Rund 20 Prozent mehr FPS, halbierte Crash-Rate und optimierte Waffen-Rendering – Gearbox zieht Bilanz über sechs Monate Optimierungsarbeit an Borderlands 4 auf dem PC.
Seit dem holprigen Launch im September 2025 hatte Borderlands 4 mit erheblichen Performance-Problemen auf dem PC zu kämpfen. FPS-Einbrüche, Stutter und Abstürze – selbst auf High-End-Hardware – sorgten für eine „Gemischt“-Bewertung auf Steam und einen rasanten Spielerschwund von 96 Prozent innerhalb der ersten zwei Monate. Jetzt hat Gearbox in einem ausführlichen Blogpost auf der offiziellen Borderlands-Webseite detailliert offengelegt, welche Fortschritte das Entwicklerteam seither erzielt hat.
Durchschnittlich 20 Prozent mehr Bilder pro Sekunde
Die zentrale Botschaft: Zwischen Version 1.0.2 und dem aktuellen Build 1.5 ist die durchschnittliche Bildrate um rund 20 Prozent gestiegen – und zwar über alle Hardware-Konfigurationen hinweg. Bei den Mindestanforderungen kletterte die durchschnittliche FPS-Zahl von 37,32 auf 52,79 Bilder pro Sekunde. Besitzer einer RTX 4090 können sich über einen Sprung von 54,96 auf 78,43 FPS freuen. Laut Gearbox geschah dies, ohne die visuelle Qualität spürbar zu beeinträchtigen.
Neben der reinen Durchschnitts-FPS hat das Team auch an der Frame-Stabilität gearbeitet. Die sogenannten 1%- und 0,1%-Lows – also die niedrigsten gemessenen Frameraten während des Spiels – liegen nun deutlich näher am Durchschnittswert. Das bedeutet in der Praxis: weniger Mikroruckler und ein insgesamt flüssigeres Spielerlebnis.
Technische Hintergründe: So hat Gearbox optimiert

Der Blogpost gewährt ungewöhnlich tiefe Einblicke in die technischen Stellschrauben, an denen das Optimierungsteam gedreht hat.
Pipeline State Objects (PSOs) überarbeitet: Ein Hauptverursacher für Stutter waren die sogenannten Pipeline State Objects. Shader-PSOs beschleunigen zwar das Rendering, indem sie den Grafiktreiber veranlassen, optimale Shader für die jeweilige GPU zu generieren. Der Nachteil: Beim erstmaligen Auftreten neuer Shader entstehen Mikroruckler. Gearbox hat den PSO-Prozess verfeinert, um eine Überlastung des Systems mit zu vielen gleichzeitigen Effekten zu vermeiden.
Waffen-Rendering neu gedacht: Borderlands 4 ist berühmt für seine Milliarden dynamisch generierter Waffen, von denen jede eigene Materialien für ihre Einzelteile mitbringt. Eine Herausforderung für jede Render-Pipeline. Die Entwickler haben das System so angepasst, dass Grafiktreiber neue Materialien und Spezialeffekte nun früher erkennen und vorbereiten können. Das Ergebnis: Die enorme Waffenvielfalt belastet die Framerate nicht mehr so stark wie zuvor.
Virtual Shadow Maps und Lichtoptimierungen: Da Borderlands 4 einen dynamischen Tag-Nacht-Zyklus auf dem Planeten Kairos bietet, muss jedes einzelne Bild die aktuelle Sonnenposition berücksichtigen – ein enormer Rechenaufwand. Mithilfe der Virtual Shadow Maps-Technologie der Unreal Engine 5 werden Schattenberechnungen nun gecacht und wiederverwendet, was die GPU-Last deutlich reduziert. Zusätzlich wurden Beleuchtungs-Shader und Skylight-Umgebungskarten optimiert.
HLOD-System verbessert: Das Hierarchical Level of Detail-System, das für die Darstellung entfernter Spielweltbereiche zuständig ist, wurde ebenfalls überarbeitet. Low-Detail-Meshes sehen nun unauffälliger aus, während die nahtlose Open-World-Erfahrung ohne Ladebildschirme erhalten bleibt.
