Elder Scrolls 6: Matt Booty bestätigt Fortschritte – Release dennoch fern

Es war ein zwiespältiger Tag für Xbox. Kurz nachdem die frisch ernannte CEO Asha Sharma in einer internen Mitteilung schwere Einschnitte beim Personal angekündigt hatte – und damit einen Großteil des Wohlwollens verspielte, das die Xbox Games Showcase am vergangenen Sonntag aufgebaut hatte -, tat Chief Content Officer Matt Booty das Einzige, was die Fans verlässlich ablenkt: Er sprach über The Elder Scrolls 6. Liest man jedoch zwischen den Zeilen des üblichen Konzern-Sprechs, der viel sagt, ohne etwas zu sagen, fällt das Fazit ernüchternd aus: Das lang ersehnte Rollenspiel von Bethesda Game Studios kommt so schnell nicht.

Booty äußert sich im Variety-Interview zu Elder Scrolls 6

In einem Interview mit dem US-Magazin Variety im Anschluss an die Showcase ging Booty auf mehrere heiße Eisen ein: die Rückkehr von Xbox zu echten Exklusivtiteln mit Gears of War: E-Day und Clockwork Revolution, das anstehende 25-jährige Konsolen-Jubiläum im November sowie seine Zusammenarbeit mit Sharma. Die spannendste Antwort kam erwartungsgemäß, als der Interviewer die unvermeidliche Frage nach The Elder Scrolls 6 und dessen erneutem Fehlen bei der Games Showcase stellte.

Elder Scrolls Online-Entwickler arbeitet an neuer IP Titel

Bootys Antwort im Wortlaut sinngemäß: Einer der schwierigsten Balanceakte in seinem Job sei es, einerseits der Welt all die coolen Dinge zeigen zu wollen, an denen man arbeitet, und die Leute früh zu begeistern – andererseits aber auf den richtigen Moment zu warten. Wenn man sich entscheide, ein Spiel zu zeigen, solle es das Beste sein, was man zu bieten habe. Zugleich gebe man den Fans damit ein Versprechen: dass das Spiel bald komme. Booty weiter: Er habe Bethesda persönlich besucht, mit Studiochef Todd Howard zusammengesessen und Elder Scrolls in Aktion gesehen – es sehe fantastisch aus und entwickle sich gut. Man werde es zum richtigen Zeitpunkt ankündigen und richtig enthüllen.

Was die Aussage wirklich bedeutet

Booty bestätigt damit vor allem, was wir ohnehin schon wussten: Das Spiel ist spielbar, und Bethesda arbeitet kontinuierlich daran. Bereits im März 2026 hatte Todd Howard gegenüber IGN erklärt, die Builds des Spiels liefen „durchgängig stabil“, und der Großteil des Studios sitze daran. Brisant ist jedoch die zweite Hälfte von Bootys Aussage: Xbox wolle das Spiel erst dann zeigen, wenn man den Fans gleichzeitig versprechen könne, dass es bald erscheine. Das Fehlen bei der Showcase bedeutet im Umkehrschluss: Dieser Zeitpunkt ist noch nicht erreicht.

So „spielbar“ das Spiel auch sein mag – es befindet sich offenbar nicht in einem Stadium, in dem sich der Konzern bei verbindlichen Versprechen wohlfühlt. Genau hier liegt die eigentliche Nachricht: Microsofts neue Philosophie, geprägt unter anderem durch die voreilige Ankündigung von 2018 und den Erfolg von Oblivion Remastered (das am selben Tag angekündigt und veröffentlicht wurde), lautet, Enthüllungen so lange zurückzuhalten, bis ein Spiel tatsächlich kurz vor dem Launch steht. Ein Auftritt auf einer Showcase 2026 würde im Kopf der Spieler eine Uhr starten – und genau das will Microsoft offenkundig noch nicht.

