Die Nintendo-Aktie hat am Montag, dem 11. Mai 2026, an der Börse in Tokio einen heftigen Kurseinbruch erlitten. Zeitweise verlor das Papier bis zu 9,9 Prozent und fiel auf 6.895 Yen – im Tagesverlauf schloss die Aktie schließlich bei 7.020 Yen, was einem Minus von 8,44 Prozent entspricht. Damit notiert die Nintendo-Aktie auf dem niedrigsten Stand seit August 2024 und gehörte zu den schwächsten Werten im Nikkei 225. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 34 Prozent an Wert verloren – die schlechteste Jahresperformance seit rund zehn Jahren.
Enttäuschender Ausblick trotz Rekordjahr
Der Auslöser für den Ausverkauf ist Nintendos Geschäftsprognose für das Fiskaljahr 2027 (April 2026 bis März 2027), die am Freitag nach Börsenschluss veröffentlicht wurde. Nintendo rechnet für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit dem Verkauf von 16,5 Millionen Switch-2-Konsolen – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 19,86 Millionen Einheiten, die seit dem Launch im Juni 2025 bis Ende März 2026 ausgeliefert wurden.

Auch der prognostizierte Umsatz liegt deutlich unter den Erwartungen: Nintendo erwartet Einnahmen von 2,05 Billionen Yen – ein Minus von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und weit unter den Analysten-Erwartungen von 2,46 Billionen Yen. Der operative Gewinn soll bei 370 Milliarden Yen liegen, während der Markt mit rund 480 Milliarden Yen gerechnet hatte. Auf der Software-Seite erwartet Nintendo den Verkauf von insgesamt 165 Millionen Spielen für Switch und Switch 2 – ebenfalls ein Rückgang von rund 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Dabei blickt Nintendo eigentlich auf ein Rekordjahr zurück: Der Nettoumsatz verdoppelte sich im Fiskaljahr 2026 nahezu auf 2,31 Billionen Yen, der Nettogewinn stieg um über 50 Prozent auf 424,1 Milliarden Yen und der operative Gewinn kletterte um 28 Prozent auf 360 Milliarden Yen. Doch selbst diese starken Zahlen konnten die Anleger nicht beruhigen – zu groß war die Diskrepanz zwischen dem Rückblick und dem vorsichtigen Ausblick.
Speicherkrise treibt Kosten in die Höhe
Ein zentraler Faktor hinter dem schwachen Ausblick ist die globale Speicherkrise. Der KI-Boom hat die Nachfrage nach DRAM- und NAND-Speichern massiv nach oben getrieben, was die Produktionskosten für Konsumentenhardware wie die Switch 2 erheblich belastet. Nintendo beziffert die Mehrbelastung durch höhere Komponentenkosten und Zölle auf rund 100 Milliarden Yen im laufenden Geschäftsjahr – umgerechnet rund 640 Millionen US-Dollar.

Als Reaktion auf die steigenden Kosten hat Nintendo am 8. Mai eine globale Preiserhöhung für die Switch 2 angekündigt. In Europa steigt die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) ab dem 1. September 2026 von 469,99 Euro auf 499,99 Euro – ein Plus von 30 Euro. In den USA klettert der Preis zeitgleich von 449,99 auf 499,99 US-Dollar. Japan ist noch früher betroffen: Dort gilt die Erhöhung bereits ab dem 25. Mai 2026, wobei der Preis von 49.980 auf 59.980 Yen ansteigt – ein Aufschlag von rund 20 Prozent.
Nintendo-Präsident Shuntaro Furukawa betonte, dass die Preiserhöhung die gestiegenen Produktionskosten nicht vollständig kompensiere. Das bedeutet: Die Margen pro verkaufter Konsole schrumpfen trotz des höheren Verkaufspreises. Die Kombination aus niedrigeren Absatzerwartungen und geringeren Gewinnmargen pro Einheit trifft die Investoren gleich doppelt.
Branchenweiter Trend bei Konsolenpreisen
Nintendo steht mit der Preiserhöhung nicht allein da. Sony hat den UVP der PlayStation 5 seit dem Launch bereits dreimal angehoben und liegt in Europa mittlerweile bei 650 Euro – bei der Digital Edition hat sich der Preis von 400 auf 600 Euro und damit um 50 Prozent erhöht. Microsoft zog im Mai 2025 mit einem Aufschlag von 50 Euro auf die Xbox-Series-Reihe nach. Nintendos Erhöhung um 30 Euro fällt im direkten Vergleich moderat aus.

Positiv fällt auf, dass Nintendo seinen Kunden eine großzügige Übergangsfrist einräumt: Bis zum 31. August 2026 gilt noch der alte Preis. Aktuell ist die Switch 2 im deutschen Handel bei Händlern wie Media Markt noch für rund 459 Euro erhältlich – deutlich unter der aktuellen UVP.
Software-Lineup unter Beobachtung
Marktbeobachter und Analysten sehen einen weiteren Schwachpunkt: das bislang überschaubare First-Party-Lineup für den Rest des Jahres 2026. Zwar haben Titel wie Mario Kart World (14,70 Millionen verkaufte Einheiten) und Pokémon Pokopia (über 4 Millionen Einheiten kurz nach dem Launch) bereits starke Verkaufszahlen geliefert. Doch für die kommenden Monate fehlen bislang große Eigenproduktionen, die den Hardware-Absatz nachhaltig stützen könnten.
Bernstein-Analyst Robin Zhu betonte gegenüber Bloomberg, dass die First-Party-Pipeline jetzt der entscheidende Faktor sei. Branchenexperte Serkan Toto rechnet bereits im Juni mit einer neuen Nintendo Direct, die das Software-Lineup für den Rest des Jahres enthüllen könnte. In der Pipeline befinden sich unter anderem Star Fox (bereits für Juni angekündigt), Splatoon Raiders und Fire Emblem. Besonders das hartnäckige Gerücht um ein Remake von The Legend of Zelda: Ocarina of Time könnte für einen Stimmungsumschwung sorgen.
Furukawa versprach in der Investorenkonferenz, den „Besitzwert“ der Switch 2 durch ein starkes Software-Lineup deutlich aufzuwerten. Ob Nintendo damit die skeptischen Anleger und preissensiblen Gelegenheitsspieler überzeugen kann, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.
Trotz allem: Switch 2 bleibt ein Verkaufsschlager
Bei aller Skepsis der Börse darf nicht vergessen werden: Die Switch 2 ist trotz des prognostizierten Rückgangs weiterhin ein kommerzieller Erfolg. Mit 19,86 Millionen verkauften Einheiten im ersten Geschäftsjahr liegt die Konsole rund fünf Millionen Einheiten vor der originalen Switch im selben Zeitraum und sogar sechs Millionen vor der PS5 und PS4. Selbst die gedämpften 16,5 Millionen für das laufende Fiskaljahr wären ein respektables Ergebnis.
In Japan bildeten sich nach der angekündigten Preiserhöhung lange Schlangen vor Elektronikmärkten – viele Käufer wollten noch vor dem Stichtag am 25. Mai zum alten Preis zugreifen. Mehrere Analysten halten Nintendos Prognosen deshalb für bewusst konservativ – eine Strategie, die das Unternehmen in der Vergangenheit bereits mehrfach verfolgt hat.
Die entscheidende Frage für den weiteren Kursverlauf der Nintendo-Aktie lautet nun: Kann Nintendo mit überzeugenden Software-Ankündigungen das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen? Die kommende Nintendo Direct im Juni dürfte hier die erste wichtige Weichenstellung liefern.