UI-Effizienz im Hintergrund: Auch das Backend der Benutzeroberfläche – von ECHO-Menüs bis hin zu Schadenszahlen über getroffenen Gegnern – wurde performanter gestaltet.
Crash-Rate halbiert

Neben der reinen FPS-Leistung hat sich auch die Stabilität massiv verbessert. Die Absturzrate ist von 0,63 Prozent aller Spielsitzungen im Dezember 2025 auf nur noch 0,38 Prozent gesunken – eine Halbierung. Gleichzeitig sank der Anteil der Spieler, die überhaupt mit Abstürzen konfrontiert werden, von 17 Prozent auf 9,35 Prozent.
NVIDIA-Treiberoptimierungen als Bonus
Dank Verbesserungen in aktuellen NVIDIA-Treibern (Version 590.xx und neuer) muss der GPU-Shader-Cache beim Start nach einem Spielupdate nicht mehr gelöscht und neu aufgebaut werden. Das verkürzt die Ladezeiten nach Patches spürbar.
Der Weg hierhin war steinig
Die jetzigen Verbesserungen kommen nach Monaten kontroverser Diskussionen. Nicht nur die Performance-Probleme selbst sorgten für Unmut, sondern auch Äußerungen von Gearbox-CEO Randy Pitchford, der in sozialen Medien teilweise die Hardware der Spieler für die Probleme verantwortlich machte. Frühere Patches versprachen Verbesserungen, verschlechterten die Situation für manche Nutzer aber sogar. Dass Gearbox nun mit konkreten Zahlen und technischen Details aufwartet, dürfte ein bewusster Schritt sein, um Vertrauen zurückzugewinnen.
Trotz der technischen Fortschritte bleibt die Lage bei den Spielerzahlen angespannt. Auf Steam liegt die tägliche Spitze aktuell bei rund 4.000 bis 5.000 gleichzeitigen Spielern – ein Bruchteil des Launch-Rekords von über 304.000. Die Steam-Bewertung steht bei „Gemischt“ mit einem Score von 60 von 100 Punkten basierend auf über 76.000 Reviews. Take-Two-CEO Strauss Zelnick hatte bereits im November 2025 eingeräumt, dass die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurückblieben.
Ob die technischen Verbesserungen in Kombination mit den geplanten Inhalten für 2026 – darunter Story Pack 1: „Mad Ellie and the Vault of the Damned“, Level-Cap-Erhöhungen und plattformübergreifende Speicherstände – die Spieler zurückholen können, bleibt abzuwarten.
Switch 2-Version auf Eis gelegt
Während die PC-Version Fortschritte macht, sieht es für Nintendo-Fans düster aus. Take-Two hat die Entwicklung der Switch 2-Version von Borderlands 4 im Februar 2026 offiziell pausiert. Der Port war ursprünglich für den 3. Oktober 2025 geplant gewesen, wurde aber bereits im September verschoben. Auf der PAX Australia war eine spielbare Version zwar bereits am Nintendo-Stand zu sehen, diese litt jedoch unter matschiger Grafik und schwacher Performance. In der aktuellen Content-Roadmap für 2026 taucht die Switch 2-Version nicht auf. Ob der Port jemals erscheint, ist ungewiss.
Gearbox verspricht weitere Optimierungen
Das Studio betont, dass die bisherigen Verbesserungen nur der Anfang seien. Gearbox hat wöchentliche Patches und monatliche Updates für das gesamte Jahr 2026 angekündigt. Das nächste größere Update erscheint am 26. März und bringt neben dem Story Pack 1 auch weitere Performance-Optimierungen mit sich.
Für PC-Spieler, die Borderlands 4 aufgrund der Technikprobleme gemieden haben, könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, dem Looter-Shooter eine zweite Chance zu geben. Die Zahlen sprechen jedenfalls für sich – auch wenn Gearbox selbst zugibt, dass noch Arbeit vor ihnen liegt.
