Der spektakuläre Erfolg des episodischen Adventure-Games Dispatch hat die Entwickler von AdHoc Studio dazu veranlasst, ernsthaft über eine zweite Staffel nachzudenken. In einem kürzlich geführten Interview im „Friends Per Second“ Podcast von SkillUp bestätigte Pierre Shorette, Co-Founder und Chief Creative Officer des Studios, dass eine Fortsetzung nun definitiv im Bereich des Möglichen liegt.
Millionenerfolg beflügelt Season 2-Pläne
„Wir werden jetzt zumindest über Season 2 nachdenken müssen“, erklärte Shorette im Podcast. Diese Aussage erfolgte als direkte Reaktion auf den überwältigenden Erfolg des Spiels, das seit seinem Launch am 22. Oktober 2025 die Gaming-Community im Sturm erobert hat. Bereits in den ersten zehn Tagen nach Veröffentlichung verkaufte sich Dispatch über eine Million Mal auf Steam und PlayStation 5 – eine beeindruckende Leistung für ein unabhängiges Studio.
Der Industrie-Veteran war jedoch vorsichtig, keine konkreten Zusagen zu machen. Noch vor drei Wochen sei Season 2 ein „Fragezeichen“ gewesen, doch die außergewöhnlichen Verkaufszahlen und die enthusiastische Resonanz der Spieler haben die Situation grundlegend verändert. Allerdings befinde sich das Projekt derzeit nicht in aktiver Entwicklung, und Shorette machte deutlich, dass eine eventuelle zweite Staffel frühestens in einigen Jahren erscheinen würde.
Critical Role-Partnerschaft als nächstes Projekt
Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung bezüglich Season 2 ist das bereits angekündigte Projekt des Studios: Ein Videospiel, das in der Welt von Exandria aus dem Critical Role-Universum angesiedelt sein wird. Diese Partnerschaft zwischen AdHoc Studio und Critical Role Productions wurde im Juli 2025 offiziell bekannt gegeben und entstand auf organische Weise, als Critical Role CEO Travis Willingham für eine Sprechrolle in Dispatch vorsprach.
„Das ist die Art von Kollaboration, auf die man hofft“, kommentierte Michael Choung, CEO von AdHoc Studio. „Wir kennen das Critical Role-Team seit Jahren, und als wir endlich anfingen, Ideen auszutauschen, hat einfach alles gepasst.“ Das Exandria-Spiel soll den gleichen innovativen Ansatz für interaktives Storytelling verfolgen, der Dispatch auszeichnet, befindet sich aber noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase.
Außergewöhnliche Kritiker- und Spieler-Resonanz
Die Begeisterung für Season 2 ist mehr als verständlich: Dispatch hält aktuell auf Steam „äußerst positive“ Bewertungen mit 93% positiven Reviews von über 21.300 Spielern. Auf Metacritic erreicht das Spiel einen User Score von 9,3, und im PlayStation Store glänzt es mit einer rekordverdächtigen Bewertung von 4,95 von 5 Sternen. Diese Zahlen positionieren Dispatch unter den am besten bewerteten Spielen des Jahres 2025.
„Es fühlt sich immer etwas seltsam an, wenn die Zahlen so groß werden, dass man darüber sprechen muss“, sagte Michael Choung in einer offiziellen Stellungnahme. „Vor einer Woche waren wir genauso begeistert, Let's Plays und Reaktionsvideos zu schauen. Aber solche Meilensteine sind wichtig. Sie bedeuten, dass AdHoc in der Lage sein wird, mehr story-getriebene episodische Originale zu machen, und wir hoffen, dass es für andere Entwickler einfacher wird, dasselbe zu tun.“
Telltale-Erbe mit modernem Twist
AdHoc Studio wurde 2018 von ehemaligen Telltale Games-Veteranen gegründet, darunter Michael Choung, Nick Herman, Dennis Lenart und Pierre Shorette. Das Team war die kreative Kraft hinter einigen der erfolgreichsten Telltale-Titel wie „The Walking Dead“, „The Wolf Among Us“ und „Tales from the Borderlands“. Mit Dispatch wollten sie das Genre der narrativen Adventure-Games ins moderne Zeitalter führen.
Das episodische Format von Dispatch unterscheidet sich jedoch erheblich von der klassischen Telltale-Herangehensweise. Statt monatelanger Wartezeiten zwischen den Episoden veröffentlicht AdHoc Studio wöchentlich zwei neue Episoden. Die ersten beiden erschienen am 22. Oktober, gefolgt von weiteren Paaren am 29. Oktober und 5. November. Das große Finale mit den Episoden 7 und 8 ist für den 12. November 2025 geplant.
