eBay lehnt ab – GameStops 56-Milliarden-Dollar-Übernahme gescheitert

Der Online-Marktplatz eBay hat das spektakuläre Übernahmeangebot von GameStop in Höhe von 56 Milliarden US-Dollar offiziell abgelehnt. Das Angebot sei „weder glaubwürdig noch attraktiv“, teilte eBay-Verwaltungsratschef Paul Pressler in einem öffentlichen Schreiben an GameStop-CEO Ryan Cohen mit. Damit endet – zumindest vorerst – einer der ungewöhnlichsten Übernahmeversuche der jüngeren Wirtschaftsgeschichte.

GameStops Vorstoß kam ohne Vorwarnung

Am 3. Mai 2026 legte GameStop ein unverbindliches Angebot für sämtliche eBay-Aktien vor. Der Preis: 125 US-Dollar je Aktie, jeweils zur Hälfte in bar und in GameStop-Stammaktien. Das entspricht einer Prämie von 46 Prozent gegenüber dem eBay-Schlusskurs vom 4. Februar 2026 – dem Tag, an dem GameStop begonnen hatte, heimlich eine Position bei eBay aufzubauen. Zum Zeitpunkt der Ankündigung hielt der Videospielehändler bereits rund fünf Prozent an eBay, aufgebaut über direkte Aktienkäufe und Derivate.

Besonders pikant: eBay erklärte, dass GameStop vor dem öffentlichen Angebot keinerlei Gespräche mit dem Online-Marktplatz geführt hatte. Die Offerte kam also völlig unangekündigt – ein in dieser Größenordnung höchst ungewöhnlicher Vorgang.

Die Finanzierungsfrage als zentrales Problem

Die größte Schwachstelle des Angebots war von Anfang an die Finanzierung. GameStop verfügte laut eigenen Angaben zum 31. Januar 2026 über rund 9,4 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln. Hinzu kam ein sogenannter „Highly-Confident Letter“ von TD Securities über bis zu 20 Milliarden US-Dollar an Fremdfinanzierung. Doch selbst zusammengenommen klafft eine erhebliche Lücke zum Gesamtvolumen von 56 Milliarden US-Dollar.

Erschwerend kommt hinzu: Die Finanzierungszusage von TD Securities war an die Bedingung geknüpft, dass das fusionierte Unternehmen ein Investment-Grade-Kreditprofil bei mindestens zwei der drei großen Ratingagenturen beibehält. Die Ratingagentur Moody's bewertete die geplante Übernahme jedoch als „kreditnegativ“ für eBay und schätzte, dass der Verschuldungsgrad des kombinierten Unternehmens auf das bis zu Neunfache des EBITDA ansteigen könnte – weit jenseits von Investment-Grade-Niveau.

Cohens desaströser CNBC-Auftritt

Für zusätzlichen Schaden sorgte Ryan Cohens Auftritt bei CNBC's „Squawk Box“ am 4. Mai. Auf konkrete Fragen zur Finanzierung reagierte der GameStop-CEO ausweichend und teils konfrontativ. Auf die wiederholte Nachfrage, wie die Finanzierungslücke geschlossen werden solle, antwortete Cohen lediglich: „Wir bieten halb bar, halb Aktien, und wir haben die Möglichkeit, Aktien auszugeben, um den Deal umzusetzen. Die Details stehen auf unserer Website.“

Das Interview ging in den sozialen Medien viral – allerdings nicht im positiven Sinne für GameStop. Analysten von Gordon Haskett verglichen das Übernahmeangebot anschließend mit einem „einseitigen Heiratsantrag“.

eBays sechs Ablehnungsgründe

In seinem Ablehnungsschreiben führte Verwaltungsratschef Paul Pressler sechs konkrete Faktoren auf, die zur Entscheidung geführt haben:

Nr. Ablehnungsgrund
1 eBays starke eigenständige Geschäftsaussichten
2 Erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit von GameStops Finanzierungsplan
3 Potenzielle Schäden für eBays langfristiges Wachstum und Profitabilität
4 Hohe Verschuldung und operationelle Risiken eines zusammengeführten Unternehmens
5 Fragwürdige Führungsstruktur der fusionierten Gesellschaft
6 Bedenken hinsichtlich GameStops Corporate Governance und CEO-Vergütungsstruktur

Pressler betonte zudem, dass eBay unter seinem aktuellen Management „gut positioniert ist, um nachhaltiges Wachstum voranzutreiben“. Das Unternehmen verwies auf seine 136 Millionen aktiven Nutzer und einen Umsatz von rund 11,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.

