Der Skandal um MindsEye nimmt eine neue, bittere Wendung. Während das Studio Build A Rocket Boy ein aufwendiges Fan-Event feierte, standen ehemalige Mitarbeiter draußen vor der Tür und protestierten. Was dahinter steckt und warum dieser Fall die gesamte Spielebranche beschäftigt, erklären wir hier.
Was Build A Rocket Boy mit MindsEye erlebt hat
Build A Rocket Boy veröffentlichte MindsEye am 10. Juni 2025. Das Spiel startete in einem technisch katastrophalen Zustand. Zahlreiche Bewertungsportale listeten es daraufhin als eines der schlechtesten Spiele des Jahres 2025. Infolgedessen bot die Plattform Sony unmittelbar nach dem Release automatische Rückerstattungen an.
Gleichzeitig brach die Spielerzahl auf Steam dramatisch ein. Zu Spitzenzeiten schafften es gerade einmal 3.000 gleichzeitige Spieler. Dieser Wert sank anschließend auf einen Tiefstwert von nur noch 48 gleichzeitigen Spielern. Für ein Spiel, das jahrelang entwickelt wurde, ist das ein verheerendes Ergebnis.
Der Absturz in Zahlen: So viele Jobs gingen verloren
Die Entlassungswellen bei Build A Rocket Boy zeigen das volle Ausmaß des Desasters. Innerhalb weniger Monate verloren hunderte Mitarbeiter ihre Stellen. Dabei fanden die Kündigungen in drei großen Wellen statt.
| Zeitraum | Entlassungen | Verbleibende Belegschaft |
| Juni 2025 | ca. 300 | ca. 500 |
| März 2026 | ca. 50 | ca. 250 |
| Mai 2026 | ca. 170 | ca. 80 |
Heute arbeiten also nur noch rund 80 Menschen im Studio. Zuvor waren es mehrere hundert Angestellte. Besonders die Entlassungswelle im Mai 2026 traf viele unvorbereitet. Gerade hatte das Studio noch eine Kehrtwende versprochen. Doch stattdessen folgten weitere Kündigungen ohne angemessene Abfindungen.
Das Fan-Event als Zündfunke für den Protest
Trotz der massiven Entlassungen organisierte Build A Rocket Boy Anfang Juli 2026 ein aufwendiges Fan-Event. Dieses fand am 11. Juli 2026 in Edinburgh statt. Die Studioführung lud ausgewählte Fans ein und übernahm dabei Flüge, Hotels und Catering. Parallel dazu kämpften über 400 ehemalige Mitarbeiter um ihre Abfindungen. Für viele Betroffene war das Fan-Event damit ein klares Zeichen falscher Prioritäten.
Die geschätzten Kosten für das Event lagen dabei nicht im kleinen Bereich:
| Kostenposten | Geschätzte Ausgaben |
| Flüge und Hotels für Fans | ca. 50.000 Euro |
| Werbekampagne 2026 | ca. 200.000 Euro |
| Buffet und Catering | ca. 10.000 Euro |
Ein Sprecher der Gewerkschaft IWGB (Independent Workers‘ Union of Great Britain) bezeichnete das Event als „Schlag ins Gesicht für die über 400 entlassenen Angestellten“. Diese hätten teilweise das Studio ohne eine angemessene Abfindung verlassen müssen. Angesichts dieser Zahlen ist die Empörung der Betroffenen daher gut nachvollziehbar.
Wie der Protest in Edinburgh ablief
Am 11. Juli 2026 versammelten sich ehemalige Mitarbeiter und Vertreter der Gewerkschaft IWGB vor dem Hauptquartier von Build A Rocket Boy in Edinburgh. Demonstranten verteilten Flugblätter, während Sicherheitskräfte das Studio abschirmten. Drinnen genossen eingeladene Fans das All-inclusive-Event rund um den neuen „Arcadia“-Baukasten. Draußen standen Menschen, die ihren Job verloren hatten und auf ihre Abfindungen warteten. Diese Szene verdeutlicht den Widerspruch zwischen dem Auftreten der Studioführung und der Realität der Betroffenen.
Die Proteste dauerten vom 11. bis zum 13. Juli 2026 an. Branchennahe Medien berichteten intensiv darüber. Somit erreichte der Skandal ein breites Publikum weit über die Gaming-Community hinaus.
Was die Gewerkschaft IWGB jetzt fordert
Die Gewerkschaft IWGB hat klare Forderungen an Build A Rocket Boy formuliert. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um grundlegende Arbeitnehmerrechte. Folgende Punkte stehen im Mittelpunkt:
- Sofortiger Stopp aller invasiven Überwachungsmaßnahmen am Arbeitsplatz und im Homeoffice
- Faire Abfindungen für alle entlassenen Mitarbeiter ohne Ausnahme
- Anerkennung der Gewerkschaft als offiziellen Verhandlungspartner durch die Studioführung
Zusätzlich fordert die IWGB eine öffentliche Entschuldigung. Hintergrund ist, dass das Management öffentlich andeutete, interne Saboteure hätten das Spiel absichtlich beschädigt. Viele ehemalige Entwickler fühlten sich dadurch pauschal unter Verdacht gestellt.