Diese Veröffentlichungsstrategie deutet darauf hin, dass das episodische Format eher eine Marketing-Entscheidung als eine entwicklungstechnische Notwendigkeit war. Die einwöchigen Abstände zwischen den Releases sind viel zu kurz, um neue Inhalte zu entwickeln – ein klares Zeichen dafür, dass die meisten Episoden bereits vor dem Launch fertiggestellt waren. Diese Vorgehensweise erzeugt jedoch eine TV-Serie-ähnliche Atmosphäre, die Spieler Woche für Woche bei der Stange hält und intensive Community-Diskussionen anregt.
Star-besetztes Ensemble begeistert
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die hochkarätige Besetzung. Aaron Paul, bekannt aus „Breaking Bad“ und „Bojack Horseman“, gibt sein großes Videospiel-Debüt als Protagonist Robert Robertson alias Mecha Man. Paul verbrachte zwei Jahre mit der Aufnahme seiner Dialoge, um alle möglichen Story-Verzweigungen abzudecken – sein Engagement zeigt sich in jeder Szene.
Begleitet wird er von Oscar-nominiertem Jeffrey Wright als Chase/Track Star, BAFTA-Preisträgerin Laura Bailey als Teil der Critical Role-Crew sowie bekannten Content Creators wie Jacksepticeye (Seán McLoughlin), MoistCr1TiKaL (Charlie White), Alanah Pearce und Joel Haver. Diese einzigartige Mischung aus Hollywood-Talent, Gaming-Ikonen und YouTube-Stars trägt maßgeblich zum Charme des Spiels bei.
Superhelden-Arbeitsplatz-Komödie mit Herz
Dispatch wird als „Superhelden-Arbeitsplatz-Komödie“ beschrieben und spielt im modernen Los Angeles. Spieler übernehmen die Rolle von Robert Robertson, einem Superhelden der dritten Generation ohne Superkräfte, dessen charakteristische Mecha-Anzug in einem Kampf gegen seinen Erzfeind zerstört wurde. Um die Reparatur finanzieren zu können, muss er einen Job beim Superhero Dispatch Network (SDN) annehmen – nicht als Held, sondern als Dispatcher.
Seine Aufgabe: Ein dysfunktionales Team ehemaliger Superschurken zu managen, die im Phoenix-Programm eine zweite Chance als Helden suchen. Das Spiel balanciert geschickt zwischen humorvoller Büro-Dynamik und emotionaler Tiefe. „Das begann als ‚Was wäre, wenn The Office auf The Avengers trifft'“, erklärte Writer Pierre Shorette.
Das Gameplay kombiniert narrative Entscheidungen mit einem strategischen Management-System. Spieler müssen Heroes zu Einsätzen in Los Angeles schicken, wobei sie deren individuelle Fähigkeiten, Cooldowns und Persönlichkeitsmerkmale berücksichtigen müssen. Hinzu kommen Hacking-Minigames und Quick-Time-Events, die jedoch deaktiviert werden können – ein bewusster Schritt in Richtung Barrierefreiheit.
Vom gescheiterten TV-Projekt zum Gaming-Hit
Interessanterweise war Dispatch ursprünglich als Live-Action-TV-Projekt geplant, inspiriert von ESPNs „This Is SportsCenter“-Werbekampagnen. Die COVID-19-Pandemie führte jedoch zur Einstellung des Projekts. Nach einer Pause, in der das Studio an anderen Titeln wie „The Wolf Among Us 2“ arbeitete, wurde das Konzept schließlich als Videospiel wiederbelebt.
Diese Umstellung erwies sich als Glücksfall. Die interaktive Natur des Mediums erlaubt es den Spielern, nicht nur passive Zuschauer zu sein, sondern aktiv Roberts Schicksal und seine Beziehungen zu Charakteren wie Blonde Blazer (seiner Chefin), Chase (einem alten Familienfreund) und den Mitgliedern des Z-Teams zu formen. Jede Entscheidung hat spürbare Konsequenzen für die sich entfaltende Erzählung.
Revival des narrativen Gaming
Der Erfolg von Dispatch markiert ein bemerkenswertes Revival story-getriebener Games in der Post-Telltale-Ära. Nach dem abrupten Ende von Telltale Games im Jahr 2018 – das Studio musste 250 Mitarbeiter ohne Abfindung entlassen – galt das episodische Format als gescheitert. Lange Wartezeiten zwischen Episoden, aufgeblähte Budgets und eine veraltete Engine hatten Fans verprellt.
AdHoc Studio lernte aus diesen Fehlern. Sie setzten auf moderne Technologie statt der alten Telltale Tool Engine und liefern gestochen scharfe, handgezeichnete Animationen, die auf dem Tribeca Festival 2025 gefeiert wurden. Die wöchentlichen Releases halten die Spannung aufrecht, ähnlich wie beim Binge-Watching einer Netflix-Serie. Forschungen zeigen, dass Spieler episodische Games verlassen, wenn die Abstände drei Wochen überschreiten – Dispatch umgeht dieses Problem elegant.
