Fast ein Jahr nach Release kämpft Monster Hunter Wilds noch immer mit massiven Performance-Problemen auf dem PC. Jetzt hat ein findiger Modder die Ursache entdeckt – und die ist bizarr: Eine aggressive DLC-Überprüfung im Hintergrund frisst CPU-Leistung. Wer alle 190 DLCs besitzt, bekommt bis zu doppelt so viele FPS wie Spieler mit dem Basis-Spiel.
Zufallsentdeckung deckt Performance-Killer auf
Reddit-User de_Tylmarande stolperte durch reinen Zufall über das Problem. Der Modder, der bereits zuvor einen ähnlichen Performance-Bug in Dragon's Dogma 2 aufgedeckt hatte, testete Monster Hunter Wilds auf dem Account eines Freundes. Das Ergebnis war verblüffend: Auf demselben Laptop lief das Spiel plötzlich butterweich.
„Ich habe mich zurück in meinen Account eingeloggt – und die Performance war im Keller“, beschreibt de_Tylmarande die Situation. Nach intensiven Tests mit identischen Einstellungen wie DLSS, HD-Texturen und Cache-Einstellungen kristallisierte sich der entscheidende Unterschied heraus: Der Freund besaß sämtliche DLCs des Spiels.
„Ich weigerte mich zu glauben, was ich da sah“, so der Modder. Die Performance-Unterschiede waren dramatisch: Ohne DLC brachen die FPS in Hubs auf 20-25 ein, mit allen DLCs erreichte dasselbe System über 80 FPS.
190 DLC-Pakete belasten das System

Monster Hunter Wilds verfügt auf Steam über 190 einzelne DLC-Pakete – darunter kosmetische Rüstungen, Seikret-Skins, Waffen-Designs, Sticker, Emotes und weitere Kleinigkeiten. Das Spiel überprüft ständig im Hintergrund, welche dieser DLCs ein Spieler besitzt. Je mehr DLCs vorhanden sind, desto schneller läuft dieser Check ab und desto weniger CPU-Leistung wird beansprucht.
Um die Theorie zu beweisen, erstellte de_Tylmarande einen Mod, der dem Spiel vorgaukelt, alle DLCs seien vorhanden – ohne diese tatsächlich freizuschalten. Der Test verlief eindeutig: „Die Performance ging durch die Decke“, berichtet der Modder. Der Mod deaktiviert lediglich die „wahnsinnig verdrehte und aggressive DLC-Überprüfungsfunktion“ von Capcom.
Kontroverse Tests mit unterschiedlichen Ergebnissen
Nicht alle Tests bestätigen die massiven Performance-Sprünge. PC Gamer führte eigene Benchmarks durch und installierte alle 189 DLCs (ohne High-Resolution-Texturpaket). Das Ergebnis: lediglich sechs FPS mehr im Durchschnitt – von 61 auf 67 FPS. Der Tester stellte auch keine spürbaren Unterschiede bei Mikrorucklern fest.
Diese unterschiedlichen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Auswirkungen je nach Hardware-Konfiguration variieren können. Spieler mit schwächeren Systemen scheinen deutlich stärker von dem Problem betroffen zu sein als High-End-Nutzer.
Digital Foundry und Capcom reagieren
Mittlerweile hat sich sogar das renommierte Tech-Analyse-Team Digital Foundry des Falls angenommen. de_Tylmarande berichtet, dass die Performance-Spezialisten „am Ball sind“ und eigene Untersuchungen durchführen.
Interessanterweise kündigte Capcom zeitgleich mit der Veröffentlichung der Mod-Erkenntnisse einen Performance-Patch an. Patch Ver.1.040.03.01 soll am 27. Januar 2026 um 6 Uhr MEZ erscheinen und „Optimierungsverbesserungen für Steam-spezifische Prozesse und Optionen zur Reduzierung der Verarbeitungslast“ bringen. Ob dieser Patch direkt auf die DLC-Check-Problematik abzielt, wurde von Capcom nicht bestätigt.
Ein weiteres größeres Update, Ver. 1.041, ist für den 18. Februar geplant und soll zusätzliche Stabilitäts- und Performance-Verbesserungen für alle Plattformen bringen.
Kein böswilliger Pay-to-Win-Ansatz

