Code Violet PS5 Test: Dino-Horror mit großen Schwächen

Seit Capcom die Dino-Crisis-Reihe 2003 auf Eis gelegt hat, warten Fans sehnsüchtig auf eine Wiederbelebung des Survival-Horror-Klassikers mit prähistorischen Kreaturen. Das amerikanische Indie-Studio TeamKill Media wollte mit Code Violet diese Lücke füllen und präsentiert einen PS5-exklusiven Third-Person-Shooter, der Dinosaurier-Horror mit Science-Fiction-Elementen verbindet. Nach mehrfachen Verschiebungen ist das Spiel nun endlich erschienen – doch kann es die hochgesteckten Erwartungen erfüllen?

Die Handlung von Code Violet spielt im 25. Jahrhundert. Eine Katastrophe hat die Erde unbewohnbar gemacht, und die Überlebenden der Menschheit haben sich auf dem Planeten Trappist 1-E niedergelassen. Das Problem: Die Kolonisten sind steril und können keine Kinder bekommen. Die Lösung des Aion-Konsortiums ist ebenso verzweifelt wie moralisch fragwürdig – mithilfe von Zeitreisetechnologie werden Frauen aus der Vergangenheit entführt, um als Leihmütter zu dienen.

Protagonistin Violet Sinclair erwacht unter denkbar ungünstigen Umständen im Aion-Bioengineering-Komplex: Ihre Freundin wird direkt vor ihren Augen von einem Velociraptor verspeist, und sie selbst steht nur in Unterwäsche da. Ihre Kleidung befindet sich natürlich am anderen Ende der Anlage – eine Prämisse, die bereits die tonalen Probleme des Spiels andeutet. Die Erzählung nimmt sich selbst todernst, obwohl das Szenario – Weltraum-Dinosaurier, die Menschen in einer futuristischen Anlage jagen – eigentlich nach B-Movie-Charme schreit. Diese Diskrepanz sorgt stellenweise für unfreiwillige Komik.

Kampfsystem ohne Biss

Das größte Problem von Code Violet liegt im Gameplay selbst. Das Third-Person-Shooting fühlt sich kraftlos und unpräzise an. Schrotflinten, die eigentlich mit einem befriedigenden Wumms das Trommelfell erschüttern sollten, klingen hier eher wie das Pusten durch einen Strohhalm. Die Hitboxen wirken willkürlich, und visuelles Feedback bei Treffern ist praktisch nicht vorhanden – oft weiß man erst, dass man getroffen hat, wenn der Dinosaurier plötzlich umkippt.

Auch die Gegner reagieren kaum auf Beschuss. Violet zeigt selbst dann keine nennenswerte Reaktion, wenn ihr ein Raptor gerade die Knochen zermalmt. Immerhin trägt sie ein Armband, das ihre verbleibende Gesundheit anzeigt – ein kleiner Trost, wenn die visuellen Hinweise versagen.

Kamera aus der Hölle

Die Kameraführung entwickelt sich zum größten Feind des Spielers. In den engen Korridoren, die den Großteil der Spielumgebung ausmachen, versagt sie regelmäßig. Violet stirbt nicht selten, während der Bildschirm eine Nahaufnahme ihres Rückens zeigt, weil die Kamera nicht mit beengten Räumen umgehen kann. Für ein Spiel, das hauptsächlich in schmalen Gängen spielt, ist das ein fundamentaler Designfehler.

Technische Schwächen trotz PS5-Exklusivität

TeamKill Media versprach vollständige Nutzung der PS5-Hardware: Ray-Tracing, 3D-Audio, adaptive Trigger und haptisches Feedback des DualSense-Controllers. Auf dem Papier klingt das beeindruckend, in der Praxis zeigen sich jedoch zahlreiche technische Probleme. Bereits in den ersten Spielminuten kam es bei vielen Spielern zu Glitches, die zu unverdienten Toden führten – Controller reagierten nicht mehr, während Dinosaurier im Kreis liefen, bevor sie schließlich doch zubissen.

Die PS5-Basisversion läuft mit nahezu konstanten 30 FPS in 4K (mit TSR-Upscaling), während die PS5 Pro bis zu 60 FPS erreicht. HDR wird interessanterweise nicht unterstützt – Spieler sollten diese Option sowohl im Spiel als auch in den PS5-Einstellungen deaktivieren.