Game of the Year-Kandidat
Kritiker und Spieler sind sich einig: Dispatch ist ein ernstzunehmender Kandidat für Game of the Year 2025. „Zwischen seiner überzeugenden Erzählweise, fesselnden Charakteren und vielschichtigen Management-Mechaniken entwickelt sich Dispatch zu einem der faszinierendsten narrativen Titel, die ich je gespielt habe“, schrieb Steam Deck HQ in einer 5/5-Sterne-Bewertung.
GAMINGbible vergab sogar 100 von 100 Punkten: „Dies entwickelt sich zu einem der besten Spiele, die ich je gespielt habe. AdHoc Studio hat es in allen Bereichen perfekt hinbekommen. Dispatch bietet fesselndes Storytelling, amüsanten Humor, perfekte Cast-Performances und wunderschöne Animation.“
Die Demo, die am 29. Mai 2025 veröffentlicht wurde, erhielt bereits überwältigend positive Resonanz und wurde beim Tribeca Festival 2025 featured. Diese frühe Begeisterung setzte sich nahtlos in den offiziellen Launch fort.
Community diskutiert intensiv
Die wöchentliche Release-Strategie hat eine lebendige Community geschaffen, die nach jeder Episode intensiv über Entscheidungen, Charakterentwicklungen und mögliche Ausgänge diskutiert. Critical Role erstellte sogar ein spezielles Tabletop-One-Shot basierend auf Dispatch, das in der Burbank-Zweigstelle des SDN spielt und die Welt des Games erweitert.
Auf Reddit, Discord und in sozialen Medien tauschen sich Fans über ihre unterschiedlichen Spielerfahrungen aus. Manche müssen schwierige Entscheidungen zwischen Charakteren treffen, andere erkunden romantische Storylines oder versuchen, das perfekte Team-Management zu erreichen. Diese Vielfalt an Erfahrungen zeigt die Stärke des entscheidungsbasierten Gameplay-Systems.
Technische Performance überzeugt
Dispatch läuft sowohl auf PlayStation 5 als auch auf PC via Steam einwandfrei. Besonders hervorzuheben ist die vollständige Verifizierung für Steam Deck, wo das Spiel mit gesperrten 60 FPS läuft und die Benutzeroberfläche perfekt auf kleinere Bildschirme skaliert. Dies erweitert die potenzielle Zielgruppe erheblich und ermöglicht es Spielern, die Episoden unterwegs oder auf Reisen zu genießen.
Einige PC-Spieler berichteten von kleineren technischen Problemen wie Screen Tearing trotz aktiviertem V-Sync und gelegentlichen Audio-Desynchronisations-Problemen während intensiver Action-Sequenzen. Diese Bugs beeinträchtigen jedoch das Gesamterlebnis nur minimal.
Zukunftsaussichten und Expansion
Neben der möglichen Season 2 und dem Critical Role-Spiel gibt es weitere Expansionspläne. Die Partnerschaft mit Critical Role umfasst nicht nur Videospiele, sondern auch Merchandise, Tabletop-Gaming und eine geplante Animationsserie. Travis Willingham von Critical Role äußerte sogar die Hoffnung, dass Amazon MGM Studios – mit denen Critical Role einen First-Look-Deal hat – an einer Adaption von Dispatch als animierte Serie interessiert sein könnte.
Die kommerzielle Viabilität von Dispatch könnte zudem eine breitere Renaissance episodischer Spiele einläuten. Wenn kleinere Studios sehen, dass hochwertige narrative Erfahrungen mit überschaubaren Budgets und starkem Voice-Casting erfolgreich sein können, könnte dies eine neue Welle ähnlicher Projekte auslösen.
Geduld ist gefragt
Während Fans bereits lautstark nach mehr Inhalten verlangen, bleibt abzuwarten, ob und wann eine zweite Staffel tatsächlich Realität wird. Die modernen Entwicklungszyklen sind lang, und AdHoc Studio hat bereits ein weiteres großes Projekt in der Pipeline. Die Wahrscheinlichkeit, dass Dispatch Season 2 in den nächsten Jahren erscheint, ist – realistisch betrachtet – gering.
Dennoch hat Shorettes Aussage die Hoffnung der Community beflügelt. Mit über einer Million verkauften Exemplaren, überwältigend positiven Reviews und einer engagierten Fanbase hat Dispatch bewiesen, dass der Hunger nach qualitativ hochwertigen narrativen Spielen größer ist denn je. Das Finale von Season 1 erscheint am 12. November 2025 – und dann wird sich zeigen, welche Story-Fäden für eine mögliche Fortsetzung offen bleiben.
Dispatch ist auf Steam und PlayStation 5 zum Preis von 26,99 Euro erhältlich. Eine Digital Deluxe Edition mit Artbook, Comics und Soundtrack kostet 35,99 Euro. Alle acht Episoden sind im Kaufpreis enthalten und werden automatisch freigeschaltet, sobald sie veröffentlicht werden.