Cohens Vision – und warum sie nicht überzeugte

Ryan Cohen hatte große Pläne für die Fusion skizziert. GameStops rund 1.600 US-Filialen sollten als Authentifizierungs-, Annahme- und Fulfillment-Zentren für eBay-Bestellungen dienen sowie Hubs für Live-Commerce werden. Cohen versprach jährliche Kosteneinsparungen von zwei Milliarden US-Dollar im ersten Jahr und bot an, als CEO des fusionierten Unternehmens ohne Gehalt und ohne Boni zu arbeiten – seine Vergütung sollte ausschließlich an die Unternehmensperformance gekoppelt sein.

Außerdem kritisierte Cohen eBay-CEO Jamie Iannone scharf. Der Marketingaufwand sei unter dessen Führung aufgebläht worden, ohne dass ein Nutzerwachstum zu verzeichnen gewesen sei. In einem Podcast-Interview nach der Ablehnung verschärfte Cohen seinen Ton noch weiter und sagte, eBay müsse „wie auf Ozempic gesetzt werden“ und verglich das Unternehmen mit einem Patienten „kurz vor einem Herzinfarkt“.

Aktienkurse: GameStop verliert, eBay gewinnt

Die Börsenreaktion fiel eindeutig aus – allerdings nicht zugunsten von GameStop. Die Aktie des Videospielehändlers brach am 4. Mai, dem ersten Handelstag nach dem Angebot, um rund zehn Prozent ein. Nach der offiziellen Ablehnung am 12. Mai fiel der Kurs um weitere 3,1 Prozent auf 22,37 US-Dollar.

eBays Aktie legte dagegen zu und verzeichnete den dritten Gewinntag in Folge. Der Kurs liegt inzwischen über zwölf Prozent höher als noch vor 30 Tagen – wenngleich weit unter dem von Cohen angebotenen Preis von 125 US-Dollar je Aktie.

Bemerkenswert: Der bekannte Investor Michael Burry, vielen als Protagonist aus „The Big Short“ bekannt, verkaufte seine gesamte GameStop-Position am 5. Mai, nachdem die Details der Deal-Struktur öffentlich wurden. Auf Prognosemärkten wie Kalshi und Polymarket lag die geschätzte Erfolgswahrscheinlichkeit der Übernahme bei lediglich 21 bis 22 Prozent.

Feindliche Übernahme als nächster Schritt?

Trotz der klaren Absage hat Ryan Cohen angekündigt, nicht aufzugeben. „Je mehr eBay gegen mich kämpft, desto mehr… ich werde kein Nein als Antwort akzeptieren. Ich gehe nicht weg. Ich bin eine Nervensäge“, sagte er in einem Interview mit der Financial Times. Cohen hatte bereits vor der formellen Ablehnung angekündigt, das Angebot direkt an die eBay-Aktionäre zu richten – was faktisch eine feindliche Übernahme bedeuten würde.

GameStop hat seine Aktionäre zudem kürzlich aufgefordert, eine Erhöhung der genehmigten Stammaktien von einer Milliarde auf 2,5 Milliarden zu genehmigen. Das Unternehmen begründete dies mit der nötigen Flexibilität für Übernahmen, Kapitalbeschaffung und Restrukturierungen – ein deutlicher Hinweis darauf, dass Cohen die Geschichte noch nicht als beendet betrachtet.

Vom Meme-Stock zum Übernahmejäger

Die gesamte Saga lässt sich nur vor dem Hintergrund von GameStops außergewöhnlicher Geschichte verstehen. 2020 wurde das Unternehmen, das eigentlich vor dem Aus stand, zum berühmtesten Meme-Stock der Welt. Tausende Kleinanleger trieben den Kurs in astronomische Höhen. Ryan Cohen kaufte damals einen 12,9-Prozent-Anteil und wurde 2021 CEO – ohne Gehalt, dafür mit einem neunprozentigen Unternehmensanteil.

Seitdem verfolgt Cohen die Vision, GameStop in eine diversifizierte Holdinggesellschaft nach dem Vorbild von Berkshire Hathaway umzuwandeln. Kritiker bezeichneten das eBay-Angebot als weiteren Schachzug des „Meme-Königs“, der mehr auf öffentliche Aufmerksamkeit als auf wirtschaftliche Logik abzielt. So versteigerte Cohen nach der ersten Ablehnung demonstrativ GameStop-Produkte auf eBay – ein Marketingstunt, der viele Beobachter in ihrer Skepsis bestärkte.

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