Den of Wolves: Massive Entlassungen bei 10 Chambers

Das Stockholmer Indie-Studio 10 Chambers hat Mitte Februar 2026 eine „signifikante Umstrukturierung“ bestätigt, die mit dem Abbau einer „großen Anzahl“ von Arbeitsplätzen einhergeht. Besonders brisant: Selbst mehrere Mitgründer des Studios sind von den Entlassungen betroffen. Die Nachricht trifft die Gaming-Branche zu einem Zeitpunkt, an dem Stellenstreichungen bei Entwicklerstudios weltweit an der Tagesordnung sind – und wirft gleichzeitig Fragen über die Zukunft des ambitionierten Cyberpunk-Heist-Shooters Den of Wolves auf.

Bereits am 13. Februar machten mehrere betroffene Mitarbeiter ihren Jobverlust auf LinkedIn öffentlich. Ein Entwickler kommentierte die Situation mit den Worten, dass eine Entlassung nicht auf seiner „2026 Bingo Card“ gestanden habe. Kurz darauf bestätigte 10 Chambers die Entlassungswelle in einem offiziellen Statement gegenüber Game Developer und weiteren Fachmedien.

„Wir können bestätigen, dass wir genau prüfen, wie wir arbeiten und wie das Studio aufgestellt ist, damit Den of Wolves das Spiel werden kann, das es verdient hat. Das bedeutet leider eine signifikante Umstrukturierung des Studios, die eine große Anzahl von Positionen betrifft – einschließlich mehrerer Mitgründer des Studios.“

– 10 Chambers, offizielles Statement

Mitgründer Hjalmar Vikström verlässt das Studio nach einem Jahrzehnt

Der bislang einzige namentlich bekannte Mitgründer, der seinen Abschied öffentlich verkündete, ist Hjalmar Vikström, ehemaliger Chief Development Officer von 10 Chambers. In einem LinkedIn-Post erklärte er, er habe dem Unternehmen, das er mitgegründet und fast ein Jahrzehnt lang mitaufgebaut hat, „letzte Woche Lebewohl gesagt“. Vikström gab an, er wolle künftig Indie-Spiele in kleinerem Rahmen entwickeln und sich stärker auf seine Gesundheit und Familie konzentrieren.

Vikström blickte dabei auch auf die gemeinsame Zeit zurück und betonte, dass die Entwicklung von Spielen hart sei und die vergangenen Jahre ihren Tribut gefordert hätten. Gleichzeitig zeigte er sich stolz auf die Leistung des Teams – von der Early-Access-Veröffentlichung von GTFO mit einem Team von nur neun Personen bis zur finalen Version GTFO 1.0 mit einem deutlich größeren Team.

Laut einer Analyse von PC Gamer deutet das offizielle Statement darauf hin, dass neben Vikström möglicherweise ein halbes Dutzend weiterer Mitgründer das Unternehmen verlassen mussten. 10 Chambers wurde 2015 von mehreren ehemaligen Entwicklern hinter Payday und Payday 2 gegründet und hatte entsprechend eine vergleichsweise große Zahl an Co-Foundern. Eine genaue Zahl der Entlassungen nannte das Studio nicht.

Ulf Andersson und Simon Viklund bleiben an Bord

In seinem Statement betonte 10 Chambers ausdrücklich, dass Creative Director Ulf Andersson und Komponist Simon Viklund – beide ebenfalls Mitgründer – dem Projekt und dem Studio weiterhin „vollständig verpflichtet“ bleiben. Andersson gilt als kreatives Mastermind hinter dem Studio und war federführend bei der Entwicklung der originalen Payday-Spiele. Viklund wiederum ist bekannt für seine markanten Soundtracks, die bereits die Payday-Reihe prägten.

Die Umstrukturierung wird vom Studio als „struktureller Neustart“ gerahmt und nicht als Richtungsänderung für Den of Wolves. Das Unternehmen erklärte, man wolle sich aus Respekt gegenüber den betroffenen Personen nicht zu individuellen Situationen äußern.

Den of Wolves: Cyberpunk-Heist-Shooter ohne Release-Datum

Den of Wolves wurde erstmals bei den Game Awards im Dezember 2023 angekündigt und stellt eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber GTFO dar. Das Spiel versetzt Spieler in die Rolle von Söldnern in Midway City, einer dystopischen Metropole im späten 21. Jahrhundert, in der Megakonzerne die Regeln diktieren. In Viererteams müssen Spieler kooperativ Raubzüge planen und durchführen – inspiriert vom Payday-Konzept, aber in einem Science-Fiction-Setting mit fortschrittlicher Technologie und KI-gesteuerten Sicherheitssystemen.

Auf der GDC 2025 konnten ausgewählte Medienvertreter erstmals Hand an das Spiel legen. Die Previews fielen positiv aus und betonten, dass 10 Chambers die Payday-Formel überzeugend weiterentwickelt habe. Allerdings befand sich das Projekt noch in der zweiten Jahreshälfte 2025 im Pre-Alpha-Stadium – ein Begriff, der von frühen Prototypen bis hin zu fortgeschritteneren Builds ohne finalen Content reichen kann.

