Assassin’s Creed League eingestellt: Ubisoft streicht ambitioniertes Koop-Multiplayer-Projekt

Ubisoft hat das unter dem Codenamen „Assassin's Creed League“ entwickelte Multiplayer-Projekt überraschend eingestellt. Das kooperative Spiel hätte bis zu vier Spieler im feudalen Japan vereinen sollen und wäre der erste Multiplayer-Ableger der Reihe seit über einem Jahrzehnt gewesen. Die Absage reiht sich in eine Serie von Projekteinstellungen beim französischen Publisher ein, während gleichzeitig Mitarbeiter zu Streiks aufrufen und Gewerkschaften den Rücktritt von CEO Yves Guillemot fordern.

Was war Assassin's Creed League?

Wie die französische Website Origami berichtet, handelte es sich bei AC League um ein kooperatives Multiplayer-Erlebnis, das bis zu vier Assassinen in einer gemeinsamen Spielwelt zusammengeführt hätte. Das Projekt war bei Ubisoft Annecy angesiedelt – jenem Studio, das bereits für die Multiplayer-Modi von Assassin's Creed Brotherhood, Unity und Black Flag verantwortlich zeichnete. Zum Zeitpunkt der Einstellung arbeiteten rund 85 Entwickler an dem Titel.

Ursprünglich sollte League als Download-Content für Assassin's Creed Shadows erscheinen und sogar Teil des Season Pass werden. Die Missionen wären in der gleichen Epoche des feudalen Japan angesiedelt gewesen wie das im März 2025 erschienene Hauptspiel. Doch die Pläne änderten sich im Laufe der Entwicklung mehrfach.

Von DLC zum Standalone – und dann zur Absage

Im vergangenen Jahr begann das Management von Ubisoft Annecy zu hinterfragen, ob der Erweiterungs-Status für League noch sinnvoll sei. Die Entwicklungszeit schien zu lang, um die gewünschte Qualität zu erreichen. Daraufhin wurden verschiedene Alternativen erwogen: Eine Option war, die erarbeitete Multiplayer-Technologie in ein anderes Assassin's-Creed-Projekt zu integrieren. Die zweite Möglichkeit bestand darin, den Umfang zu reduzieren und ein eigenständiges, kleineres Koop-Spiel zu entwickeln, das Teile der offenen Welt von Shadows nutzen würde.

Ubisoft Annecy entschied sich für den zweiten Weg und plante Einladungs-Alpha-Tests für Mai 2026, um das Konzept unter realen Bedingungen zu testen. Doch nach einem Playtest mit der Führungsebene von Vantage Studios – der mit Tencent gegründeten Ubisoft-Tochter, die Franchises wie Assassin's Creed, Far Cry und Rainbow Six verwaltet – wurde das Projekt endgültig eingestellt. Die Leads bei Ubisoft Annecy erfuhren von dieser Entscheidung Berichten zufolge erst eine Woche vor der öffentlichen Berichterstattung.

Nicht der erste gescheiterte Versuch

Assassin's Creed League war bereits das dritte Multiplayer-Projekt, das bei Ubisoft Annecy in den vergangenen Jahren scheiterte. Zuvor arbeitete das Studio an einem Projekt mit dem Codenamen „Echoes“ – einem Multiplayer-Assassin's-Creed mit „massiven Online-Ambitionen“, das 2022 begonnen und später eingestellt wurde. Nach der Absage von Echoes versuchte Annecy ein weiteres Multiplayer-Projekt zu entwickeln, das ebenfalls nicht zur Vollendung kam. Aus den Überresten dieser Bemühungen und Assets von Shadows entstand schließlich League.

Die letzte Assassin's-Creed-Erfahrung mit Multiplayer-Komponente war Unity aus dem Jahr 2014, dessen kooperative Missionen für bis zu vier Spieler ausgelegt waren. Kompetitive Multiplayer-Modi gab es zuletzt in Black Flag (2013).

