Jason Blundell gründet Magic Fractal Studios – nur eine Woche nach der Schließung von Dark Outlaw Games

Die Gaming-Branche kommt nicht zur Ruhe – und Jason Blundell offenbar auch nicht. Nur eine Woche nachdem Sony sein PlayStation-Studio Dark Outlaw Games geschlossen hat, meldet sich die Call-of-Duty-Legende mit einem neuen Projekt zurück: Magic Fractal Studios. Es ist bereits das dritte Studio, das Blundell seit seinem Abschied von Treyarch im Jahr 2020 gründet oder mitgründet.

Ankündigung im Livestream mit JCbackfire

Die Enthüllung erfolgte am 31. März 2026 während eines Twitch-Livestreams mit JC „JCbackfire“ Farmer, einem ehemaligen Kollegen bei Dark Outlaw Games und bekannten YouTuber. Blundell präsentierte ein Logo, verwies auf die neu erstellte Website magicfractal.com sowie Social-Media-Kanäle. Der Twitter-Account des Studios erreichte innerhalb kürzester Zeit rund 9.300 Follower.

Inhaltlich blieb Blundell allerdings zurückhaltend. Weder wurde ein konkretes Spielprojekt vorgestellt noch gab es Hinweise auf Genre, Plattform oder Finanzierungsmodell. Farmer erklärte im Stream, er wolle vorsichtig sein mit dem, was er sagt – betonte aber gleichzeitig seine Begeisterung für die Zukunft.

„Third time's the charm. And if not, it's the fourth time.“

Mit diesem markanten Satz kommentierte Blundell die Gründung von Magic Fractal. Es ist eine Anspielung auf seine turbulente Studiohistorie der letzten Jahre. In einem früheren Livestream nach der Schließung von Dark Outlaw hatte er bereits angekündigt, nicht aufgeben zu wollen: Er werde so lange scheitern, bis er Erfolg habe – das sei es, was einen Profi ausmache.

Bemerkenswert ist auch die klare Absage an Crowdfunding. Trotz zahlreicher Angebote von Zuschauern, das neue Studio finanziell zu unterstützen, lehnten Blundell und Farmer ab. Blundell erklärte, es sei „sportlicher“, sein Geld damit zu verdienen, großartige Spiele zu entwickeln und die Spieler dann zum Kauf zu bewegen.

Der Weg von Treyarch über Deviation und Dark Outlaw zu Magic Fractal

Jason Blundell blickt auf über ein Jahrzehnt bei Treyarch zurück, wo er maßgeblich die Kampagnen und den Zombies-Modus der ersten vier Call of Duty: Black Ops-Titel mitgestaltete. Legendäre Maps wie Shadows of Evil und Mob of the Dead tragen seine Handschrift. Nach seinem Abschied von Activision Blizzard im Jahr 2020 begann eine Phase, die von ambitionierten Neustarts und frustrierenden Rückschlägen geprägt war.

2021 gründete er gemeinsam mit Treyarch-Veteran Dave Anthony das unabhängige Studio Deviation Games, das eine Partnerschaft mit Sony für einen PlayStation-Exklusivtitel einging. Blundell verließ Deviation allerdings bereits 2022. Das Studio führte 2023 Entlassungen durch und schloss 2024 endgültig, ohne jemals ein Spiel enthüllt zu haben.

Im März 2025 gab PlayStation die Gründung von Dark Outlaw Games als neues First-Party-Studio mit Blundell an der Spitze bekannt. Das in Los Angeles ansässige Team arbeitete an einer unangekündigten AAA-IP, die sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befand. Blundell bestätigte später, dass es sich dabei nicht um ein Live-Service-Spiel gehandelt habe – ein Detail, das angesichts der jüngsten Sony-Studioschließungen durchaus Relevanz besitzt.

Die Schließung von Dark Outlaw Games – Teil einer größeren Sony-Strategie

Sony

Am 24. März 2026 bestätigte Bloomberg-Reporter Jason Schreier die Schließung von Dark Outlaw Games. Es war das zweite PlayStation-Studio, das innerhalb von zwei Monaten dichtmachte – nachdem Sony bereits im Februar 2026 Bluepoint Games geschlossen hatte. Sony erklärte in einem offiziellen Statement, dass die „Studio Business Group strategische Anpassungen vorgenommen habe, um die langfristige Nachhaltigkeit zu unterstützen“.

Die Entlassungen betrafen insgesamt rund 50 Mitarbeiter, nicht nur bei Dark Outlaw selbst, sondern auch in der Mobile-Sparte von PlayStation. Das Studio hatte laut LinkedIn zwischen 11 und 50 Angestellte, viele davon ehemalige Deviation-Games-Mitarbeiter.

Die Schließung reiht sich in ein besorgniserregendes Muster ein. Firewalk Studios wurde im Oktober 2024 nach dem Desaster um den Live-Service-Shooter Concord geschlossen. Bluepoint Games, bekannt für die gefeierten Remakes von Demon's Souls und Shadow of the Colossus, ging trotz eines exzellenten Rufs unter, nachdem ein Live-Service-Projekt auf Basis von God of War gecancelt wurde und keine neuen Projekte genehmigt wurden. Insgesamt hat sich Sonys große Akquisitionswelle der PS5-Ära, bei der zwischen 2019 und 2023 über zehn Studios übernommen wurden, als deutlich weniger erfolgreich erwiesen als erhofft.

Die Gaming-Industrie in der Krise – und ein Zeichen der Hoffnung

Blundells Hartnäckigkeit steht exemplarisch für eine Branche im Umbruch. Studios werden geschlossen, Tausende Entwickler verlieren ihre Arbeitsplätze, und selbst etablierte Publisher wie Epic Games müssen Massenentlassungen durchführen. In diesem Umfeld wirkt die Gründung von Magic Fractal wie ein Akt des Trotzes – oder des unerschütterlichen Optimismus.

Ob es Blundell und seinem Team diesmal gelingt, tatsächlich ein Spiel zu veröffentlichen, bleibt abzuwarten. Mit Magic Fractal scheint er einen bewusst unabhängigen Weg einzuschlagen – ohne Publisher-Abhängigkeit und ohne Crowdfunding. Das erfordert entweder externe Investoren oder ein Projekt mit überschaubarem Budget. Einige Beobachter hoffen, dass das Team Konzepte aus der Dark-Outlaw-Ära weiterentwickeln kann, sofern die Rechte dies zulassen.

Fest steht: Die Community steht hinter Blundell. Der schnelle Aufbau einer Followerschaft zeigt, dass das Erbe der Black-Ops-Zombies-Ära nach wie vor Gewicht hat. Für die gebeutelte Gaming-Branche wäre ein Erfolg von Magic Fractal ein willkommenes Signal, dass Neuanfänge auch in schwierigen Zeiten möglich sind.

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