Wer einen DualSense-Controller in die Hand nimmt, erwartet mehr als bloßes Rumble-Feedback. Doch die wenigsten PS5-Spiele schöpfen das volle Potenzial von Sonys Controller tatsächlich aus. God of War Sons of Sparta zeigt als retro-inspiriertes 2D-Metroidvania überraschend eindrucksvoll, wie haptisches Feedback, adaptive Trigger und sogar das eingebaute Mikrofon ein Spielerlebnis spürbar aufwerten können.
Ein 2D-Spiel, das den DualSense besser nutzt als viele AAA-Titel
Seit dem PS5-Launch im Jahr 2020 haben Entwickler den DualSense-Controller sehr unterschiedlich behandelt. Sonys eigene Tech-Demo Astro's Playroom demonstrierte damals eindrucksvoll, was mit haptischem Feedback, adaptiven Triggern und dem Controller-Lautsprecher möglich ist. Titel wie Returnal, Ratchet & Clank: Rift Apart und zuletzt Ghost of Yōtei setzten die Messlatte weiter hoch. Gleichzeitig beschränken sich viele – selbst große – PS5-Produktionen auf ein leichtes Vibrieren und lassen die weiteren Features komplett links liegen.
God of War Sons of Sparta, das am 12. Februar 2026 als PS5-exklusiver Shadow-Drop veröffentlicht wurde, schlägt einen anderen Weg ein. Obwohl es sich um ein 2D-Sidescroller-Metroidvania handelt, integriert das von Mega Cat Studios in Zusammenarbeit mit Santa Monica Studio entwickelte Spiel die DualSense-Features auf einem Niveau, das man eher von aufwendigen 3D-Titeln erwarten würde.
Die DualSense-Features im Detail

Mikrofon-Rätsel: Staub wegpusten per Atem
Das wohl einprägsamste Beispiel für die kreative Controller-Nutzung ist ein Rätsel, bei dem Spieler auf eine verstaubte Statue treffen. Statt einen Knopf zu drücken oder ein Item zu finden, müssen sie tatsächlich in das Mikrofon des DualSense pusten, um den Staub von der Statue zu blasen und das Rätsel zu lösen.
Ähnliche Mechaniken gibt es nur in einer Handvoll PS5-Spielen. In Ghost of Yōtei können Spieler beispielsweise ins Mikrofon pusten, um ein Lagerfeuer zu entfachen. Astro Bot nutzt das Mikrofon ebenfalls für bestimmte Gameplay-Mechaniken. Dass ein 2D-Metroidvania diese Funktion so prominent einsetzt, ist im aktuellen PS5-Lineup beinahe einzigartig.
Taktiles Kampf-Feedback
Das haptische Feedback in Sons of Sparta geht deutlich über das hinaus, was die meisten Sidescroller bieten. Das Kampfsystem – mit Speer-Angriffen, Blocks und Finishern – wird durch differenzierte Vibrationsmuster im Controller begleitet. Schwere Angriffe fühlen sich anders an als leichte Treffer, und das Blocken eines feindlichen Schlags erzeugt ein spürbares Gegengefühl in den Händen. Laut PlayStation Universe reagiert der DualSense in Sons of Sparta auf praktisch jede Aktion des jungen Kratos über das haptische Feedback.
Umgebungs-Vibrationen beim Erkunden
Auch abseits des Kampfes variiert das Controller-Feedback je nach Spielsituation. Beim Klettern, Springen und Durchqueren von Umgebungsgefahren ändert sich das Vibrationsmuster, sodass Spieler die Spielwelt nicht nur sehen, sondern auch fühlen können.
Controller-Lautsprecher für Umgebungsgeräusche
Bestimmte Klänge und akustische Hinweise werden direkt über den eingebauten Lautsprecher des DualSense wiedergegeben. Stimmen und Umgebungsgeräusche, die aus dem Controller erklingen, verstärken die Immersion und schaffen eine zusätzliche akustische Ebene jenseits des TV-Sounds.
Adaptive Trigger mit variablem Widerstand
Die adaptiven Trigger des DualSense bieten in Sons of Sparta unterschiedlichen Widerstand je nach Spielsituation. Bei Angriffen und Interaktionen simulieren sie Waffen-Spannung und Aufprall-Gewicht, wodurch die Aktionen auf dem Bildschirm physisch greifbarer werden.
Der besondere Reiz der DualSense-Integration in Sons of Sparta liegt paradoxerweise in der retro-inspirierten Präsentation des Spiels. Von einem 2.5D-Pixel-Art-Titel mit klassischer Metroidvania-Struktur erwartet man diese Tiefe schlicht nicht. Im Genre der 2D-Sidescroller beschränken sich die allermeisten Spiele auf einfaches Rumble-Feedback, wenn überhaupt. Dass Sons of Sparta hier auf einem Niveau agiert, das an Astro Bot oder Ratchet & Clank: Rift Apart heranreicht, macht die Controller-Features umso bemerkenswerter.
In gewisser Weise liefert das Spiel damit den Beweis, dass kreative DualSense-Nutzung keine Frage des Budgets oder der grafischen Ambition ist – sondern eine bewusste Design-Entscheidung.
Gemischte Kritiken, aber Lob für den Controller-Einsatz
Das Spiel selbst erhielt gemischte Bewertungen: Auf Metacritic steht Sons of Sparta bei einem Score von 65 von 100 basierend auf 60 Reviews. Kritiker bemängelten teils das repetitive Kampfsystem, vorhersehbare Progression und fehlenden Feinschliff. Als Metroidvania reicht es nicht an Genre-Größen wie Hollow Knight: Silksong oder Prince of Persia: The Lost Crown heran.
Die Story – eine Coming-of-Age-Erzählung rund um den jungen Kratos und seinen Bruder Deimos während ihres Agoge-Trainings in Sparta – wird als liebevolle Rahmenerzählung gelobt, bei der der erwachsene Kratos seiner Tochter Calliope eine Lektion über Pflicht und Ehre erteilt. Besonders positiv wurde die Rückkehr von Synchronsprecher TC Carson als Kratos aufgenommen.
Doch unabhängig von der Gesamtwertung: Die DualSense-Integration wird nahezu durchgehend als einer der überraschenden Pluspunkte des Spiels hervorgehoben. Es zeigt, dass manchmal die Spiele am meisten überraschen, von denen man am wenigsten erwartet.
Ein Signal an die Branche
Wenn ein prominenter Action-Titel wie God of War Sons of Sparta den DualSense nicht als Gimmick, sondern als ernsthaftes Design-Werkzeug einsetzt, könnte das andere Studios motivieren, ihre PS5-Versionen weniger plattformneutral zu gestalten und stärker in die spezifischen Controller-Features zu investieren. Davon profitieren am Ende alle PS5-Spieler – durch mehr spürbare Unterschiede zwischen Genres, ein stärkeres Gefühl für Waffen und Bewegung und einen Controller, der nicht nur Eingaben entgegennimmt, sondern tatsächlich zurückspricht.

