Nach zehn Jahren Entwicklungszeit und acht Jahren im Early Access sollte der 15. November 2025 eigentlich ein Meilenstein für Escape From Tarkov werden. Der lang ersehnte 1.0-Release samt Steam-Debüt entwickelte sich jedoch zu einem technischen Desaster, das die Community in Rage versetzt.
Über 16.000 Reviews – und die meisten sind vernichtend
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Launch sammelte Escape From Tarkov auf Steam bereits über 16.000 Bewertungen. Das Ergebnis ist ernüchternd – die Gesamtwertung pendelt zwischen „Ausgeglichen“ und „Größtenteils negativ“, mit lediglich 30 bis 43 Prozent positiven Reviews, je nach Sprachregion.
Besonders hart traf es die chinesischen und koreanischen Spieler, deren Reviews „Äußerst negativ“ ausfallen. Auch die russische und englische Community zeigt sich enttäuscht. Bei über 10.000 negativen gegenüber nur etwa 4.000 positiven Bewertungen wird das Ausmaß der Frustration deutlich.
Das eigentliche Problem: Ein Launcher der Verzweiflung
Das Pikante an der Situation: Die meisten negativen Reviews kritisieren nicht etwa das Gameplay selbst. Stattdessen richtet sich der Unmut gegen den obligatorischen Drittanbieter-Launcher von Battlestate Games, der zwischen Steam und dem eigentlichen Spiel steht.
Die technischen Probleme waren massiv: Spieler mussten zunächst ein separates BSG-Konto erstellen, doch die offizielle Website war direkt nach Launch entweder down oder hinter stundenlangen Warteschlangen verborgen. Ein Nutzer berichtete von einer 55-minütigen Wartezeit, nur um auf die Startseite zu gelangen.
Das Rückerstattungs-Dilemma schürt zusätzlichen Frust
Besonders perfide: Während der Launcher im Hintergrund läuft und auf die Account-Erstellung wartet, zählt Steam bereits Spielzeit. Viele Nutzer überschritten so unbemerkt die Zwei-Stunden-Grenze für Rückerstattungen, ohne das eigentliche Spiel jemals gestartet zu haben.
Ein verärgerter Spieler schrieb in seiner Review: „Die Entwickler sind Betrüger. Sie haben ein separates Login-Fenster angehängt, damit Steam denkt, man spielt bereits, während man nur in einer Warteschlange sitzt.“ Andere berichten von mysteriösen „korrupten Spieldateien“-Fehlern direkt nach der Installation.
Battlestate Games hatte es kommen sehen
Pikant ist, dass Game Director Nikita Buyanov bereits vor dem Launch offen über die Möglichkeit eines Review-Bombings sprach. Im Interview mit PCGamesN zeigte er sich jedoch unbeeindruckt: „Wenn sie uns bombardieren wollen, sollen sie es tun. Steam hat seine eigenen Protokolle dafür.“
Buyanov hatte das Review-Bombing allerdings eher im Kontext befürchtet, dass Bestandskunden das Spiel auf Steam neu kaufen müssen – die massiven Serverprobleme dürften selbst das Studio überrascht haben, obwohl Battlestate die Serverkapazität im Vorfeld verdreifacht hatte.
Community reagiert mit schwarzem Humor
Trotz der Frustration beweisen viele Spieler Humor in ihren Reviews. Ein Nutzer schrieb: „Eines der hochwertigsten Launcher-Softwareprodukte, die ich je gekauft habe. Die Benutzeroberfläche verfügt über eine ausgeprägte industrielle Ästhetik aus den frühen 2000ern, wobei die Farbpalette auf einer ewigen Schleife von ‚Fehler-Rot‘ und ‚Wartungs-Grau‘ festzustecken scheint.“
Ein anderer verglich das Spiel mit „kosmischer Bestrafung von gleichgültigen Göttern“ und beschrieb es als „Warnung, ein verfluchtes Artefakt, ein Schrei in die Leere – und die Leere schreit zurück.“
Was steckt eigentlich in Version 1.0?
Abseits der technischen Probleme bringt die 1.0-Version tatsächlich bedeutende Neuerungen. Mit dem Launch erfolgte ein vollständiger Wipe aller PvP-Profile – alle Spieler starten also auf gleichem Niveau. PvE-Spieler konnten hingegen wählen, ob sie ihre Fortschritte behalten möchten.
Begleitend läuft vom 15. November bis 6. Dezember ein Twitch Drops Event, bei dem Spieler permanente In-Game-Belohnungen durch das Ansehen von Streams verdienen können. Für die ersten zwei Wochen nach Release gibt es zudem 15 Prozent Rabatt auf alle Steam-Editionen.
Beta-Tester und Pre-Order-Kunden erhalten exklusive, permanente Items als Dankeschön für ihre Treue während der turbulenten Early-Access-Phase.
Wird sich die Situation beruhigen?
Battlestate Games hat bereits reagiert und mitgeteilt, dass die Situation mit der erhöhten Last auf die Datencenter größtenteils stabilisiert sei. Einige Nutzer könnten jedoch weiterhin auf verschiedene Fehler im Launcher und im Spiel stoßen.
Die Frage bleibt, ob sich die Steam-Bewertungen erholen werden, sobald die technischen Probleme vollständig behoben sind. Die positiven Reviews, die existieren, loben durchweg die Spannung, Immersion, den realistischen Shooter-Aspekt und den extremen Schwierigkeitsgrad – Escape From Tarkov gilt nach wie vor als der härteste Extraction Shooter auf dem Markt.
Für Battlestate Games steht viel auf dem Spiel. Nach so langer Entwicklungszeit könnte ein dauerhaft schlechter Start auf Steam der Zukunft des Franchise schaden – besonders in Zeiten, in denen Konkurrenten wie Arc Raiders und das kommende Marathon um dieselbe Zielgruppe buhlen.
Eines steht fest: Der Launch von Escape From Tarkov auf Steam wird als warnendes Beispiel in die Gaming-Geschichte eingehen, wie man es nicht machen sollte – selbst wenn das Spiel darunter eigentlich ein solider Hardcore-Shooter ist.