Nintendo-Konsole aller Zeiten – noch vor dem Nintendo DS mit 154,02 Millionen Einheiten.
Die RAM-Krise als Haupttreiber der Unsicherheit
Warum also der Kurseinbruch? Der zentrale Faktor ist die globale Speicherchip-Krise, die die gesamte Gaming-Industrie erschüttert. Im Dezember 2025 kündigte Micron Technology an, seine Konsumenten-Marke „Crucial“ zum Ende Februar 2026 komplett einzustellen. Der Grund: Die KI-getriebene Nachfrage nach Speicherchips für Rechenzentren und KI-Infrastruktur übersteigt das Angebot bei Weitem.
Sumit Sadana, Executive Vice President bei Micron, erklärte dazu: Die KI-getriebene Nachfrage habe Micron dazu gezwungen, die Ressourcen auf größere, strategische Kunden in schneller wachsenden Segmenten umzuschichten. Damit verliert der Konsumentenmarkt einen der drei großen DRAM-Hersteller. Übrig bleiben Samsung und SK Hynix – beide priorisieren ebenfalls zunehmend KI- und Enterprise-Kunden.
Die Auswirkungen auf die Preise sind dramatisch. Laut dem Marktforschungsinstitut TrendForce werden die Vertragspreise für konventionellen DRAM im ersten Quartal 2026 voraussichtlich um 90 bis 95 % gegenüber dem Vorquartal steigen – eine deutliche Aufwärtskorrektur gegenüber der ursprünglichen Prognose von 55 bis 60 %. Für PC-DRAM wird sogar eine Verdopplung der Preise erwartet, was einen historischen Rekord für einen Quartalsanstieg darstellen würde. NAND-Flash-Preise sollen um 55 bis 60 % steigen.
Die Ursache dieser beispiellosen Verknappung liegt im KI-Boom: Tech-Giganten wie Google, Microsoft, Amazon und Meta sichern sich Speicherkapazitäten in nie dagewesenem Ausmaß. Allein das „Stargate“-Projekt von OpenAI soll laut Berichten bis zu 40 % der globalen DRAM-Produktion beanspruchen. NVIDIA's aktuelle GB200-GPU benötigt 192 GB Speicher pro Chip – ein Hunger nach Speicher, der den Konsumentenmarkt regelrecht austrocknet.
Auswirkungen auf die gesamte Gaming-Branche
Nintendo ist bei Weitem nicht das einzige Unternehmen, das unter der Speicherkrise leidet. Sowohl Sony als auch Microsoft haben die Preise ihrer Konsolen bereits angehoben. Die PlayStation 5 wurde im August 2025 um rund 50 US-Dollar teurer, die Xbox Series X stieg von 500 auf 600 und schließlich auf 650 US-Dollar. Laut Branchenanalysen macht Speicher etwa 21 bis 23 % des Switch-2-Preises und rund 35 % bei PlayStation-5- und Xbox-Systemen aus.
Besonders brisant: Die nächste Konsolengeneration könnte sich laut Insider Gaming ebenfalls verzögern. Sowohl Sony als auch Microsoft sollen auf höchster Ebene diskutieren, ob die geplanten Launches der PlayStation 6 und der nächsten Xbox verschoben werden sollten – ursprünglich für 2027 bis 2028 anvisiert, könnte sich der Termin bis 2029 oder sogar 2030 verschieben. Die geschätzten Produktionskosten für eine PlayStation 6 liegen bereits bei rund 600 US-Dollar, die für die nächste Xbox sogar bei bis zu 1.200 US-Dollar.
Fehlende First-Party-Titel verunsichern zusätzlich
Neben der Speicherkrise beunruhigt Investoren auch die dünne Spiele-Pipeline für die Switch 2. Kantan-Games-CEO Dr. Serkan Toto brachte es auf den Punkt: Investoren seien „verängstigt“ durch die Aussicht auf Preiserhöhungen in Kombination mit dem Fehlen großer First-Party-Titel für 2026. Seit dem Allzeithoch von 14.795 Yen im August 2025 hat die Nintendo-Aktie rund 40 % an Wert verloren.
Nintendo-Präsident Shuntaro Furukawa betonte in einer Q&A-Session nach dem Earnings-Call, dass die steigenden Speicherpreise kurzfristig keine signifikanten Auswirkungen auf die Geschäftsergebnisse hätten. Er räumte jedoch ein, dass die Profitabilität ab dem Geschäftsjahr 2027 unter Druck geraten könnte, sollten die Kosten langfristig erhöht bleiben. Eine Preiserhöhung der Switch 2 sei möglich, werde aber sorgfältig abgewogen.
Hoffnungsschimmer am Horizont
Trotz des aktuellen Kursrückgangs gibt es Gründe für Optimismus. Für Februar 2026 steht die Veröffentlichung von Mario Tennis Fever an, im März folgt Pokémon Pokopia – zwei Titel aus Nintendos beliebtesten Franchises. Zudem soll im April der zweite Super-Mario-Film, „The Super Mario Galaxy Movie“, in die Kinos kommen, was – wie beim ersten Film 2023 – die Konsolenverkäufe ankurbeln dürfte.
Auch eine Nintendo Direct im Februar wird allgemein erwartet, und am 5. Februar ist bereits eine Third-Party Direct bestätigt. Große Ankündigungen könnten den Aktienkurs schnell wieder nach oben treiben. Analysten wie Bernstein SocGen halten trotz einer Senkung des Kursziels von 16.500 auf 14.600 Yen an einer „Outperform“-Bewertung fest und sehen die aktuelle Schwäche als Einstiegsmöglichkeit für geduldige Anleger.
Investoren reagieren an der Börse eben nicht nur auf die Gegenwart, sondern vor allem auf Zukunftserwartungen. Bei Nintendo hat sich dieses Muster bereits mehrfach gezeigt: Vor der Switch-2-Enthüllung wurden Aktien abgestoßen – nur um nach der Ankündigung wieder in die Höhe zu schießen. Es wäre nicht überraschend, wenn sich die Geschichte wiederholt, sobald Nintendo seine Pläne für den Rest des Jahres enthüllt.