Acht Jahre Warten: die Chronologie

The Elder Scrolls 6 wurde am 11. Juni 2018 auf der E3 mit einem 36 Sekunden langen Trailer angekündigt, der kaum mehr zeigte als eine Berglandschaft und das Logo. Damit feierte der Teaser in dieser Woche sein achtjähriges Jubiläum – ohne dass seitdem ein weiteres offizielles Bild, ein Gameplay-Clip oder gar ein Release-Termin gefolgt wäre. Zur Einordnung: Zwischen Skyrim (2011) und der Ankündigung von Teil 6 lagen lediglich sieben Jahre.

Zeitpunkt Ereignis
11. Juni 2018 Ankündigung auf der E3 mit 36-Sekunden-Teaser
März 2024 Zum 30. Reihen-Jubiläum bestätigt Bethesda erste spielbare Builds
2025 Spiel erreicht spielbaren Zustand für interne Tests
September 2023 Start der Vollproduktion nach Release von Starfield
Februar 2026 Howard bestätigt Creation Engine 3 und „klassischen“ RPG-Stil
März 2026 Howard: Großteil des Studios arbeitet an TES6
Juni 2026 Erneut kein Auftritt bei der Xbox Games Showcase; Booty-Update

Ein oft übersehenes Detail: Die Vollproduktion begann erst, als Starfield im September 2023 ausgeliefert war. Die Jahre zuvor verbrachte Bethesda damit, Starfield fertigzustellen und seine Technik weiterzuentwickeln. Rechnet man von dort einen normalen AAA-Entwicklungszyklus von rund fünf Jahren, landet man konsequent bei einem Release um 2028.

Release-Fenster: Insider tippen auf 2028 oder 2029

Einen offiziellen Termin gibt es nicht. Howard betonte zuletzt lediglich, es werde noch „eine ganze Weile“ dauern – womit 2026 und 2027 faktisch ausgeschlossen sind. Brancheninsider wie Jez Corden und Reece Reilly verorten den Release übereinstimmend in einem Fenster zwischen 2028 und 2029. Selbst Gerichtsdokumente aus dem FTC-Verfahren gegen Microsoft von 2023 legten lediglich 2026 als absolute Untergrenze fest – ein Datum, das längst überholt ist.

Sollte sich das Spiel tatsächlich bis 2028 oder 2029 verschieben, lägen zwischen Skyrim (2011) und seinem Nachfolger mindestens 17 Jahre – einer der längsten Abstände zwischen zwei Hauptteilen einer großen Spielereihe überhaupt.

Creation Engine 3 und die Rückkehr zum klassischen Stil

Auf dem Kinda Funny Gamescast vom 18. Februar 2026 hatte Howard erstmals offiziell bestätigt, dass TES6 mit der neuen Creation Engine 3 entwickelt wird – einer Weiterentwicklung der Creation Engine 2, die noch in Starfield zum Einsatz kam. Die neue Version soll bessere Grafik, schnellere Ladezeiten und eine stabilere Entwicklung ermöglichen.

Bemerkenswert offen ordnete Howard dabei die letzten beiden Bethesda-Titel ein: Sowohl Fallout 76 als auch Starfield bezeichnete er als „kreativen Umweg“ abseits der klassischen Bethesda-Formel. Mit The Elder Scrolls 6 wolle man zu jenem klassischen Stil zurückkehren, den man mit Skyrim, Oblivion und Fallout 3 geprägt habe. Laut Howard arbeiten mittlerweile mehr als 250 Personen direkt oder über Partnerstudios an dem Projekt – darunter viele jener Entwickler, die einst Skyrim erschaffen haben.

Der „Xbox Reset“: Stellenstreichungen im Schatten der guten Nachricht

Was die TES6-Hoffnung überschattet, ist die Botschaft, die Sharma und Booty kurz zuvor an die Xbox-Belegschaft weltweit geschickt hatten – unheilvoll betitelt mit „Next 100 Days: Xbox Reset“ und öffentlich im Xbox-Blog veröffentlicht. Sie zeichnet ein düsteres Bild einer Sparte, die von Fehlinvestitionen, steigenden Bauteilpreisen und einem überdehnten Studiosystem belastet wird. Auch wenn das Wort nicht explizit fällt, ist die Botschaft klar: Es stehen harte Einschnitte bevor.

