Capcom befindet sich in einer der erfolgreichsten Phasen seiner Firmengeschichte – und Präsident und COO Haruhiro Tsujimoto hat nun erklärt, woran das aus seiner Sicht liegt. In einem Interview mit dem japanischen Magazin Famitsu, das vom Branchenportal Automaton Media übersetzt wurde, führt Tsujimoto den anhaltenden Erfolg auf einen grundlegenden Kulturwandel zurück: weg vom einzelnen Star-Entwickler, hin zu einer teamgetriebenen Entwicklung.
Die Aussagen fielen rund um das 43-jährige Firmenjubiläum: Am 11. Juni 2026 feierte das in Osaka ansässige Unternehmen sein Bestehen. Tsujimoto, Sohn von Capcom-Gründer und CEO Kenzo Tsujimoto, leitet das Unternehmen seit 2007 gemeinsam mit seinem Vater. Im Gespräch blickte er bis zu den Anfängen zurück, als Capcom mit nur fünf Vollzeitkräften und einer Aushilfe startete und sich in vier Jahrzehnten zu einer globalen Marke entwickelte.
Abkehr vom „Autoren-Prinzip“

Kern des Interviews ist Capcoms bewusste Entscheidung, sich vom sogenannten Autoren-Prinzip zu lösen – also von einer Entwicklung, die stark von der kreativen Vision und Erfahrung eines einzelnen Kopfes abhängt. Tsujimoto beschreibt das Problem so: In der Spielebranche werde eine Reihe oft eng an einen bestimmten Entwickler gekoppelt. Wenn diese Person kein neues Spiel mehr mache, gebe es schlicht keine Fortsetzung mehr, und die Richtung einer Serie hänge dann allein an den Ideen eines einzigen Kreativen.
Auteur-getriebene Titel können enorm stark sein – Namen wie Hideo Kojima oder Yoko Taro stehen praktisch synonym für ihre Werke und ziehen eine sehr treue Fangemeinde an. Aus Unternehmenssicht birgt das jedoch ein Risiko: Verlässt oder beendet ein Star-Entwickler seine Karriere, bleiben wertvolle Marken in der Luft hängen. Tsujimoto nannte keine konkreten Namen, machte aber deutlich, dass dieses Modell gerade gegenüber den Aktionären an seine Grenzen stieß.
Die Lösung fand Capcom im Gespräch mit den zentralen Köpfen hinter den einzelnen Marken. Man habe sich gemeinsam darauf verständigt, den alten Ansatz aufzugeben. Stattdessen werde nun im Grunde jeder Titel von Grund auf neu aufgebaut – getragen von einem ganzen Team statt von einer einzelnen Person.
Wissen wird über Generationen weitergegeben
Für Tsujimoto liegt der entscheidende Vorteil in der Kontinuität: Erfahrung und Know-how der Entwicklerteams werden über Generationen hinweg weitergereicht, statt an einer einzigen Person zu hängen. Genau das sichert seiner Meinung nach die Langlebigkeit der großen Marken. Reihen wie Monster Hunter, Resident Evil und Street Fighter halten ihre Popularität seit Jahrzehnten und liefern verlässlich neue Erfolgstitel – die organisatorische Umstrukturierung hält Tsujimoto für einen der wichtigsten Gründe dafür.
Bemerkenswert ist seine Gelassenheit gegenüber kurzfristigen Einbußen: Capcom habe bewusst in Kauf genommen, dass die Verkäufe vorübergehend nachgeben könnten, weil der teambasierte Ansatz dem Unternehmen langfristig deutlich mehr Spielraum verschaffe.
Pragmata als Beweis für das neue Modell

Als Symbol für die teamorientierte Struktur nennt Tsujimoto ausgerechnet ein brandneues IP: Pragmata. Der Sci-Fi-Titel erschien am 24. April 2026 und verkaufte sich binnen rund zwei Wochen weltweit über zwei Millionen Mal – der erfolgreichste Start eines neuen Capcom-IPs seit rund zwei Jahrzehnten. Schon nach zwei Tagen stand die erste Million zu Buche.
Dass Pragmata so einschlug, hatte mehrere Gründe. Zum einen lag das Spiel mit einem Einstiegspreis von rund 60 Euro spürbar unter dem neuen AAA-Standard von etwa 80 Euro, den Capcom im selben Jahr bei Resident Evil Requiem ansetzte. Zum anderen erwies sich die spielbare Demo aus dem Dezember 2025 als wichtiger Wendepunkt: Sie überzeugte viele Spielerinnen und Spieler von dem ungewöhnlichen Konzept und ließ die Steam-Wunschlisten kräftig nach oben schnellen.
Resident Evil Requiem treibt ein Rekordjahr