de_Tylmarande betont mehrfach, dass es sich um einen Bug handelt und nicht um eine bewusste Entscheidung von Capcom. „Ich meine NICHT, dass Capcom das absichtlich gemacht hat. Nein, nein und nochmal nein… es ist einfach ein Bug im Code, den sie beheben müssen“, stellt der Modder klar.
Trotzdem sorgt die Situation für Unmut in der Community. All-DLC-Pakete kosten zusammengerechnet über 500 Dollar, und die Vorstellung, dass bessere Performance hinter einer Paywall versteckt sein könnte, hinterließ einen bitteren Nachgeschmack – selbst wenn es sich um einen Programmierfehler handelt.
Steam-Bewertungen im Keller
Die Performance-Probleme haben Monster Hunter Wilds auf Steam schwer zugesetzt. Aktuell weist das Spiel nur 48% positive Bewertungen in den letzten 30 Tagen auf, insgesamt steht es bei 66-67% positiv. Viele Spieler kritisieren die mangelhafte PC-Optimierung, obwohl das Spiel inhaltlich überwiegend gelobt wird und auf Metacritic eine 88 erreichte.
Paradoxerweise war Monster Hunter Wilds Capcoms schnellst-verkaufendes Spiel aller Zeiten, verfehlte aber dennoch die Verkaufserwartungen des Publishers – ein Indiz dafür, wie stark die technischen Probleme die Begeisterung der Spielerschaft dämpften.
Mod als letzter Ausweg
Der von de_Tylmarande entwickelte Mod befindet sich noch in der Entwicklung und wurde bisher nicht öffentlich veröffentlicht. Der Modder arbeitet mit dem Fluffy Mod Manager, der standardmäßig für RE-Engine-Spiele verwendet wird. Falls Capcom das Problem nicht behebt, plant de_Tylmarande eine Open-Source-Veröffentlichung als „absolute Notfalloption“.
„Ich möchte öffentlich klarstellen: Wenn Capcom dieses Chaos nicht behebt, werde ich den Mod fertigstellen – aber er wird strikt als Open Source veröffentlicht und nicht in verschlüsselter oder binärer Form verteilt“, erklärt der Entwickler.
Vergleich zu anderen Performance-Problemen

Das DLC-Check-Problem erinnert an ähnliche Fälle aus der Gaming-Geschichte. Einige Reddit-Nutzer zogen Parallelen zu Grand Theft Auto V, wo ein ähnlicher Bug beim wiederholten Parsen großer JSON-Dateien die Ladezeiten massiv verlängerte. Wenn de_Tylmarandes Mod tatsächlich veröffentlicht wird und sich als unverzichtbar erweist, könnte er in die gleiche Kategorie fallen wie DSfix für die ursprüngliche PC-Version von Dark Souls.
Interessant ist auch die Beobachtung einiger Konsolenspieler: Monster Hunter Wilds soll auf Konsolen deutlich besser laufen, wenn diese offline sind – was die DLC-Überprüfung ebenfalls unterbinden würde.
Vorgeschichte mit Dragon's Dogma 2
de_Tylmarande hat bereits Erfahrung mit der Behebung von Capcom-Performance-Problemen. Der Modder hatte 2024 einen FPS-Fix für Dragon's Dogma 2 entwickelt und an Capcom weitergeleitet. Dieser Fix wurde angeblich in den darauffolgenden Patch integriert, ohne dass de_Tylmarande dafür öffentlich genannt wurde.
Die Erkenntnisse zum Monster Hunter Wilds-Problem hat der Entwickler an dieselbe Kontaktperson bei Capcom geschickt. „Ich hoffe, dass wir bald einen massiven Performance-Fix sehen werden“, so de_Tylmarande optimistisch.
Auswirkungen auf künftige Releases
Die Enthüllung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Gerüchte deuten auf eine Nintendo Switch 2-Version von Monster Hunter Wilds hin – auf dieser Hardware wäre jede CPU-Optimierung Gold wert. Zudem kündigte Capcom bei einem Q&A im November an, dass das nächste große Spiel Resident Evil Requiem keine ähnlichen PC-Performance-Probleme haben werde.
Ob Capcom aus den Fehlern von Monster Hunter Wilds lernt und künftig effizientere DLC-Prüfsysteme implementiert, bleibt abzuwarten. Die Community hofft auf eine schnelle Lösung – spätestens mit den angekündigten Patches Ende Januar und Februar sollte sich zeigen, ob Capcoms Optimierungen das Problem endgültig beheben.