Die Technologie lebt weiter

Trotz der Einstellung ist nicht alle Arbeit verloren. Laut dem Origami-Bericht wurde ein kleines Team von etwa zehn Entwicklern damit beauftragt, die technischen Errungenschaften des League-Projekts in Ubisofts hauseigene Anvil-Engine zu übertragen. Das Ziel: Kooperative Modi sollen in zukünftigen Assassin's-Creed-Spielen leichter implementiert werden können. Diese neuen Features sollen „hochgradig wiederspielbar“ und günstiger in der Entwicklung sein als das ambitionierte League-Projekt.

Parallel dazu befindet sich mit Assassin's Creed Invictus weiterhin ein kompetitiver Multiplayer-Titel in Entwicklung. Dieses Projekt wird von einem Team bei Ubisoft Montreal entwickelt, das Veteranen von For Honor umfasst. Invictus soll ein gänzlich anderes Konzept verfolgen – Leaks deuten auf ein von Fall Guys und Smash Bros. inspiriertes Arcade-Erlebnis mit 16 Spielern hin. Allerdings berichten interne Quellen von wachsender Skepsis auch bei diesem Projekt.

Ubisoft in der Krise: Streiks und Rücktrittsforderungen

Die Absage von AC League ist nur ein Symptom einer größeren Krise bei Ubisoft. Allein im Januar 2026 wurden sechs Projekte eingestellt, darunter das langjährig verschobene Prince of Persia: The Sands of Time Remake. Auch die Watch-Dogs-Reihe gilt als faktisch beendet. Zudem plant der Publisher, in den kommenden drei Jahren mehrere Entwicklungsstudios zu schließen.

Die Belegschaft reagiert mit beispiellosem Widerstand: Französische Gewerkschaften, darunter Solidaires Informatique, haben für den 10. bis 12. Februar 2026 zu einem internationalen Streik aufgerufen. Gewerkschaftsvertreter Marc Rutschlé und Chakib Mataoui fordern offen den Rücktritt von CEO Yves Guillemot. „Das Maß an Hass, das die Leute für ihn empfinden, bedeutet, dass er gehen sollte. Dann könnten wir anfangen, wieder Vertrauen aufzubauen“, so Rutschlé gegenüber Game Developer.

Kritisiert wird auch die Ernennung von Guillemots Sohn Charlie zum Co-CEO von Vantage Studios – ein Schritt, den Mitarbeiter als Vetternwirtschaft bezeichnen. Eine interne Town-Hall-Versammlung am 4. Februar 2026 konnte die Bedenken der Belegschaft nicht zerstreuen. Mitarbeiter berichten von „Wut und Verzweiflung“ über drohende Entlassungen und eine kontroverse Rückkehr-ins-Büro-Pflicht.

Was bleibt für Assassin's-Creed-Fans?

Trotz der turbulenten Zeiten gibt es für Fans der Reihe weiterhin Hoffnung. Das gerüchteweise in Entwicklung befindliche Assassin's Creed IV: Black Flag Resynced – ein komplettes Remake des beliebten Piraten-Ablegers von 2013 – soll sich in der finalen Entwicklungsphase befinden. Eine PEGI-Alterseinstufung für das Spiel tauchte bereits im Dezember 2025 auf. Insider spekulieren über einen möglichen Release bereits im März 2026.

Darüber hinaus arbeitet Ubisoft weiterhin an Assassin's Creed Hexe – einem düsteren Ableger zur Zeit der Hexenprozesse im Heiligen Römischen Reich – sowie dem bereits erwähnten Invictus. Ob diese Projekte angesichts der aktuellen Umstrukturierung ebenfalls gefährdet sind, bleibt abzuwarten. Die Botschaft an erwartungsvolle Fans ist klar: Selbst bestätigte Projekte sind bei Ubisoft derzeit keine Garantie für einen tatsächlichen Release.

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