Pragmata ist nur eine Säule des Erfolgs. Resident Evil Requiem, erschienen am 27. Februar 2026, knackte bereits binnen 56 Tagen die Marke von sieben Millionen verkauften Exemplaren und wurde damit zum am schnellsten verkauften Teil der Reihe – ein Rekord, den zuvor Resident Evil 6 hielt. Hinzu kam das gut laufende Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection.
In Summe verkaufte Capcom im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis Ende März 2026) rund 59 Millionen Spiele – so viele wie nie zuvor in der Firmengeschichte. Auffällig: Der überwiegende Teil entfiel auf ältere Katalog-Titel, und der ganz große Anteil der Verkäufe lief digital. Für das laufende Geschäftsjahr peilt das Unternehmen ein weiteres Plus an und rechnet mit dem zehnten Rekordgewinn in Folge.
| Titel | Release | Verkäufe / Status |
|---|---|---|
| Resident Evil Requiem | 27. Februar 2026 | über 7 Mio. in 56 Tagen (Reihen-Rekord) |
| Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection | 1. Halbjahr 2026 | starke Verkäufe |
| Pragmata | 24. April 2026 | über 2 Mio. in rund zwei Wochen (neues IP) |
| Onimusha: Way of the Sword | 25. September 2026 | Demo verfügbar |
| Dragon's Dogma 2: Dark Arisen | 9. Oktober 2026 | angekündigt |
Der Rest von 2026: Onimusha und Dark Arisen
Für die zweite Jahreshälfte 2026 stehen zwei weitere große Veröffentlichungen an. Am 25. September erscheint das düstere Action-Spiel Onimusha: Way of the Sword; eine kostenlose Demo lässt sich bereits auf Steam, PlayStation 5 sowie Xbox Series X/S ausprobieren. Kurz darauf folgt am 9. Oktober 2026 Dragon's Dogma 2: Dark Arisen – im Vorfeld nimmt Capcom bereits die meisten DLCs und die Deluxe-Edition-Inhalte des Originals aus dem Verkauf.
Alte Helden sollen zur Kernmarke werden
Trotz des aktuellen Erfolgs ruht sich Capcom nicht auf seinen Zugpferden aus. Im Integrierten Bericht 2025 hatte Tsujimoto angekündigt, klassische Marken wie Devil May Cry, Mega Man und Ace Attorney wieder stärker zu pflegen – mit neuen Spielen, Remakes und Ports. Das erklärte Ziel: Diese Reihen auf das Niveau der „Core IPs“ Resident Evil, Monster Hunter und Street Fighter heben und langfristig die Marke von 100 Millionen verkauften Spielen in einem einzigen Jahr erreichen.
Dass dahinter mehr als Investoren-Folien stecken, zeigte sich bereits: Mit Mega Man: Dual Override wurde während der Game Awards 2025 ein neuer 2D-Teil im Cel-Shading-Look für 2027 angekündigt. Auf dem Summer Game Fest 2026 legte Capcom nach und enthüllte gleich mehrere weitere 2027er-Titel.
| Titel (2027) | Art |
|---|---|
| Monster Hunter Wilds: Ascendance | große Erweiterung mit neuer Hochgebirgs-Region |
| Mega Man: Dual Override | neuer 2D-Teil im Cel-Shading-Stil |
| Resident Evil Veronica | Remake von Resident Evil Code: Veronica |
Das Jahr 2027 wird damit kaum weniger prall gefüllt als 2026. Mit Monster Hunter Wilds: Ascendance, Mega Man: Dual Override und dem Veronica-Remake hat Capcom drei hochkarätige Projekte in der Pipeline – und unterstreicht, dass der teamgetriebene Ansatz nicht nur die Gegenwart trägt, sondern auch die Zukunft absichern soll.