Epic Games erklärt KI-Strategie für Fortnite – Effizienz statt Jobabbau?

Fortnite

Epic Games hat öffentlich Stellung bezogen, wie das Unternehmen künftig KI-Tools in der Spieleentwicklung einsetzen will. Auf einem Panel bei der Gamescom Latam erklärte Stephanie Arnette, Senior External Development Manager für Fortnite, dass KI die Effizienz steigern soll – und betonte, dass Arbeitsplätze nicht gefährdet seien. Doch die Aussagen werfen Fragen auf, denn gleichzeitig experimentiert das Studio auch mit KI im kreativen Bereich.

Fortnite-Managerin: „Das Ziel ist, uns effizienter zu machen“

Die Diskussion um den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Spielebranche wird immer lauter geführt – und Epic Games steht als Entwickler des milliardenschweren Battle-Royale-Titels Fortnite regelmäßig im Zentrum dieser Debatte. Auf der Gamescom Latam sprach Arnette offen über die Pläne des Unternehmens.

„Epic hat verschiedene KI-Tools erforscht, die wir zur Unterstützung unserer Spiele einsetzen können“, sagte Arnette. „Ich weiß, die größte Angst aller ist: ‚Oh mein Gott, KI wird uns alle unsere Jobs wegnehmen.‘ Das ist nicht unser Ziel. Das Ziel ist, uns effizienter zu machen.“

Konkret nannte sie als Beispiel Aufgaben, für die ein Mitarbeiter zehn Stunden benötigt – und die durch KI-Unterstützung deutlich schneller erledigt werden könnten. Epic sieht KI demnach primär als Werkzeug zur Automatisierung zeitaufwendiger, repetitiver Arbeitsschritte, damit sich Entwickler auf kreativere und anspruchsvollere Aufgaben konzentrieren können.

KI auch im Kunst-Bereich – aber keine Details

Interessant wird es allerdings bei einem weiteren Punkt: Arnette gab zu, dass KI-Tools auch „im Kunst-Bereich“ erforscht werden. Details blieb sie schuldig. Der Einsatz von generativer KI in der Kunstproduktion ist das mit Abstand umstrittenste Thema in der Branche. Zahlreiche Spieler und Entwickler sprechen sich vehement gegen den Einsatz von KI-generierter Grafik, Stimmen und Texten aus.

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Laut einem Bericht von In Game News verfolgt Epic dabei eine strikte Linie bei der Kontrolle über die eigene technologische Infrastruktur. Arnette stellte klar, dass es keine Möglichkeit für externe Partner gebe, ihre eigenen KI-Tools in Epics Systeme einzubringen: „Es gibt wirklich keine Öffnung für einen Partner, seine KI-Infos oder -Tools in unsere einzubringen, weil es ein so massives, massives Unternehmen ist. Es würde also immer von unserer Seite nach außen gehen und nicht umgekehrt.“

Vorwürfe wegen KI-generierter Grafiken in Fortnite

Die Aussagen kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Im Dezember 2025 wurden Spieler misstrauisch, als im neuen Fortnite Chapter 7 verdächtig aussehende In-Game-Poster und Grafiken auftauchten. Ein Poster für den fiktiven Film „Mile High Retreat“ zeigte einen Yeti mit vier Zehen an einem Fuß und fünf am anderen – ein klassisches Anzeichen für KI-generierte Bilder. Die Community reagierte mit scharfer Kritik auf Reddit und anderen Plattformen.

Allerdings konnten zumindest einige der Vorwürfe widerlegt werden: Illustrator Sean Dove, ein langjähriger Freelancer für Fortnite, veröffentlichte seine Procreate-Ebenen auf Instagram und bewies damit, dass sein Artwork von Hand erstellt wurde. Epic Games bestritt die Vorwürfe generell und wies die Behauptungen zurück, generative KI für Art-Assets in Fortnite zu verwenden.

KI-Chatbot im Kundensupport und KI-NPCs in Fortnite

Auch wenn Epic die Nutzung von KI für Grafiken abstreitet – an anderer Stelle ist der Einsatz bereits Realität. Seit September 2025 setzt das Unternehmen einen KI-Chatbot im Kundensupport von Fortnite ein. Spieler müssen zuerst mit der KI interagieren, bevor sie einen menschlichen Mitarbeiter erreichen können.

Deutlich kontroverser wurde der Einsatz von KI-gesteuerten NPCs im Spielmodus Fortnite Lego Brick Life. Dort konnten Spieler mit zwei KI-Charakteren interagieren, die auf Fragen mit generierten Antworten reagierten. Einer davon war Darth Vader – mit einer KI-Stimme, die auf den Aufnahmen des 2024 verstorbenen Schauspielers James Earl Jones basierte.

Die Integration sorgte für erhebliche Kontroversen: Spieler fanden schnell Wege, den Chatbot dazu zu bringen, unangemessene Dinge in einer Stimme zu sagen, die der ikonischen Darth-Vader-Stimme nachempfunden war. Im Mai 2025 reichte die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA daraufhin eine Beschwerde wegen unlauterer Arbeitspraktiken beim National Labor Relations Board gegen Llama Productions ein, eine Tochtergesellschaft von Epic Games.

