Im Rahmen der CinemaCon 2026 in Las Vegas hat Sony Pictures eine überraschende Ankündigung gemacht: Das Kult-Spiel Bloodborne von FromSoftware wird als animierter Kinofilm umgesetzt – und zwar mit einem klaren R-Rating. Sanford Panitch, Präsident der Sony Pictures Entertainment Motion Picture Group, versprach bei der Präsentation, dass der Film dem blutigen und düsteren Geist des Originals „sehr treu“ bleiben werde.
Damit schlägt die Bloodborne-IP einen unerwarteten Weg ein. Während Fans seit Jahren auf ein Remake, einen PS5-Patch oder gar eine Fortsetzung hoffen, kommt nun stattdessen ein Film – und zwar einer, der sich bewusst nicht an ein breites Familienpublikum richtet.
JackSepticEye als Produzent an Bord
Besonders bemerkenswert ist die Beteiligung von Seán „JackSepticEye“ McLoughlin als Co-Produzent des Films. Der irische Content Creator, der auf YouTube über 31 Millionen Abonnenten zählt, ist als leidenschaftlicher Bloodborne-Fan bekannt. Er hat das Spiel wiederholt auf seinem Kanal durchgespielt und es öffentlich als sein absolutes Lieblingsspiel bezeichnet. 2022 erklärte er Bloodborne offiziell zu seinem Favoriten, nachdem zuvor Shadow of the Colossus diesen Platz eingenommen hatte. Seine Verbundenheit mit dem Spiel geht sogar so weit, dass er sich 2016 das Hunter's Mark als Tattoo stechen ließ.
Kurz nach der Ankündigung meldete sich JackSepticEye auf Reddit persönlich zu Wort und schrieb sinngemäß, dass er als Produzent alles in seiner Macht Stehende tun werde, um die bestmögliche Bloodborne-Verfilmung zu realisieren. Er betonte, dass er die Leidenschaft der Fans kenne und wisse, wie groß der Hunger nach neuen Inhalten rund um die Marke sei.
Abseits seiner Streaming-Karriere hat McLoughlin bereits Erfahrungen in Film und Fernsehen gesammelt. Unter anderem war er in der Verfilmung von Iron Lung an der Seite von Markiplier zu sehen, wo er die Rolle des Charakters Jack übernahm.
Lyrical Animation übernimmt die Produktion
Der Film wird von PlayStation Productions in Zusammenarbeit mit Lyrical Animation produziert. Die Muttergesellschaft Lyrical Media co-finanziert das Projekt gemeinsam mit Sony Pictures. Lyrical Animation wurde erst Ende 2025 durch die Übernahme des Studios Line Mileage gegründet und hat sich auf animierte Projekte für ein erwachsenes Publikum spezialisiert.
Das Team hinter Lyrical Animation bringt erhebliche Erfahrung mit. Geleitet wird die Abteilung von Jacob Robinson, der zuvor unter anderem Netflixs Skull Island und Tomb Raider: The Legend of Lara Croft betreute. Als Creative Director fungiert Daniel Dominguez, ehemaliger Headwriter von Gen:LOCK bei HBO Max. Berater Brad Graeber ist der Gründer von Powerhouse Animation Studios – dem Team hinter den gefeierten Serien Castlevania, Blood of Zeus und Masters of the Universe. Insgesamt hat das Team 15 Staffeln animierter Serien für Erwachsene produziert.
Neben dem Bloodborne-Film arbeitet Lyrical Animation auch an einer Anime-Verfilmung von Death Stranding sowie an einer Adaption des Bestseller-Romans „Hell Followed With Us“ in Zusammenarbeit mit Lilly Wachowski.
Die turbulente Geschichte der Bloodborne-IP
Die Ankündigung des Films kommt in einer Phase, in der die Bloodborne-IP bereits für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt hat – allerdings meist in Verbindung mit enttäuschten Hoffnungen. Im Februar 2026 schloss Sony das renommierte Remake-Studio Bluepoint Games, das unter anderem für die gefeierten Neuauflagen von Demon's Souls und Shadow of the Colossus verantwortlich war.
