Geldgeber steigt aus: Heart Machine vor dem Aus

Ein Geldgeber zieht sich zurück, und ein ganzes Team steht ohne Arbeit da. Am 16. September 2026 machte Studiogründer Alx Preston die Nachricht öffentlich. Ob das Studio hinter Hyper Light Drifter überhaupt weiterbesteht, kann er nach eigenen Worten nicht sagen.

Heart Machine verliert die Finanzierung für ein Geheimprojekt

Preston veröffentlichte die Mitteilung bei LinkedIn. Sein Team arbeitete demnach an einem noch unangekündigten Titel, finanziert von einem Herausgeber. In derselben Woche entschied dieser Partner, das Projekt nicht weiterzuverfolgen.

Damit brach die wichtigste Einnahmequelle weg. Andere Mittel oder kurzfristige Aussichten gab es laut Preston nicht. Fast alle verbliebenen Stellen fielen deshalb weg. Er selbst bezeichnete die Lage als verheerend.

Den Namen des Herausgebers nennt Preston nicht. Eine genaue Zahl der Betroffenen fehlt ebenfalls. Auch zum gestrichenen Projekt gibt es keinerlei Angaben, weder zum Genre noch zum Stand der Entwicklung.

Solche Ausstiege laufen meist still ab. Herausgeber prüfen laufende Projekte in festen Abständen und entscheiden dann über die nächste Zahlung. Fällt diese Freigabe aus, steht ein Studio ohne Vorwarnung ohne Umsatz da. Genau das beschreibt Preston in seiner Mitteilung.

Besonders schwer wiegt sein letzter Absatz. Preston schreibt, er wisse derzeit nicht, wie oder ob Heart Machine überhaupt überlebt. Gleichzeitig kündigt er an, weiter nach einem Weg zu suchen. Solche Sätze liest man selten so offen von einem Studiochef.

Das dritte Mal in zwei Jahren

Die Nachricht kommt nicht aus dem Nichts. Heart Machine baut seit Ende 2024 immer wieder Personal ab.

Zeitpunkt Was passierte
November 2024 erste Entlassungsrunde kurz vor dem Start von Hyper Light Breaker
Dezember 2024 Start eines Patreon-Kontos als zusätzliche Geldquelle
Oktober 2025 Entwicklung von Hyper Light Breaker beendet, weitere Entlassungen
Anfang 2026 das Patreon-Modell wird wieder eingestellt
16. September 2026 fast alle verbliebenen Stellen fallen weg

Damals klang es noch anders. Nach der Runde im November 2024 klang das Studio noch zuversichtlich. Ein starker Start von Hyper Light Breaker werde den Betroffenen neue Chancen eröffnen, hieß es damals. Diese Rechnung ging nicht auf.

Im Oktober 2025 nannte Heart Machine bereits die Gründe für die zweite Runde. Genannt wurden veränderte Finanzierungsbedingungen, Zusammenschlüsse in der Branche und das unsichere Umfeld für kleine Studios. Fast auf den Tag genau elf Monate später folgt nun die dritte Welle.

Zwischenzeitlich versuchte das Studio einen eigenen Weg. Ab Dezember 2024 sammelte Heart Machine Geld über ein Patreon-Konto, um sich unabhängiger aufzustellen. Preston sprach damals von einer Anpassung an neue Gegebenheiten. Anfang 2026 endete dieser Versuch wieder.

Von Hyper Light Drifter bis Possessor(s)

Das Studio aus Los Angeles galt lange als Vorzeigebeispiel. Hyper Light Drifter erschien 2016 und wurde von Kritik und Spielern gefeiert. Solar Ash folgte 2021 unter dem Dach von Annapurna.

Danach lief es schwieriger. Hyper Light Breaker startete Anfang 2025 in den Early Access und erhielt gemischte Reaktionen. Possessor(s) kam im November 2025 bei Devolver heraus und konnte die Lage ebenfalls nicht drehen.

Drei Spiele in gut vier Jahren, dazu ein gestrichenes Geheimprojekt. Für ein Team dieser Größe ist das eine hohe Schlagzahl. Kommerziell reichte sie trotzdem nicht.

Was jetzt mit Hyper Light Breaker passiert

Für Käufer stellt sich vor allem eine Frage. Hyper Light Breaker liegt seit Januar 2025 im Early Access und sollte ursprünglich 2026 fertig werden.

Daraus wird nichts. Heart Machine stellte die Entwicklung bereits im Oktober 2025 ein. Angekündigt war damals noch ein letztes Update im Januar 2026, das den Titel zu einem sauberen Abschluss bringen sollte. Im Dezember 2025 teilte das Studio dann mit, das Spiel erhalte vorerst keine weitere Entwicklung.

Die aktuelle Steam-Seite bestätigt diesen Stand. Eine Vollversion gibt es also nicht, und die bereits gestrichenen Pläne dürften nach den neuen Entlassungen endgültig vom Tisch sein.

Der Early Access bleibt im Handel

Verkauft wird das Spiel weiterhin. Zuletzt lag der Preis bei rund 30 US-Dollar, der Euro-Preis bewegt sich auf vergleichbarem Niveau. Genau dieser Punkt sorgte bereits im Dezember 2025 für Ärger.