SAG-AFTRAs Argument: Epic habe die Arbeit von Gewerkschaftsmitgliedern durch KI ersetzt, ohne die Gewerkschaft darüber zu informieren oder Verhandlungen zu führen. Denn obwohl Jones‘ Familie der Nutzung seiner Stimme zugestimmt hatte, hätten in der Vergangenheit andere Synchronsprecher – allen voran Scott Lawrence – Darth Vader in Videospielen gesprochen. Die Gewerkschaft sah darin einen Verlust von Arbeitsplätzen für lebende Darsteller.

Neue KI-Gesprächssysteme für Fortnite-Entwickler

Epic treibt die KI-Integration derweil weiter voran. Im April 2026 stellte das Unternehmen ein neues experimentelles „Conversations“-System für den Unreal Editor for Fortnite (UEFN) vor. Damit können Entwickler KI-gesteuerte Charaktere erstellen, die eigenständig mit Spielern sprechen, reagieren und sogar Gameplay-Entscheidungen beeinflussen – alles ohne vorgefertigte Dialogbäume.

Das System nutzt Googles Gemini 3.1 Flash-Lite-Modelle für die Textgenerierung und ElevenLabs für die Sprachausgabe. Entwickler definieren lediglich die Persönlichkeit und das Wissen eines Charakters über einfache Prompts. Epic betont, dass Sicherheitsebenen über dem Modell liegen, um die Antworten im Einklang mit den Fortnite-Entwicklerregeln zu halten. Das Feature befindet sich aktuell noch in der experimentellen Phase – Inseln mit diesem System können noch nicht für Spieler veröffentlicht werden.

CEO Tim Sweeney gegen KI-Kennzeichnung auf Steam

CEO Tim Sweeney macht unterdessen keinen Hehl aus seiner KI-freundlichen Haltung. Ende 2025 kritisierte er Valves Pflicht zur KI-Kennzeichnung auf Steam öffentlich auf X (ehemals Twitter): „Das KI-Tag ist relevant für Kunstausstellungen zur Offenlegung der Urheberschaft und für digitale Content-Lizenzierungsmarktplätze. Für Game-Stores ergibt es keinen Sinn, wo KI an fast jeder zukünftigen Produktion beteiligt sein wird.“

Im Gegensatz zu Steam verlangt der Epic Games Store von Entwicklern keine Offenlegung von KI-Nutzung. Valve hingegen hat seine Richtlinien Anfang 2026 sogar weiter präzisiert: Entwickler müssen KI-generierte Inhalte in ihren Spielen offenlegen, wobei reine Produktivitäts-Tools von der Pflicht ausgenommen sind. Ein Valve-Entwickler konterte Sweeneys Haltung mit den Worten, nur diejenigen hätten Angst vor Transparenz, die wüssten, dass ihr Produkt „Low Effort“ sei.

Über 1.000 Entlassungen kurz zuvor

Die Aussagen zur KI-Effizienz bekommen einen bitteren Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass Epic Games erst im März 2026 über 1.000 Mitarbeiter entlassen hat – rund 20 Prozent der Belegschaft. CEO Sweeney begründete die Entlassungen mit rückläufigem Fortnite-Engagement seit 2025 und Ausgaben, die die Einnahmen deutlich überstiegen.

Sweeney betonte ausdrücklich, die Entlassungen hätten nichts mit KI zu tun: „Insofern sie die Produktivität steigert, wollen wir so viele großartige Entwickler wie möglich haben, die großartige Inhalte und Technik entwickeln.“ Betroffen von den Kürzungen waren unter anderem Harmonix und mehrere Fortnite-Spielmodi wie Rocket Racing, Ballistic und Festival Battle Stage, die eingestellt werden.

Nach den Entlassungen hat Epic Games noch rund 4.000 Mitarbeiter. Es war bereits die zweite große Entlassungswelle in drei Jahren – im September 2023 hatte das Unternehmen etwa 830 Stellen gestrichen.

Branchenweiter Trend: EA, Sony und andere setzen auf KI

Epic Games steht mit seinem KI-Kurs nicht allein. Electronic Arts drängt Berichten zufolge seine Entwickler ebenfalls dazu, KI-Tools in der Produktion zu nutzen – was intern für erheblichen Unmut sorgt. Sony-Manager lobten KI kürzlich als „Zukunft der Spieleentwicklung“ und kooperieren mit Bandai Namco im Bereich generativer KI.

Die Spielebranche steuert auf einen Scheideweg zu: Während Studios wie Larian (Baldur's Gate 3) und Publisher wie Hooded Horse generative KI für Art-Assets kategorisch ablehnen, wird sie bei Live-Service-Titeln wie Fortnite zunehmend zur stillen Konstante im Entwicklungsalltag. Die Frage, ob KI menschliche Entwickler ersetzt oder unterstützt, wird die Branche auch 2026 und darüber hinaus beschäftigen.

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