Laut einem Bericht von Bloomberg sollen die Stellenstreichungen Anfang Juli beginnen – kurz nach dem Ende von Microsofts Geschäftsjahr am 30. Juni. Es wäre bereits die zweite Kürzungsrunde, die Xbox binnen zwölf Monaten trifft: Im Juli 2025 hatte Microsoft konzernweit rund 9.000 Stellen gestrichen, die Gaming-Sparte inklusive. Das genaue Ausmaß ist noch unklar.

Kennzahl Angabe laut Memo / Berichten
Investitionen (5 Jahre, ohne Activision Blizzard) über 20 Milliarden US-Dollar in Content, Plattform und Hardware
Activision-Blizzard-Übernahme (separat) 69 Milliarden US-Dollar
Umsatzentwicklung (5 Jahre) Rückgang um knapp 500 Millionen US-Dollar pro Jahr
Accountability-Marge (Geschäftsjahr) rund 3 %, rückläufig zum Vorjahr
Speicher-/Bauteilkosten seit Herbst vervierfacht, weiterer Anstieg erwartet
Game Pass nach 8+ Monaten Rückgang wieder wachsend

Als Treiber der explodierenden Hardwarekosten nennt das Memo vor allem den KI-Boom: Die enorme Nachfrage nach spezialisierter Hardware und Speicherchips lässt die Preise steigen. Für die Feiertagssaison 2027 könnten die Bauteilkosten laut Memo mehr als das Fünffache des Wertes von vor zwei Jahren betragen. Die Folge: Xbox kann derzeit nicht genug Konsolen produzieren, um die Nachfrage zu decken. Für die nächste Konsolengeneration – intern unter dem Codenamen Project Helix geführt – brauche man deshalb ein neues Geschäftsmodell und neue Hardware-Partnerschaften.

Zur Person: Wer ist Asha Sharma?

Asha Sharma übernahm im Februar 2026 die Nachfolge von Phil Spencer, der nach 38 Jahren bei Microsoft seinen Rückzug ankündigte. Sharma war zuvor unter anderem COO bei Instacart und Produktmanagerin bei Meta und leitete bei Microsoft zuletzt die CoreAI-Produktorganisation. Trotz des harten Tons enthielt das Memo auch Lichtblicke: In ihren ersten 100 Tagen habe man mehr Plattform-Updates ausgeliefert als im gesamten Vorjahr, verzeichne so viele aktive Partner wie nie zuvor – und der Game Pass wachse nach über acht Monaten Rückgang wieder.

Was das für die TES6-Entwickler bedeutet

Es ist unwahrscheinlich, dass die anstehenden Kürzungen das Team treffen, das an The Elder Scrolls 6 arbeitet. Genauso unwahrscheinlich ist allerdings, dass in absehbarer Zeit ein Release-Termin verkündet wird. Bootys Worte lassen sich letztlich auf eine simple Formel herunterbrechen: Das Spiel läuft, sieht gut aus – aber bis es offiziell gezeigt wird, dürfte noch viel Zeit vergehen.

Überbrückung gefällig? Fatekeeper als Alternative

Wer die Wartezeit überbrücken möchte, hat seit Kurzem eine vielbeachtete Option: Fatekeeper, ein First-Person-Dark-Fantasy-Rollenspiel des 13-köpfigen deutschen Studios Paraglacial, veröffentlicht von THQ Nordic. Der Titel startete am 2. Juni 2026 in den Steam Early Access und wird in der Community wahlweise mit Skyrim oder dem Kult-Klassiker Dark Messiah of Might and Magic verglichen. Die Vollversion 1.0 ist rund 18 Monate nach dem Early-Access-Start geplant, also etwa gegen Ende 2027 – passend, um die Lücke bis zu Bethesdas nächstem großen Rollenspiel zu füllen.

Bis es bei The Elder Scrolls 6 so weit ist, bleibt Fans vorerst nur eines: der erste und bislang einzige Trailer – zum gefühlt millionsten Mal.

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