Wie ein Bloomberg-Bericht von Jason Schreier enthüllte, hatte Bluepoint Anfang 2025 tatsächlich ein Bloodborne-Remake vorgeschlagen. Sony gab dem Pitch grundsätzlich grünes Licht – die Zahlen hätten gestimmt -, doch FromSoftware lehnte ab. Der ehemalige PlayStation-Chef Shuhei Yoshida äußerte die Vermutung, dass FromSoftware-Präsident Hidetaka Miyazaki großes Interesse an einer Neuauflage habe, das Projekt aber selbst umsetzen wolle und nicht wolle, dass jemand anderes Hand an sein Werk lege. Da Miyazaki und sein Team jedoch mit Projekten wie Elden Ring Nightreign und The Duskbloods ausgelastet sind, bleibt ein Remake vorerst in weiter Ferne.
Bloodborne ist seit seiner Veröffentlichung am 24. März 2015 exklusiv auf der PlayStation 4 verfügbar und hat bis heute kein offizielles 60-FPS-Update für die PS5 erhalten. Trotzdem verkaufte sich das Spiel allein zwischen Februar 2022 und November 2025 fast zwei Millionen Mal – ein Beleg für die anhaltende Beliebtheit des Titels.
Animation als ideales Medium für Yharnam?
Die Entscheidung für einen Animationsfilm könnte sich als kluger Schachzug erweisen. Die übernatürlichen Kreaturen, die unmögliche Architektur Yharnams und die lovecraftianischen Horrormotive des Spiels lassen sich in animierter Form vermutlich weitaus überzeugender umsetzen als in einem Realfilm. Die grotesken Bosse und die albtraumhaften Transformationen der Spielwelt würden in Live-Action schnell an technische und budgetäre Grenzen stoßen – in der Animation hingegen sind der visuellen Umsetzung kaum Grenzen gesetzt.
Zudem zeigt der Erfolg von Serien wie Castlevania und Arcane, dass animierte Videospiel-Adaptionen bei einem erwachsenen Publikum hervorragend funktionieren können, wenn Tonalität und künstlerische Vision stimmen.
Videospiel-Verfilmungen boomen weiter
Sonys Bloodborne-Ankündigung reiht sich in einen größeren Trend ein. Videospiel-Adaptionen erleben derzeit einen beispiellosen Boom in Hollywood. Der Super Mario Bros. Movie und sein Nachfolger haben an den Kinokassen Rekorde gebrochen, der Minecraft-Film zog enormes Publikumsinteresse auf sich, und HBO's The Last of Us bewies, dass auch anspruchsvolle Serien-Adaptionen funktionieren.
Sony selbst treibt seine Transmedia-Strategie mit PlayStation Productions aggressiv voran. Auf der gleichen CinemaCon-Präsentation wurden weitere Spieleverfilmungen vorgestellt: Ein Live-Action-Film zu Helldivers unter der Regie von Justin Lin mit Jason Momoa in der Hauptrolle soll am 10. November 2027 in die Kinos kommen. Ein neuer Resident Evil-Film von Regisseur Zach Cregger ist für den 18. September 2026 geplant. Auch die Legend of Zelda-Verfilmung hat die Dreharbeiten bereits abgeschlossen.
Kann der Film die Community überzeugen?
Trotz der vielversprechenden Rahmenbedingungen bleiben Fragen offen. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum wurde nicht genannt, ebenso wenig Details zur Handlung oder zum Animationsstil. Auch ob FromSoftware selbst in irgendeiner Form am Film beteiligt ist, bleibt unklar – auch wenn die enge Beziehung zwischen FromSoftware und PlayStation eine gewisse Zusammenarbeit nahelegt.
Für die leidenschaftliche Bloodborne-Community ist die Nachricht ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bedeutet der Film, dass die IP nicht in Vergessenheit gerät und neue Aufmerksamkeit erhält. Andererseits ist ein animierter Film nicht das Remake, das PS5-Update oder die Fortsetzung, auf die viele Fans seit Jahren warten. Ob der Film als Katalysator für eine breitere Expansion der Bloodborne-Marke dienen kann, wird sich zeigen müssen.
Fest steht: Mit dem R-Rating, der Beteiligung eines erfahrenen Animationsteams und einem Produzenten, der das Spiel von Herzen liebt, sind zumindest die Grundvoraussetzungen geschaffen, um der düsteren Welt von Yharnam auf der Leinwand gerecht zu werden.