Der Überwachungsskandal und seine rechtlichen Folgen
Neben den Entlassungen sorgte im April 2026 ein weiterer Vorwurf für Schlagzeilen. Die Studioführung soll die Software „Teramind“ auf den Rechnern von Mitarbeitern installiert haben. Laut Angaben der Gewerkschaft IWGB erstellte die Software heimlich Screenshots und aktivierte sogar Mikrofone in Privatwohnungen.
Das alles soll ohne Wissen und Zustimmung der betroffenen Mitarbeiter geschehen sein. Inzwischen hat die IWGB rechtliche Schritte wegen des Datenschutzverstoßes eingeleitet. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die juristische Aufarbeitung noch Jahre dauern wird. Darüber hinaus stehen weitere Verfahren wegen unzulässiger Kündigungen im Raum.
Das Mikromanagement, das alles lähmte
Ehemalige Entwickler berichteten gegenüber Fachmedien von einem extremen Kontrollwahn innerhalb des Studios. Jede kleinste Änderung am Spiel musste durch ein persönliches Ticket von Studiogründer Leslie Benzies freigegeben werden. Diese sogenannten „Leslie-Tickets“ verlangsamten den gesamten Entwicklungsprozess erheblich. Kreative Entscheidungen lagen damit faktisch bei einer einzigen Person.
Ein ehemaliger Entwickler beschrieb das Klima als „extremen Kontrollwahn, der den Workflow komplett lähmte und jegliche Kreativität im Keim erstickte“. Dieser Führungsstil trug maßgeblich dazu bei, dass MindsEye in einem unfertigen Zustand erschien.
Die Sabotage-Theorie der Studioführung
Anstatt Verantwortung für den schlechten Zustand des Spiels zu übernehmen, reagierte das Management mit einer ungewöhnlichen Erklärung. Co-CEO Mark Gerhard machte öffentlich „organisierte Spionage und Sabotage“ durch Konkurrenten für den Misserfolg verantwortlich. Außerdem behauptete er, durch Bots gesteuerte Negativbewertungen hätten das Projekt gezielt zerstört.
Belege für diese Behauptungen legte das Studio bislang nicht vor. Auch der im April 2026 erschienene DLC „Blacklisted“ griff dieses Narrativ auf. In der dazugehörigen Mission kämpften Spieler gegen digitale Saboteure. Branchennahe Kritiker werteten das als den Versuch, die eigene technische Unfähigkeit durch eine Verschwörungstheorie zu erklären.
Der aktuelle Stand von MindsEye und Arcadia
MindsEye ist weiterhin verfügbar, wird jedoch kaum noch aktiv weiterentwickelt. Die Publishing-Partnerschaft mit IO Interactive endete bereits im März 2026. Eine geplante Crossover-Mission wurde daraufhin gestrichen. Gleichzeitig bewirbt Build A Rocket Boy weiterhin das Tool „Arcadia“, mit dem Spieler eigene Inhalte erstellen sollen. Ob dieses Werkzeug angesichts der winzigen verbliebenen Community noch Zukunft hat, bleibt jedoch fraglich. Das Vertrauen der Spielerinnen und Spieler in die Stabilität des Systems ist durch die zahlreichen Skandale stark beschädigt.
Was der MindsEye Skandal für die Spielebranche bedeutet
Der Fall Build A Rocket Boy ist weit mehr als eine Erfolgsgeschichte, die schief gelaufen ist. Er zeigt deutlich, was passiert, wenn Führung, Transparenz und Mitarbeiterrechte im Spieleentwicklungsprozess auf der Strecke bleiben. Millionenbudgets allein garantieren kein gutes Spiel. Stattdessen braucht es funktionierende Teams, offene Kommunikation und klare Verantwortung.
Hinzu kommt der Überwachungsskandal, der die Branche an ihre ethischen Grenzen erinnert. Arbeitnehmerrechte gelten auch in der Spieleentwicklung, egal ob jemand im Büro oder im Homeoffice arbeitet. Die Proteste in Edinburgh vom 11. bis 13. Juli 2026 senden daher ein klares Signal an die gesamte Industrie. Wer seine Mitarbeiter ausbeutet und gleichzeitig Geld für Luxus-Events ausgibt, darf mit öffentlichem Widerstand rechnen. Für alle, die die Entwicklung dieses Falls weiter verfolgen möchten, lohnt ein Blick auf fettspielen.de, wo wir euch weiterhin auf dem Laufenden halten werden.