Ein Release-Datum hat 10 Chambers bislang bewusst nicht kommuniziert. Communications Director Robin Björkell erklärte im Dezember 2025, dass das Studio aus den Erfahrungen mit den mehrfachen Verschiebungen von GTFO gelernt habe und keine Termine nennen wolle, die es nicht einhalten kann. Geplant ist wie bei GTFO eine Veröffentlichung über Steam Early Access, die als erweiterte Beta-Phase dienen soll.

10 Chambers – Zeitstrahl

  • 2015: Gründung in Stockholm durch ehemalige Payday-Entwickler
  • Dezember 2017: GTFO-Ankündigung bei den Game Awards
  • Dezember 2019: GTFO erscheint im Early Access auf Steam
  • Oktober 2020: Tencent erwirbt bedeutenden Anteil am Studio
  • Dezember 2021: GTFO Version 1.0 veröffentlicht
  • Dezember 2023: Den of Wolves bei den Game Awards angekündigt
  • Februar 2024: Erste kleinere Umstrukturierung (5 Stellen gestrichen)
  • Oktober 2025: 10-jähriges Jubiläum mit Doku-Kurzfilm und Charity-Stream
  • Februar 2026: Massive Entlassungen einschließlich mehrerer Mitgründer

Tencent-Investment und das Wachstum des Studios

Ein wesentlicher Faktor in der Entwicklung von 10 Chambers war das strategische Investment des chinesischen Tech-Giganten Tencent, der im Oktober 2020 einen „bedeutenden Anteil“ am Studio erwarb. Die Investition ermöglichte es 10 Chambers, von einem kleinen Team von rund zehn Entwicklern, die teils von zu Hause arbeiteten, auf etwa 100 Mitarbeiter zu wachsen. Das Studio bezog daraufhin neue Büroräume im ehemaligen Gebäude der Königlichen Technischen Hochschule in Stockholm.

Trotz der finanziellen Unterstützung durch Tencent entwickelt 10 Chambers Den of Wolves ohne Publisher. Das Studio bezeichnete sich selbst als „zu Auteur“ für einen klassischen Publishing-Deal – ein Ansatz, der kreative Freiheit sichert, aber auch die finanziellen Risiken vollständig beim Studio belässt.

Dokumentation der eigenen Entwicklung: „Do the Game“

Parallel zur Spielentwicklung arbeitet 10 Chambers seit rund fünf Jahren an einer achtteiligen Doku-Reality-Serie namens „Do the Game“, die den Entwicklungsprozess von Den of Wolves begleiten soll. Die Serie verspricht einen ungeschönten Einblick in die Herausforderungen moderner Spieleentwicklung – von kreativen Durchbrüchen bis zum enormen Druck, dem Teams ausgesetzt sind. Angesichts der aktuellen Entlassungswelle dürfte diese Dokumentation nun eine besonders brisante Dimension erhalten.

Teil einer branchenweiten Krise

Die Entlassungen bei 10 Chambers reihen sich in eine besorgniserregende Serie von Stellenstreichungen in der Gaming-Industrie ein. Allein seit Anfang 2026 haben zahlreiche Studios und Publisher Entlassungen angekündigt: Meta schloss mehrere VR-Spielestudios, Ubisoft strich sechs Projekte und strukturierte massiv um, Starbreeze – ironischerweise das ehemalige Studio der 10-Chambers-Gründer – kündigte bereits die zweite Entlassungswelle innerhalb weniger Monate an. Auch Wildlight Entertainment musste nur 16 Tage nach dem Launch von Highguard den Großteil des Teams entlassen.

Für 10 Chambers ist es bereits die zweite Verkleinerung innerhalb von zwei Jahren, nachdem im Februar 2024 in einer kleineren Umstrukturierung fünf Positionen gestrichen worden waren. Die aktuelle Entlassungswelle ist jedoch deutlich umfangreicher und signalisiert tiefgreifendere Veränderungen in der Studiostruktur.

Wie es mit Den of Wolves weitergeht

Unklar bleibt, welche konkreten Auswirkungen die Umstrukturierung auf den Entwicklungsfortschritt von Den of Wolves haben wird. Das Spiel hat laut Mitgründer Oscar J-T Holm bereits über 500.000 Wishlists auf Steam gesammelt – ein Zeichen für das hohe Interesse der Community. Gleichzeitig hat GTFO laut Gamalytic-Daten bis Anfang 2026 rund drei Millionen Exemplare auf Steam verkauft, was die Erwartungshaltung an den Nachfolger zusätzlich steigert.

10 Chambers hat zugesichert, dass weitere konkrete Neuigkeiten zu Den of Wolves über die offiziellen Kanäle kommuniziert werden. Ob der Cyberpunk-Heist-Shooter trotz der internen Turbulenzen sein Potenzial entfalten kann, wird sich zeigen. Die Spieler-Community beobachtet die Lage mit einer Mischung aus Hoffnung und Sorge – denn die Vision hinter Den of Wolves klingt nach wie vor vielversprechend, auch wenn der Weg dorthin steiniger geworden ist.

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