Beste Sidequests aller Zeiten: Diese Spiele setzen Maßstäbe

Sidequests sind längst mehr als bloßes Füllmaterial. In den besten Open-World-Spielen erzählen sie Geschichten, die der Haupthandlung in nichts nachstehen – manchmal übertreffen sie sie sogar. Doch welche Spiele setzen hier wirklich Maßstäbe? Wir haben die Community befragt und die Antworten mit eigener Recherche ergänzt.

The Witcher 3: Wild Hunt – Der unangefochtene König

Kein Spiel wird in Diskussionen über Sidequests so häufig genannt wie The Witcher 3. CD Projekt Reds Meisterwerk von 2015 hat die Messlatte für optionale Inhalte in Rollenspielen nachhaltig verändert. Selbst ein Jahrzehnt nach Release gilt es als unerreicht.

Was The Witcher 3 von der Konkurrenz abhebt, ist die narrative Tiefe seiner Nebenaufgaben. Jede Quest erzählt eine eigene Geschichte mit Anfang, Mitte und Ende. Hexer-Aufträge beginnen scheinbar simpel – ein Monster terrorisiert ein Dorf -, doch schnell offenbaren sich moralische Grauzonen und überraschende Wendungen. Die Quest „Ein Turm voller Mäuse“ etwa verknüpft eine Geisterjagd mit einer tragischen Liebesgeschichte und einem Verrat, bei dem keine Entscheidung wirklich „richtig“ ist.

Lead Quest Designer Pawel Sasko verriet im Interview mit PC Gamer, wie dieses Qualitätsniveau zustande kommt: Über 90 Prozent aller Quest-Ideen werden bei CD Projekt Red verworfen. Nur die besten schaffen es ins Spiel. „Ein guter Designer hat eine Akzeptanzrate seiner Ideen von fünf bis zehn Prozent“, erklärte Sasko. Dieser rigorose Auswahlprozess ist einer der Hauptgründe, warum selbst die kleinsten Aufgaben in The Witcher 3 denkwürdig ausfallen.

Besonders clever: Die Sidequests passen organisch zum Setting. Als Hexer reist Geralt ohnehin von Ort zu Ort und nimmt Aufträge an. Anders als in Spielen, in denen der Held die Welt retten soll, aber zwischendurch Hühnereier sammelt, fühlen sich Geralts Nebenaufgaben nie wie ein narrativer Bruch an.

Cyberpunk 2077 – Night City lebt durch seine Geschichten

CD Projekt Reds zweiter Streich steht dem Hexer-Abenteuer kaum nach. Nach einem holprigen Launch hat sich Cyberpunk 2077 zu einem der stärksten Story-RPGs der letzten Jahre gemausert. Die Sidequests und Gigs in Night City bieten eine beeindruckende Bandbreite: Von der verstörenden „Sinnerman“-Questreihe, in der V einen zum Tode verurteilten Mörder auf seinem Weg zur Kreuzigung begleitet, bis hin zu emotionalen Momenten wie „Happy Together“, wo ein Nachbar still vor sich hin leidet.

Besonders die Phantom-Liberty-Erweiterung hob die Qualität noch einmal an. Selbst einfache Gigs boten dort multiple Lösungswege und überraschende Ausgänge. Was Cyberpunk auszeichnet, ist die Designvielfalt: Stealth-Missionen, Ermittlungen, moralische Dilemma und handfeste Action wechseln sich ab, sodass sich kaum zwei Aufträge gleich anfühlen.

Baldur's Gate 3 – Jeder Durchlauf erzählt andere Geschichten

Larian Studios hat mit Baldur's Gate 3 bewiesen, dass das Dungeons-&-Dragons-Regelwerk das perfekte Fundament für verzweigte Nebenhandlungen ist. Würfelwürfe, Dialogoptionen und Klassenfertigkeiten beeinflussen den Ausgang jeder Quest. Die Companion-Questlines gehören zu den emotionalsten Momenten im Spiel: Astarions Konfrontation mit seinem Peiniger Cazador oder Shadowhearts Abrechnung mit den Sharranern sind eigenständige Geschichten, die spielerische Konsequenzen mit sich bringen.

Dazu kommen eigenständige Sidequests wie die makabre Suche nach den Körperteilen des Clowns Dribbles oder die Mordermittlung im Tempel der Offenen Hand. Wer alle Sidequests mit allen möglichen Ausgängen erleben will, braucht mehrere Durchläufe – ein Qualitätsmerkmal, das nur wenige RPGs bieten.

Skyrim – Das Spiel, in dem die Hauptquest zur Sidequest wird

Die Elder-Scrolls-Reihe verfolgt einen anderen Ansatz als CD Projekt Red. Statt auf narrative Tiefe einzelner Quests setzt Skyrim auf die schiere Menge an Entdeckungen. Unzählige Spielerinnen und Spieler berichten, dass sie Alduin erst nach Hunderten von Stunden – oder nie – besiegt haben, weil die Welt so viele Ablenkungen bietet.

Das Besondere an Skyrim: Viele Sidequests entstehen spontan durch Erkundung. Man betritt eine Höhle auf gut Glück, findet ein mysteriöses Artefakt und steht plötzlich mitten in einer Questreihe. Diese organische Entdeckung verleiht dem Spiel eine Abenteuerdynamik, die kaum ein anderes Open-World-Spiel erreicht. Die Gilden-Questlines – Diebesgilde, Dunkle Bruderschaft, Gefährten – sind praktisch eigene Kampagnen im Spiel.

