IO Interactive beendet Zusammenarbeit mit MindsEye-Entwickler Build A Rocket Boy

IO Interactive hat offiziell die Publishing-Partnerschaft mit Build A Rocket Boy beendet. Seit dem 16. März 2026 liegen alle Veröffentlichungsrechte für den umstrittenen Action-Titel MindsEye allein beim Entwicklerstudio. Die Trennung besiegelt das Ende einer Zusammenarbeit, die mit hohen Erwartungen begann und in einem der größten Flops der jüngeren Gaming-Geschichte endete. Als Konsequenz wurde auch das geplante Hitman-Crossover ersatzlos gestrichen.

Vom GTA-Erben zum schlechtesten Spiel 2025

MindsEye erschien am 10. Juni 2025 für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC und war das erste Spiel von Build A Rocket Boy. Das Studio wurde 2016 von Leslie Benzies gegründet, dem ehemaligen Präsidenten von Rockstar North, der maßgeblich an der Entwicklung der Grand-Theft-Auto-Reihe beteiligt war. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Third-Person-Shooter, der in der fiktiven Wüstenstadt Redrock City angesiedelt ist.

Die Realität sah jedoch anders aus: MindsEye wurde zum am schlechtesten bewerteten Spiel des Jahres 2025. Auf Metacritic steht der Titel bei einem Score von 38 für die PC-Version und nur 28 für die PS5-Fassung. Kritiker bemängelten schwere technische Probleme, eine schwache Story, eine leblose offene Spielwelt, veraltetes Gameplay und zahlreiche Bugs. Die sozialen Medien wurden mit Videos von spielzerstörenden Fehlern überschwemmt, was Sony dazu veranlasste, Rückerstattungen über den PlayStation Store zu gewähren – ein äußerst seltener Schritt des Konsolenherstellers.

IOI Partners zieht die Reißleine

In einer offiziellen Pressemitteilung vom 17. März 2026 bestätigte IO Interactive die Trennung. IOI Partners, die Publishing-Sparte des Hitman-Studios, beendet demnach jegliche Beteiligung an MindsEye – mit Ausnahme notwendiger Übergangsfunktionen für den Transfer des Publisher-Status. Beide Unternehmen arbeiten laut eigener Aussage eng zusammen, um einen reibungslosen Übergang in den kommenden Wochen sicherzustellen.

Bereits im Januar 2026 hatte Insider Gaming über das bevorstehende Ende der Partnerschaft berichtet. Zuvor hatte IO-Interactive-CEO Hakan Abrak angedeutet, dass das Unternehmen nach der MindsEye-Katastrophe möglicherweise keine Spiele externer Studios mehr veröffentlichen werde. Ob IOI Partners künftig weitere Titel publiziert, bleibt offen.

Hitman-Crossover endgültig gestrichen

Mit der Trennung fällt auch das im Juni 2025 angekündigte Hitman-Crossover-Event ersatzlos weg. Die geplante Mission, die innerhalb von MindsEye spielbar sein sollte, wird laut IO Interactive nicht mehr erscheinen. Es ist unklar, ob Build A Rocket Boy das bereits entwickelte Material in anderer Form verwerten wird oder ob die Arbeiten daran noch gar nicht begonnen hatten.

Sabotage-Vorwürfe und weitere Entlassungen

Die Situation bei Build A Rocket Boy bleibt angespannt. Anfang März 2026 gab Co-CEO Mark Gerhard eine weitere Entlassungswelle bekannt und sprach von einer „zutiefst schmerzhaften Entscheidung“. Gleichzeitig erhob er schwere Vorwürfe: Das Studio habe gemeinsam mit externen Partnern und Rechtsberatern kriminelle Aktivitäten rund um den Launch untersucht und dabei „überwältigende Beweise für organisierte Spionage und Unternehmenssabotage“ gefunden. Da die Angelegenheit auf eine Strafverfolgung zusteuere, könnten Details noch nicht öffentlich geteilt werden.

Ehemalige Mitarbeiter zeichnen ein anderes Bild. In Berichten von GamesIndustry.biz warfen frühere Angestellte der Führungsebene Missmanagement und fehlende Führungsqualitäten vor. Benzies habe keine klare Vision für das Spiel gehabt und sich stattdessen an einzelnen Features festgebissen, die über alles andere priorisiert wurden – Mitarbeiter nannten diese Fixierungen intern „Leslies“. Die Sabotage-Vorwürfe stießen bei der Belegschaft auf Unverständnis.

Leslie Benzies im vorübergehenden Urlaub

Seit Februar 2026 befindet sich Mitgründer und Co-CEO Leslie Benzies in einem „vorübergehenden Urlaub“. Laut einer internen E-Mail von Co-CEO Mark Gerhard nehme Benzies eine „wohlverdiente Auszeit, um nach mehr als einem Jahr Rund-um-die-Uhr-Arbeit aufzutanken“. Die Formulierung der E-Mail ließ allerdings vermuten, dass die Abwesenheit länger dauern könnte als zunächst angedeutet. Build A Rocket Boy bestätigte gegenüber Medien, dass Benzies weiterhin Co-CEO sei und lediglich eine geplante kurze Pause einlege.

MindsEye: Der steinige Weg zur Besserung

Trotz aller Turbulenzen arbeitet das verbliebene Team weiter an MindsEye. Im Februar 2026 erhielt der Titel ein größeres Update, das sich auf die Verbesserung des Kampagnen-Ablaufs, klarere Missionsziele und die Optimierung der KI-Verhaltensweisen konzentrierte. Auf Steam sind die jüngsten Nutzerbewertungen inzwischen „größtenteils positiv“ – ein Zeichen dafür, dass die Patches Wirkung zeigen. Dennoch bleibt die Spielerbasis minimal: Zum Zeitpunkt der Ankündigung spielten auf Steam nur 17 Personen gleichzeitig, der bisherige Höchststand lag bei lediglich 3.302 gleichzeitigen Spielern.

Build A Rocket Boy hat angekündigt, künftig mit anderen Partnern an separaten Projekten zu arbeiten. Wann das nächste Update für MindsEye erscheint, ist derzeit nicht bekannt. Angesichts der fortgesetzten Entlassungen und der ungeklärten Führungssituation steht das Studio vor einer ungewissen Zukunft.

Ursprünglich als Metaversum geplant

Wenigen Spielern dürfte bewusst sein, dass MindsEye ursprünglich Teil eines deutlich ambitionierteren Projekts war. Unter dem Titel „Everywhere“ sollte eine Social-Hub-Plattform mit nutzergenerierten Inhalten entstehen – eine Art „Roblox für Erwachsene“. MindsEye war als Flaggschiff-Titel innerhalb dieses Systems geplant. Das Metaversum-Konzept wurde jedoch verworfen, und MindsEye erschien als eigenständiger linearer Third-Person-Shooter. Das Studio hatte bis Ende 2024 hohe Millionensummen an Investorengeldern eingesammelt und beschäftigte zeitweise fast 400 Mitarbeiter.

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