Damals lief Hyper Light Breaker im Winterschlussverkauf mit, kurz bevor das Studio die Einstellung auf der Steam-Seite vermerkte. Wer die Nachrichten nicht verfolgte, konnte den Eindruck gewinnen, das Spiel werde weiterentwickelt. Negative Bewertungen häuften sich danach schnell.

Hyper Light Breaker war als Vorgeschichte zu Hyper Light Drifter angelegt. Spieler ziehen darin als sogenannte Breaker in eine zufällig erzeugte Welt und stellen sich mehreren Regionsbossen. Dieser Aufbau verlangt viele Inhalte, und genau daran fehlte es zuletzt.

Ob die Server für das gemeinsame Spielen zu dritt langfristig online bleiben, hat Heart Machine bisher nicht gesagt. Wer kaufen will, sollte diesen Punkt einkalkulieren.

Preston sucht Stellen für die Betroffenen

Ein Teil der Mitteilung richtet sich direkt an andere Arbeitgeber. Preston bittet Studios mit offenen Stellen darum, sich zu melden.

  • Unterstützung bei der Vermittlung neuer Stellen
  • offener Aufruf an andere Studios mit Bedarf
  • Dank an das Team, die Gemeinde und die Fans
  • keine Angaben zur Zahl der Betroffenen
  • keine Aussage über eine mögliche Schließung

Bemerkenswert ist der Ton der Mitteilung. Preston stellt die Betroffenen in den Mittelpunkt und verzichtet auf Schuldzuweisungen an den Herausgeber. Gleichzeitig verschweigt er die eigene Lage nicht. Diese Mischung aus Offenheit und Zurückhaltung hebt sich von vielen Firmenmitteilungen der vergangenen Monate ab.

Solche Aufrufe sind seit 2024 Alltag geworden. Für die Betroffenen zählt vor allem eines: Der Arbeitsmarkt in Nordamerika und Westeuropa ist deutlich enger als vor drei Jahren.

Einordnung in die Entlassungswelle 2026

Der Fall steht nicht allein. Das laufende Jahr reiht sich in eine Entwicklung ein, die seit 2023 anhält.

Ereignis 2026 Umfang
Epic Games, März über 1.000 Stellen
Meta Reality Labs, März rund 700 Stellen
Xbox und Microsoft, Juli laut Berichten rund 3.200 Stellen
id Software, Juli 136 von 185 Stellen, rund 74 Prozent
Ubisoft, Juni 380 Stellen, zwei Studios geschlossen
Double Fine, Juli rund ein Viertel der Belegschaft

Ein Tracker für die Branche zählte allein zwischen Januar und Anfang April 2026 über 4.500 gestrichene Stellen. Im selben Zeitraum schlossen laut dieser Erhebung mindestens 20 Studios. Ein Analyst rechnete zu Jahresbeginn mit rund 7.500 Entlassungen für das gesamte Jahr 2026.

Kleine Studios trifft es dabei härter als Konzerne. Ein großer Herausgeber verteilt Risiken auf viele Projekte, ein Team mit dreißig Leuten hat oft nur eines. Rücklagen für mehrere Monate sind in dieser Größenordnung die Ausnahme.

Diese Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen und lassen sich nicht sauber addieren. Die Richtung ist trotzdem eindeutig. Und der Fall Heart Machine zeigt, dass es längst nicht nur große Konzerne trifft.

Was bei Heart Machine offen bleibt

Vieles lässt sich derzeit nicht beantworten. Preston hat bewusst wenig Details genannt.

  • ob das Studio formell geschlossen wird
  • wie viele Beschäftigte genau betroffen sind
  • welcher Herausgeber die Finanzierung gestoppt hat
  • was aus dem gestrichenen Projekt wird
  • ob Hyper Light Breaker doch noch einen Abschluss erhält

Auch zu den Rechten an den bestehenden Marken gibt es keine Angaben. Hyper Light Drifter, Solar Ash und Hyper Light Breaker haben jeweils unterschiedliche Herausgeber. Wie es damit weitergeht, bleibt vorerst unklar.

Was dieser Fall über die Branche verrät

Die Einordnung fällt ernüchternd aus. Ein Studio mit gefeiertem Erstling, drei Spielen und treuer Gemeinde steht binnen einer Woche vor dem Aus. Ausgelöst hat das ein einzelner Geldgeber. Genau darin liegt das eigentliche Problem: Kleine Teams hängen an einzelnen Verträgen, und fällt ein Vertrag weg, gibt es keinen Puffer.

Für Spieler bedeutet das vor allem Vorsicht beim Kauf unfertiger Titel. Hyper Light Breaker liegt seit über einem Jahr im Early Access und wird eine Vollversion nach heutigem Stand nie erreichen. Wer solche Spiele kauft, sollte sie deshalb nach dem aktuellen Inhalt bewerten und nicht nach dem versprochenen Plan. Und wer Heart Machine etwas Gutes tun will, verfolgt am ehesten, wo die Entwicklerinnen und Entwickler künftig arbeiten.

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