Nintendo hat mit der Kostümierung in Super Mario Odyssey neue Maßstäbe gesetzt. Die Erwartungen an das Nachfolge-Feature in Donkey Kong Bananza waren entsprechend hoch. Nach 30 Stunden im neuesten Abenteuer des Primaten steht fest: Die Fashion-Mechanik bleibt weit hinter ihrem Potenzial zurück.
Der erste Eindruck täuscht
Der Einstieg verspricht Großes. Im ersten Style Shop der Lagoon Layer präsentiert sich die Treasure Tie als spielerisch sinnvolle Ergänzung: Das bananengeschmückte Accessoire erhöht die Chance auf versteckte Schätze – ein cleverer Bonus für Completionists. Kombiniert mit funktionalen Schwimmhosen, die DKs Geschwindigkeit im Wasser steigern, entsteht zunächst der Eindruck eines durchdachten Customization-Systems.
Doch dieser positive Ersteindruck verblasst schnell. Die Treasure Tie erweist sich nicht nur als nützlichstes, sondern praktisch als einziges wirklich relevantes Kleidungsstück im gesamten Spiel. Ein Problem, das symptomatisch für die verpasste Chance des gesamten Style-Systems steht.
Funktionalität über Kreativität
Während Super Mario Odyssey mit ikonischen Outfits wie dem polygonalen Mario 64-Anzug Gaming-Nostalgie zelebrierte, beschränkt sich Bananza auf uninspirierte Stat-Boosts. Eine Apfel-Krawatte erhöht die Heilwirkung von Äpfeln – in einem Spiel, das ohnehin keine nennenswerte Herausforderung bietet. Unsichtbarkeits-Features bleiben ohne taktischen Nutzen, da die KI-Gegner selten ausgeklügelte Strategien erfordern.
Besonders enttäuschend: Paulines Outfit-Effekte fokussieren sich ausschließlich auf die Verlängerung der Bananza-Formen. Ein überflüssiger Bonus, bedenkt man die bereits großzügige Standarddauer und die Möglichkeit des freien Wechsels zwischen den Transformationen.

Das Fossil-Dilemma
Die Problematik setzt sich beim Währungssystem fort. Wo Super Mario Odysseys Purple Coins durch cleveres Level-Design glänzten – versteckt in scheinbar unerreichbaren Winkeln, belohnend für explorative Spieler – degradiert Bananza das Sammeln zur stumpfen Routine. Fossilien finden sich primär durch wahlloses Zerstören der Umgebung. Was anfangs als befriedigende Power-Fantasy funktioniert, wird schnell zur repetitiven Pflichtübung.
Die schiere Menge an Fossilien unterminiert zusätzlich jeden Anreiz zum gezielten Suchen. Wenn die Währung im Überfluss vorhanden ist und die Belohnungen enttäuschen, verliert das gesamte Progressionssystem seinen Reiz.
Verpasstes Crossover-Potenzial
Nintendo sitzt auf einem Schatz an ikonischen Charakteren und Franchises. Die Möglichkeiten für Fan-Service wären endlos: Ein Link-Tunic für DK, Mario-Overalls, oder auch nur die Option, den Gorilla in Boxershorts herumtollen zu lassen. Stattdessen serviert uns Bananza eine Kollektion generischer Krawatten und Hosen, die weder visuell noch spielerisch überzeugen.
Diese kreative Zurückhaltung überrascht besonders vor dem Hintergrund von Nintendos jüngsten Experimenten mit Franchise-Crossovers in Titeln wie Mario Kart 8 Deluxe oder Super Smash Bros. Ultimate.
Lehren für die Zukunft
Donkey Kong Bananza demonstriert eindrucksvoll, wie ein vielversprechendes Feature durch mangelnde Vision scheitern kann. Für das nächste 3D-Mario-Abenteuer – und die Gaming-Community wartet sehnsüchtig – sollte Nintendo folgende Lektionen beherzigen:
Style-Optionen müssen primär Spaß machen, nicht zwanghaft mit Gameplay-Mechaniken verknüpft sein. Die besten Kostüme in Odyssey waren jene ohne praktischen Nutzen – sie dienten ausschließlich dem visuellen Vergnügen und der Selbstexpression.
Die Balance zwischen Funktion und Fashion muss stimmen. Wenn überhaupt Stat-Boosts integriert werden, dann solche, die das Spielerlebnis fundamental verändern, nicht marginal optimieren.
Fazit: Style ohne Substance
Donkey Kong Bananza bleibt ein solides Collectathon mit bewährter Nintendo-Qualität. Doch das Style-System repräsentiert eine vertane Chance, dem Genre neue Impulse zu verleihen. Nach 30 Stunden in derselben Treasure Tie bleibt die Erkenntnis: Manchmal ist weniger mehr – aber hier wäre definitiv mehr nötig gewesen.
Die Fashion-Features in Bananza fühlen sich an wie ein halbherziger Versuch, an Odysseys Erfolg anzuknüpfen, ohne dessen Kern zu verstehen. Nintendo hat bewiesen, dass sie es besser können. Hoffen wir, dass sie diese Lektion für Marios nächstes Abenteuer beherzigen. Die Community ist bereit für ein Fashion-System, das diesen Namen verdient.