TeamKill Media ist ein kleines amerikanisches Studio aus Kalispell, Montana. Ihr Vorgängerspiel Quantum Error aus dem Jahr 2023 erhielt mit einem Metacritic-Score von 47 überwiegend negative Kritiken und landete auf der Liste der schlechtesten Spiele des Jahres. Das Studio reagierte damals mit harscher Kritik an den Reviewern und betonte, dass ihr kleines Budget keine AAA-Qualität ermögliche.

Freizügige Kostüme und tonale Verwirrung

Ein besonders kontrovers diskutiertes Element sind die zahlreichen freizügigen Kostüme, die Spieler für Violet freischalten können: Pin-up-Outfits im 50er-Jahre-Stil, sexy Sekretärinnen-Look, Cowgirl-Kostüme mit offenem Hinterteil – die Liste ist lang. Das Problem: Violet als Charakter ist durchweg ernst, düster und leidend. Die Diskrepanz zwischen einer emotional aufgewühlten Protagonistin, die den Tod einer Kameradin betrauert, und ihrem freizügigen Cowgirl-Outfit erzeugt eine bizarre tonale Dissonanz.

Interessanterweise ist Code Violet ausschließlich für PS5 erhältlich – kein PC-Release ist geplant. Der Grund laut Entwickler: Man wolle verhindern, dass Spieler anstößige Mods erstellen. Angesichts der bereits vorhandenen Kostüme eine durchaus ironische Begründung.

Gegnervielfalt und Spielzeit

Die Gegnerauswahl bleibt überschaubar: Velociraptoren bilden das Grundgerüst der Feinde, ergänzt durch größere Dinosaurier, die kleinen Compsognathus aus Jurassic Park: Vergessene Welt und die spuckenden Dilophosaurier aus dem Original-Film. Letztere sind übrigens historisch inkorrekt – weder Halskrause noch Giftspucke existierten beim echten Dilophosaurus. TeamKill Media hat hier offensichtlich Steven Spielbergs Film als Referenz genutzt.

Die Spielzeit beträgt etwa sechs Stunden – kurz genug, um nicht zur Qual zu werden, aber auch bei dieser Länge fühlt sich das Erlebnis wie eine Durststrecke an. Ohne Quest-Log oder klare Wegweisung irren Spieler oft durch identisch aussehende Korridore auf der Suche nach Schlüsselkarten.

Lichtblicke in der Dunkelheit

Nicht alles an Code Violet ist schlecht. Einige Außenbereiche sehen durchaus ansprechend aus, und Violets Haaranimationen sind bemerkenswert gut gelungen. Das Problem: 90 Prozent des Spiels verbringt man in eintönigen, schlecht beleuchteten Korridoren, die kaum Abwechslung bieten. Die Unreal-Engine-5-Grafik mit Megalights-Technologie erzeugt stellenweise atmosphärische Lichteffekte, kann aber die spielerischen Defizite nicht ausgleichen.

Verschiebungen und Editions-Chaos

Code Violet hatte einen turbulenten Weg zum Release. Ursprünglich für Juli 2025 angekündigt, wurde das Spiel erst auf November 2025 verschoben, dann auf Dezember – angeblich, um Call of Duty: Black Ops 7 aus dem Weg zu gehen. Schließlich landete das Spiel am 10. Januar 2026 im PlayStation Store. Die geplante Deluxe Edition wurde kurz vor Release gestrichen; alle Käufer erhalten nun die Deluxe-Inhalte inklusive Tommy Gun und Special-Outfits zum Standardpreis von 49,99€.

Unser Urteil zu Code Violet

Code Violet ist leider eine verpasste Chance. Das Konzept eines modernen Dino-Crisis-Erben hatte Potenzial, aber schwaches Gameplay, technische Mängel und tonale Verwirrung verhindern, dass das Spiel sein Versprechen einlöst. Wer Dinosaurier-Horror erleben möchte, sollte lieber das Original Dino Crisis über PS Plus Premium spielen oder auf das kommende Jurassic Park Survival warten.

Positiv: Atmosphärische Außenbereiche, gute Haaranimationen, kurze Spielzeit, unterhaltsam-absurde Story, DualSense-Integration

Negativ: Kraftloses Kampfsystem, katastrophale Kameraführung, technische Probleme, tonale Dissonanz, repetitive Umgebungen, fehlende Orientierung, steife Animationen

Wertung: 4/10

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