Erneute Entlassungen bei Build A Rocket Boy – CEO beschuldigt Spionage und Sabotage

Das schottische Spielestudio Build A Rocket Boy (BARB), bekannt als Entwickler des missglückten Action-Adventure-Spiels MindsEye, hat eine weitere Welle von Entlassungen bekanntgegeben. Co-CEO Mark Gerhard verkündete die Neuigkeit über einen LinkedIn-Post – und nutzte die Gelegenheit einmal mehr, um externe Kräfte für das Scheitern des Studios verantwortlich zu machen.

„Tief schmerzhaft“ – Gerhard verteidigt Entscheidung

In seinem Statement beschreibt Gerhard die Entlassungen als „zutiefst schmerzhafte Entscheidung“ und betonte, dass die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enorme Talente und Leidenschaft in das Projekt eingebracht hätten. „Die Menschen, die unser Team verlassen, haben enormes Talent, Leidenschaft und lange Arbeitsstunden in das investiert, woran wir glauben. Kollegen gehen zu lassen ist nie etwas, das ein Führungspersonal will“, schrieb Gerhard.

Gleichzeitig schob der Co-CEO die Verantwortung für die anhaltenden Probleme des Studios auf vermeintliche kriminelle Machenschaften rund um den Launch von MindsEye. Laut Gerhard hätten externe Partner und Rechtsberater über mehrere Monate hinweg die „kriminellen Aktivitäten“ rund um den Spielestart untersucht – und seien nun auf „überwältigende Beweise für organisierten Geheimdiensteinsatz und gezielten Unternehmenssabotage“ gestoßen. Da sich die Angelegenheit auf eine Strafverfolgung zubewege, könnten Details noch nicht öffentlich geteilt werden.

Ritual Network und die Verschwörungstheorie

Gerhards Anschuldigungen sind nicht neu. Bereits vor dem Launch von MindsEye im Jahr 2025 behauptete er, dass eine „konzertierte Aktion“ unbekannter Parteien versuche, das Spiel in ein schlechtes Licht zu rücken – inklusive Bot-Farmen mit negativen Kommentaren. In einem internen Meeting Ende Januar 2026, dessen Mitschnitt an die Öffentlichkeit gelangte, soll Gerhard laut Insider Gaming behauptet haben, man habe „die Typen, die MindsEye sabotiert haben“, identifiziert. Die Verantwortung wurde dabei einem britischen PR-Unternehmen namens Ritual Network zugeschrieben – einem vergleichsweise kleinen Unternehmen für TikTok- und YouTube-Creator aus Scunthorpe, England.

Gerhard behauptete außerdem, die Sabotage-Kampagne habe über eine Million Euro gekostet und involviere mehrere Influencer, drei Journalisten sowie ehemalige BARB-Mitarbeiter. Ritual Network selbst wies die Vorwürfe gegenüber Insider Gaming entschieden zurück: Man sei sich „keiner legitimen rechtlichen Schritte“ bewusst und habe „keinerlei Beweise“ für die behaupteten Verbindungen erhalten.

MindsEye: Das schlechteste Spiel des Jahres 2025

MindsEye war eines der meistdiskutierten Videospiel-Debüts des vergangenen Jahres – aus den falschen Gründen. Das Action-Adventure, das mit Leslie Benzies an der Spitze – ehemaliger Rockstar-Produzent und mitverantwortlich für mehrere Titel der Grand Theft Auto-Serie – hohe Erwartungen weckte, erhielt nach dem Launch vernichtende Kritiken. Metacritic-Wertungen sahen MindsEye als das am schlechtesten bewertete Spiel des Jahres 2025. GameSpot vergab lediglich 3 von 10 Punkten. Bemängelt wurden eine leere Spielwelt, eine schwache Story sowie massive technische Probleme und Bugs.

Kurz nach dem Launch entließ das Studio bereits über 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nun folgt die nächste Runde von Redundanzen – wie viele Personen diesmal betroffen sind, wurde nicht kommuniziert.

Mitarbeiter contra Führungsebene

Im Oktober 2025 veröffentlichten 93 aktuelle und ehemalige Mitarbeitende des Studios einen offenen Brief, koordiniert von der Gewerkschaft Independent Workers of Great Britain. Darin warfen sie Gerhard und Benzies „systemisches Fehlverhalten, Missmanagement und einen fehlerhaften Umgang mit dem Entlassungsprozess“ vor. Die betroffenen Entwicklerinnen und Entwickler berichten von monatelangem verpflichtenden Crunch mit bis zu acht Überstunden pro Woche sowie von Burnout, gesundheitlichen Problemen und einer Unternehmenskultur der Angst. Der ehemalige BARB-Analyst Ben Newbon fasste es deutlich zusammen: „Das Studio-Management hat sich entschieden, keine Verantwortung für das Scheitern des Spiels zu übernehmen und stattdessen Saboteure beschuldigt, als ob einzelne Mitarbeiter oder Online-Influencer das hätten verursachen können.“

Benzies in den Epstein-Akten erwähnt

Für weiteren Wirbel sorgte zuletzt die Enthüllung, dass Co-Gründer Leslie Benzies in den sogenannten Epstein-Akten namentlich erwähnt wird. Benzies selbst dementierte jegliche Verbindung: „Ich habe Jeffrey Epstein nie getroffen und war nie auf seiner Insel.“ Dennoch stellt dies einen weiteren PR-Tiefschlag für das ohnehin gebeutelte Studio dar. Ein YouTuber, der darüber berichtete, erhielt kurz darauf eine Androhung rechtlicher Schritte von Gerhard – nur 18 Minuten nach Veröffentlichung des Videos.

MindsEye wird weiterentwickelt – aber wie lange noch?

Trotz aller Turbulenzen arbeiten die verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter an MindsEye. Das Studio hat sich von Publisher IO Interactive getrennt und eine „neue Entwicklungsphase“ ausgerufen. Update 7 wurde auf allen Plattformen ausgerollt und brachte eine überarbeitete Markenidentität sowie Verbesserungen beim Kampagnenfluss, der Zielvorgaben-Klarheit und dem KI-Verhalten. Auf Steam zeigt das Spiel mittlerweile mehrheitlich positive Bewertungen – ein Zeichen dafür, dass die kontinuierliche Arbeit langsam Früchte trägt.

Ob die neuerlichen Entlassungen weitere Updates gefährden, bleibt offen. Build A Rocket Boy hat sich dazu bisher nicht geäußert. Die Zukunft des Studios – und von MindsEye – hängt mehr denn je in der Luft.

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