Nach 29 Jahren schließt Micron seine legendäre Consumer-Marke Crucial und konzentriert sich künftig ausschließlich auf KI-Rechenzentren. Für PC-Gamer und Konsolenspieler könnte der Zeitpunkt nicht schlechter sein.
Das Ende einer Ära
Am 3. Dezember 2025 verkündete Micron Technology eine Entscheidung, die die gesamte PC-Gaming-Branche erschüttert: Die Crucial-Marke, seit fast drei Jahrzehnten ein Synonym für bezahlbare und zuverlässige RAM-Module sowie SSDs, wird bis Ende Februar 2026 eingestellt. Crucial-Produkte verschwinden danach aus den Regalen von Amazon, Best Buy, Newegg und anderen Händlern.
„Die KI-getriebene Nachfrage in Rechenzentren hat zu einem enormen Anstieg bei Memory und Storage geführt“, erklärte Sumit Sadana, Executive Vice President bei Micron. „Wir haben die schwierige Entscheidung getroffen, das Crucial-Consumer-Geschäft zu beenden, um unsere größeren strategischen Kunden in schneller wachsenden Segmenten besser versorgen zu können.“
OpenAIs Stargate verschlingt 40 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion
Hinter Microns radikaler Kehrtwende steht ein Name: OpenAI. Das 500-Milliarden-Dollar-Projekt „Stargate“ hat mit Samsung und SK Hynix Vereinbarungen über bis zu 900.000 DRAM-Wafer pro Monat getroffen – das entspricht etwa 40 Prozent der gesamten globalen DRAM-Produktion. Hinzu kommen die Bedarfe von Microsoft, Google, Meta und weiteren Tech-Giganten, die alle um dieselben knappen Ressourcen konkurrieren.
Nvidia's aktuelle Blackwell-GPUs und Googles neuer Ironwood-TPU benötigen jeweils 192 GB High-Bandwidth-Memory pro Chip. AMDs MI350-Chip kommt sogar auf 288 GB HBM3E-Speicher. Diese Mengen sind beispiellos und treiben die Nachfrage in astronomische Höhen.
Preisexplosion: DDR5 kostet mehr als eine PlayStation 5

Die Auswirkungen auf den Consumer-Markt sind verheerend. Ein 64-GB-DDR5-Kit, das Anfang 2025 noch für unter 200 Dollar erhältlich war, kostet mittlerweile über 500 Dollar – mehr als eine Sony PlayStation 5. Die durchschnittlichen DRAM-Preise sind im Jahresvergleich um 171,8 Prozent gestiegen.
Konkrete Beispiele verdeutlichen das Ausmaß der Krise: Ein 32-GB Corsair Vengeance DDR5-6000 Kit kletterte von stabilen 95 Dollar auf über 440 Dollar. Selbst DDR4-Speicher, der eigentlich ausgemustert werden sollte, hat sich im Preis mehr als verdoppelt. 128 GB DDR5-RAM können mittlerweile 1.000 Dollar und mehr kosten.
In einigen Micro-Center-Filialen in den USA wurden bereits sämtliche Preisschilder für DDR5-Produkte entfernt. Kunden müssen nun direkt mit Verkäufern über aktuelle Preise verhandeln – ein deutliches Zeichen für die extreme Marktvolatilität.
Nur noch zwei große Spieler im Consumer-Markt
Mit Microns Rückzug kontrollieren nur noch Samsung (43 Prozent Marktanteil) und SK Hynix (35 Prozent) den DRAM-Markt für Endverbraucher. Zwar werden Drittanbieter wie Corsair, G.Skill und Kingston weiterhin RAM-Kits anbieten, doch auch sie beziehen ihre Chips von denselben Herstellern.
Die Konzentration auf zwei Anbieter reduziert nicht nur den Wettbewerb, sondern macht den Markt auch anfälliger für weitere Preiserhöhungen. Team Groups General Manager Gerry Chen warnte bereits, dass die schwersten Auswirkungen erst in der ersten Hälfte 2026 zu spüren sein werden, wenn die Lagerbestände der Distributoren erschöpft sind.
Motherboard-Verkäufe brechen um 50 Prozent ein

Die Preisexplosion bei RAM hat bereits Kettenreaktionen ausgelöst. Berichten zufolge verzeichnen ASUS, MSI und GIGABYTE einen Einbruch der Motherboard-Verkäufe um 40 bis 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Hersteller mussten ihre Verkaufsziele für November und Dezember 2025 deutlich nach unten korrigieren.
Epic Games CEO Tim Sweeney warnte öffentlich, dass die steigenden RAM-Kosten „ein echtes Problem für das High-End-Gaming über mehrere Jahre hinweg“ darstellen werden.
Auch Konsolenspieler sind betroffen
Die RAM-Krise trifft nicht nur PC-Spieler. Valve hat bestätigt, dass die kommende Steam Machine keinen subventionierten Preis haben wird – die Speicherknappheit könnte den Preis höher treiben als erwartet.
Gerüchte in der Gaming-Industrie deuten darauf hin, dass Microsoft sich nicht ausreichend auf die RAM-Knappheit vorbereitet hat. Nach zwei Preiserhöhungen für Xbox-Konsolen im Jahr 2025 könnte 2026 eine weitere folgen. Selbst die PS5 ist langfristig nicht vor Auswirkungen gefeit, auch wenn kurzfristig keine Preisanpassungen erwartet werden.
Engpass könnte bis 2028 andauern

Die Prognosen der Branchenexperten sind düster. Silicon Motion CEO und Phison CEO warnen übereinstimmend, dass DRAM, NAND, HBM und sogar HDD-Speicher 2026 gleichzeitig knapp sein werden – eine Situation, die es in 30 Jahren nicht gegeben hat.
Samsung und SK Hynix haben signalisiert, dass sie die Produktionskapazitäten nicht signifikant erhöhen werden, um das „Risiko einer Überproduktion zu minimieren“. Der Aufbau neuer Fertigungskapazitäten dauert mindestens zwei Jahre, und die Hersteller scheuen Investitionen aus Angst, dass die KI-Blase platzen könnte.
Team Group prognostiziert, dass die Knappheit bis Ende 2027 oder sogar 2028 andauern wird. Für PC-Enthusiasten bedeutet das: Wer jetzt nicht kauft, zahlt später möglicherweise noch deutlich mehr.
Garantie bleibt bestehen
Ein kleiner Trost: Micron hat zugesichert, dass alle bereits verkauften Crucial-Produkte weiterhin Garantieleistungen und Support erhalten werden. Wie lange dieser Support aufrechterhalten wird, hat das Unternehmen allerdings nicht konkretisiert. Betroffene Mitarbeiter sollen innerhalb des Unternehmens in andere Positionen versetzt werden.