Kingdom Come 2-Entwickler wechselt zu The Witcher 4

CD Projekt Red hat sich mit Karel Kolmann einen erfahrenen Senior Game Designer von Warhorse Studios ins Boot geholt. Der Entwickler, der zuletzt maßgeblich an Kingdom Come: Deliverance 2 beteiligt war, verstärkt nun das Team von The Witcher 4 als Senior Quest Designer. Der Wechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Entwicklung des nächsten Witcher-Abenteuers mit Ciri als Protagonistin in die entscheidende Phase eintritt.

Karel Kolmann bestätigte seinen Wechsel zu CD Projekt Red vor wenigen Tagen auf LinkedIn, wie der Twitter-Nutzer kaarxx_ als Erster bemerkte. Der Entwickler verlässt damit nach fast acht Jahren Warhorse Studios, wo er seit Ende 2017 verschiedene Positionen innehatte und zuletzt als Lead Gameplay Designer tätig war.

Umfangreiche Erfahrung aus Kingdom Come: Deliverance 2

Kolmanns Karriere bei Warhorse Studios begann 2017 als Writer und Game Designer. Im Oktober 2021 wurde er zum Senior Game Designer befördert und übernahm im Mai 2025 die Position des Lead Gameplay Designers, die er sieben Monate lang innehatte. In dieser Zeit war er federführend für die Entwicklung des anspruchsvollen Hardcore-Modus von Kingdom Come: Deliverance 2 verantwortlich.

Seine Beiträge zum mittelalterlichen Rollenspiel waren beachtlich: Kolmann designte insgesamt elf Quests für Kingdom Come: Deliverance 2, inklusive aller Dialoge und teilweiser Scripting-Arbeit. Darüber hinaus entwickelte er das komplexe Kriminalitätssystem des Spiels, das steuert, wie NPCs auf die weniger ehrenhaften Aktionen der Spieler reagieren. Seine Arbeit umfasste auch das Design von großangelegten Schlachten und Kampfmechaniken.

Kingdom Come: Deliverance 2 – Ein Erfolg auf ganzer Linie

Der Wechsel Kolmanns erfolgt nach dem bemerkenswerten kommerziellen Erfolg von Kingdom Come: Deliverance 2. Das mittelalterliche Rollenspiel, das am 4. Februar 2025 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S erschien, erreichte bereits innerhalb der ersten 24 Stunden eine Million verkaufte Exemplare – eine Marke, für die der Vorgänger noch zwei Wochen benötigte.

Die Verkaufszahlen entwickelten sich weiterhin beeindruckend: Nach nur zwei Wochen wurden über zwei Millionen Einheiten abgesetzt. Im Mai 2025, nur drei Monate nach Release, knackte Kingdom Come: Deliverance 2 die Drei-Millionen-Marke. Zum Vergleich: Der erste Teil benötigte über zwei Jahre, um drei Millionen Verkäufe zu erreichen. Der Vorgänger brachte es mittlerweile auf über zehn Millionen verkaufte Exemplare seit dem Launch 2018.

Besonders in den USA zeigte sich der Erfolg deutlich: Im Februar 2025 landete Kingdom Come: Deliverance 2 auf Platz zwei der Software-Charts und musste sich nur Monster Hunter Wilds geschlagen geben. Laut Analyst Mat Piscatella von Circana waren die Gesamtumsätze im Startmonat mehr als fünfmal höher als beim ersten Teil. Das Spiel erreichte auf Steam einen User Score von 93 Prozent, was die hohe Qualität des Titels unterstreicht.

The Witcher 4 – Entwicklung nimmt Fahrt auf

Mit über 400 Entwicklern arbeitet CD Projekt Red derzeit mit Hochdruck an The Witcher 4, das intern unter dem Codenamen „Projekt Polaris“ läuft. Laut aktuellen Berichten vom August 2025 umfasst das Team mittlerweile 444 Personen – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 403 Entwicklern im März 2024. Dies entspricht etwa zwei Dritteln der gesamten Belegschaft des Studios, das inzwischen knapp 800 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Projekt befindet sich seit Ende 2024 offiziell in der Vollproduktion, der intensivsten Phase der Entwicklung. Michał Nowakowski, Co-CEO von CD Projekt Red, bestätigte im November 2024: „Ich kann mit Stolz bestätigen, dass das Polaris-Team vor einigen Wochen die Vorproduktion abgeschlossen und mit der Serienproduktion begonnen hat.“

Zum Vergleich: An The Witcher 3: Wild Hunt waren seinerzeit rund 230 Entwickler beteiligt, während Cyberpunk 2077 etwa ein halbes Jahr vor Release etwa 400 Personen beschäftigte. Die aktuelle Teamgröße von The Witcher 4 deutet auf den immensen Umfang des Projekts hin.

Quest Designer auf The Witcher 3-Niveau

Nach öffentlich verfügbaren LinkedIn-Daten, die Game Rant analysierte, beschäftigt CD Projekt Red derzeit mehr als ein Dutzend Mitarbeiter in der Position „Senior Quest Designer“ – der Titel, den auch Kolmann nun innehat. Diese Zahl entspricht in etwa der von The Witcher 3, wo 16 Senior Quest Designer im Abspann aufgeführt wurden. Im Vergleich dazu hatte Cyberpunk 2077 nur sechs Personen in dieser Position, dafür aber über ein Dutzend Junior- und nicht-senior Quest Designer.