The Elder Scrolls IV: Oblivion – Der kreativere Vorgänger

Während Skyrim die größere Welt bietet, schwören viele Fans auf Oblivions Sidequest-Design. Die Quests dort sind oft kreativer, skurriler und mutiger als die des Nachfolgers. Oblivion traut sich mehr Humor und Absurdität zu, ohne dabei die Immersion zu brechen. In der Community gilt es als das Elder-Scrolls-Spiel mit den besten einzelnen Sidequests – viele Spielerinnen und Spieler berichten, dass sie die Hauptstory nie abgeschlossen haben, weil die Nebenaufgaben einfach zu gut waren.

Fallout: New Vegas – Freiheit in jeder Entscheidung

Obsidian Entertainments Fallout: New Vegas ist der Inbegriff von Spielerfreiheit in Sidequests. Kaum ein anderes Spiel bietet so viele verschiedene Wege, eine einzelne Aufgabe zu lösen. Diplomatisch, brutal, hinterhältig oder mit einer völlig unerwarteten Lösung – New Vegas belohnt Kreativität wie kein anderes RPG.

Die Sidequests sind dabei eng mit dem politischen Gefüge der Spielwelt verwoben. Entscheidungen in Nebenaufgaben können Allianzen verschieben, ganze Fraktionen stärken oder zerstören und das Endgame maßgeblich beeinflussen. Dazu kommen die herausragenden DLCs, die eigenständige Geschichten erzählen und gleichzeitig das Hauptspiel bereichern. In der Community nimmt New Vegas in puncto Sidequest-Qualität regelmäßig den Spitzenplatz ein.

Red Dead Redemption 2 – Kinoqualität in jeder Nebenmission

Rockstars Western-Epos setzt bei Sidequests auf pure Erzählqualität. Viele Nebenmissionen fühlen sich an wie eigenständige Kurzfilme: sorgfältig inszeniert, hervorragend vertont und mit Charakteren, die man nach wenigen Minuten ins Herz schließt. Die Schreibqualität ist so hoch, dass die Grenze zwischen Haupt- und Nebenquest oft verschwimmt.

RDR2 beweist, dass Sidequests nicht immer komplexe Entscheidungsbäume brauchen. Manchmal reicht eine brillant erzählte, lineare Geschichte, um Spielerinnen und Spieler zu fesseln.

Die Yakuza-Serie – Absurdität als Kunstform

Yakuza (heute: Like a Dragon) verfolgt einen einzigartigen Ansatz bei Sidequests. Wo andere Spiele auf ernste Erzählungen setzen, feiert die Serie das Bizarre, Komische und völlig Unerwartete. In einem Moment hilft man einem Kind, sein Spielzeug zurückzubekommen, im nächsten infiltriert man einen Windel-Fetisch-Club oder managt eine Immobilienfirma.

Was die Yakuza-Sidequests so besonders macht: Sie sind meist spielerisch simpel, aber so einzigartig geschrieben, dass man sich an fast jede einzelne erinnert. Die Substories schaffen einen Kontrast zur dramatischen Haupthandlung, der die Spielwelt erst richtig lebendig wirken lässt. Yakuza 0 gilt in der Community als Höhepunkt dieser Designphilosophie.

Kingdom Come: Deliverance – Mittelalterliche Immersion

Die tschechische RPG-Serie hat sich einen festen Platz unter den Sidequest-Favoriten der Community erobert. Kingdom Come: Deliverance setzt auf historische Authentizität und bodenständige Geschichten – hier rettet man keine Welt, sondern hilft Dorfbewohnern bei alltäglichen Problemen, die sich unerwartet komplex entwickeln. Der zweite Teil hat diese Stärke noch weiter ausgebaut. Viele Spielerinnen und Spieler berichten, dass sie stundenlang Sidequests verfolgen, bevor sie sich der Hauptquest widmen.

Weitere Spiele mit herausragenden Sidequests

Neben den großen Namen verdienen einige weitere Titel eine Erwähnung. Ghost of Tsushima bietet atmosphärische Nebengeschichten, die das feudale Japan lebendig werden lassen. Disco Elysium revolutioniert das Konzept von Quests, indem praktisch jede Interaktion zu einer eigenen Geschichte wird. Dragon's Dogma 2 verwischt bewusst die Grenze zwischen Haupt- und Nebenquest – Aufträge ergeben sich organisch aus dem Erkunden der Welt.

Zelda: Majora's Mask verdient als Klassiker besondere Erwähnung: Der Drei-Tage-Zeitloop macht die Bewohnerinnen und Bewohner von Termina zu realen Persönlichkeiten mit eigenen Routinen und Problemen. Und auch Deus Ex: Mankind Divided überrascht mit investigativen Sidequests, die in ihrer Komplexität die Hauptmission übertreffen.

Was gute Sidequests ausmacht

Was all diese Spiele verbindet, ist ein gemeinsames Prinzip: Sidequests müssen sich wie ein natürlicher Teil der Spielwelt anfühlen, nicht wie eine Checkliste zum Abhaken. Die besten Nebenaufgaben erzählen eigene Geschichten, die das Setting bereichern, überraschen mit unerwarteten Wendungen und geben Spielerinnen und Spielern das Gefühl, dass ihre Entscheidungen Gewicht haben.

Entwickler wie CD Projekt Red haben gezeigt, dass Qualität über Quantität siegt. Wenn über 90 Prozent aller Quest-Ideen verworfen werden, bleiben nur die stärksten übrig. Dieses Prinzip sollte sich die gesamte Branche zu Herzen nehmen – denn Sidequests sind oft das, was Spielerinnen und Spieler am meisten in Erinnerung behalten.

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