Diese Zahlen lassen darauf schließen, dass der Umfang der Quests in The Witcher 4 mit den vorherigen beiden großen Produktionen von CD Projekt Red vergleichbar sein könnte. Der Gesamtumfang könnte sogar noch deutlich höher ausfallen, sollte das Studio zusätzliches Quest-Design an externe Partner auslagern – ein Aspekt, der sich mit öffentlichen Daten derzeit nicht zuverlässig nachverfolgen lässt.

Unreal Engine 5 Tech-Demo zeigt beeindruckende Fortschritte

Im Juni 2025 präsentierten CD Projekt Red und Epic Games auf der State of Unreal 2025 eine beeindruckende Tech-Demo von The Witcher 4. Die zehnminütige Präsentation, die mit 60 Bildern pro Sekunde auf einer PlayStation 5 lief, folgte Protagonistin Ciri und ihrem Pferd Kelpie durch die Region Kovir – ein Gebiet, das erstmals in der Spieleserie zu sehen sein wird.

Die Demo zeigte zahlreiche technische Innovationen der Unreal Engine 5, darunter:

  • Unreal Animation Framework für realistische Charakterbewegungen in belebten Szenen
  • Nanite Foliage für dichte, detaillierte Vegetation ohne Performance-Einbußen
  • Mass AI System für große, dynamische Menschenmengen
  • ML Deformer für realistische Muskel- und Charakteranimationen
  • FastGeo Streaming für schnelles, nahtloses Laden von Umgebungen

Die vorgestellten Tools werden ab Unreal Engine 5.6 allen Entwicklern zur Verfügung stehen und sollen anderen Studios helfen, immersive Open-World-Umgebungen mit 60 FPS zu schaffen.

„Wir haben unsere Partnerschaft mit Epic Games begonnen, um die Technologie für Open-World-Spiele voranzutreiben“, erklärte Michał Nowakowski. „Diesen frühen Einblick in unsere Arbeit mit der Unreal Engine auf der PlayStation 5 mit 60 FPS zu zeigen, ist ein bedeutender Meilenstein.“

Ciri als neue Protagonistin bestätigt

Im Dezember 2024 enthüllte CD Projekt Red auf den Game Awards mit einem cinematic Reveal-Trailer offiziell, dass Ciri die Protagonistin von The Witcher 4 sein wird. Die Tech-Demo vom Juni 2025 gab weitere Einblicke in ihr Design und ihre Fähigkeiten. Ciri verfügt über ein neues Pferd namens Kelpie und zeigt überarbeitete Kampfmechaniken.

Game Director Sebastian Kalemba betonte die Unterschiede zu Geralt: „Sie bewegt sich, als wäre sie von Wölfen in Kaer Morhen aufgezogen worden. Das kommt von ihrer Persönlichkeit, ihrer Einstellung.“ Ciri setzt wie Geralt auf zwei Schwerter – eines aus Stahl und eines aus Silber – nutzt bekannte Hexer-Zauber wie das Quen-Schild, kämpft aber auch mit magischen Blitzen und einer Kette, die sie in Brand setzen kann.

Release-Zeitraum und weitere Projekte

Obwohl The Witcher 4 noch kein offizielles Veröffentlichungsdatum hat, schätzen Brancheninsider den Launch zwischen 2027 und 2028 ein. CD Projekt Red hat mehrfach betont, dass das Spiel nicht vor 2027 erscheinen wird. Das Studio will die Fehler vermeiden, die bei der Veröffentlichung von Cyberpunk 2077 gemacht wurden, und legt großen Wert auf eine qualitativ hochwertige Veröffentlichung.

The Witcher 4 ist der Auftakt einer neuen Trilogie, die unter dem Arbeitstitel „Polaris“ läuft. Alle drei Spiele sollen innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahren erscheinen – ein ambitioniertes Ziel angesichts der heutigen AAA-Produktionszyklen.

Parallel arbeitet CD Projekt Red an mehreren weiteren Projekten:

  • Projekt Orion: Eine Fortsetzung von Cyberpunk 2077, an der bereits 116 Entwickler arbeiten (Stand August 2025)
  • Projekt Sirius: Ein Witcher-Spinoff vom Studio The Molasses Flood mit 48 Entwicklern
  • The Witcher Remake: Eine Neuauflage des ersten Spiels, entwickelt von Fool's Theory
  • Projekt Hadar: Eine komplett neue IP mit 19 Entwicklern

Strategischer Zugewinn für CD Projekt Red

Die Verpflichtung von Karel Kolmann unterstreicht CD Projekt Reds Bestreben, die besten Talente der Branche für The Witcher 4 zu gewinnen. Mit seiner umfangreichen Erfahrung in Quest-Design, Kriminalitätssystemen und komplexen Gameplay-Mechaniken bringt Kolmann genau jene Expertise mit, die für ein qualitativ hochwertiges Rollenspiel essentiell ist.

Die kontinuierliche Erweiterung des Entwicklungsteams, der Einsatz modernster Technologie und die sorgfältige Planung deuten darauf hin, dass CD Projekt Red aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt hat. Mit Ciri als Protagonistin, einem erfahrenen Team von über 400 Entwicklern und den technischen Möglichkeiten der Unreal Engine 5 könnte The Witcher 4 tatsächlich das nächste große Highlight für RPG-Fans werden – auch wenn Geduld gefragt ist.

Die Erwartungen sind hoch, insbesondere nach dem phänomenalen Erfolg von The Witcher 3, das sich mittlerweile über 60 Millionen Mal verkauft hat und zu den meistverkauften Spielen aller Zeiten zählt. Ob The Witcher 4 diese Erfolgsgeschichte fortsetzen kann, wird sich zeigen – die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls geschaffen.

Wie haben dir die Infos gefallen?

0 0

Lost Password

Please enter your username or email address. You will receive a link to create a new password via email.