Der Duplication-Glitch in ARC Raiders hat das Spiel wochenlang ins Chaos gestürzt. Nun hat Embark Studios endlich reagiert und einen Hotfix veröffentlicht. Doch für viele Spieler könnte das Nachspiel erst beginnen: Das Studio kündigt mögliche Strafen an und prüft betroffene Accounts.
Wochen voller Frust: So funktionierte der Exploit
ARC Raiders kämpft seit Wochen mit einem wiederkehrenden Problem: Duplication-Glitches. Bereits am 20. Januar 2026 hatte Embark Studios einen ersten Duplikations-Bug gepatcht, der es Spielern erlaubte, Waffen und Munition über Netzwerk-Tricks zu vervielfältigen. Doch nur wenige Tage nach dem Headwinds-Update (Version 1.13.0) am 27. Januar tauchte eine neue Variante auf – und diese war deutlich einfacher auszuführen.
Der sogenannte „Quick-Use Dupe“ nutzte eine Schwachstelle im Inventar-System aus: Spieler konnten stapelbare Items in der Hand halten, den Stack auf einen zweiten Quick-Use-Slot aufteilen und anschließend unbegrenzt viele Kopien des Gegenstands erzeugen. Betroffen waren sämtliche ausrüstbare Schnellzugriff-Items – darunter Trigger-Granaten, Ziplines, Barrikaden, Minen, Bandagen und auch die begehrten Gummienten. Der Glitch funktionierte plattformübergreifend auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S.
Gummienten-Goldrausch: Millionen Coins pro Raid
Besonders die seltenen Familiar Ducks aus dem Bird City Event wurden zum Symbol des Exploits. Jede dieser Gummienten ist 7.000 Raider Coins wert und lässt sich in Stacks von bis zu 15 Stück im Inventar stapeln. Mit einem freien Loadout und 14 offenen Inventar-Slots konnten Spieler so über eine Million Coins pro Extraction verdienen.
Die Auswüchse waren teils absurd: Ein Spieler namens endgame2937 berichtete auf Reddit, wie ein Raider vor seinen Augen in der Buried City Metro spontan in Flammen aufging und einen „Berg aus Familiar Ducks“ hinterließ. Sein Fazit: 2,8 Millionen Coins extrahiert, ohne zu verstehen, was passiert war. Andere Spieler fanden tote Raider, deren Inventare ausschließlich mit vollen Enten-Stacks gefüllt waren – ohne Waffen, ohne Ausrüstung. In der Community sprach man vom „Duck Santa Claus“.
Auch Tempest Blueprints, eines der seltensten Items im Spiel mit einem Wert von 5.000 Coins pro Stück, wurden massenhaft dupliziert. Screenshots auf Reddit zeigten Spieler mit 17 Kopien dieses seltenen Bauplans.
PvP-Chaos und unspielbare Raids

Der wirtschaftliche Schaden war nur ein Teil des Problems. In PvP-Matches verwandelten Exploiter die Maps in regelrechte Kriegsgebiete: Auf Stella Montis, der kleinen PvP-lastigen Karte, regneten duplizierte Trigger-Granaten in Kettenreaktionen auf ahnungslose Spieler herab. Andere Cheater errichteten undurchdringbare Käfige aus Hunderten duplizierten Ziplines oder blockierten komplette Extraktionszonen mit Barrikaden.
Besonders der kompetitive Trials-Modus litt unter dem Exploit. Durch das Duplizieren von Snitch-Scannern und Seeker-Granaten konnten Exploiter kontinuierlich ARC-Feinde spawnen und sofort zerstören, was zu Scores von über 200.000 Punkten führte – Werte, die auf legitimem Weg praktisch unerreichbar sind. Mit der letzten Woche der aktuellen Trials-Saison drohte ehrlichen Spielern der Ausschluss aus den Top-Platzierungen.
TheBurntPeanut befeuert die Eskalation
Die ohnehin angespannte Situation eskalierte am 9. Februar, als der populäre Streamer TheBurntPeanut (1,8 Millionen Follower auf Twitch, 1,53 Millionen auf YouTube) den Glitch live vor einem riesigen Publikum demonstrierte. Allein auf YouTube erreichte sein Stream über 138.000 gleichzeitige Zuschauer. In einem Clip war zu sehen, wie er gemeinsam mit Streamer Tfue rund 20 Minuten lang duplizierte Barrikaden in einer Extraktionszone platzierte und duplizierte Trigger-Granaten in einen Aufzugsschacht warf, um feindliche Raider abzuwehren.
Der Vorfall sorgte dafür, dass der Exploit praktisch über Nacht zum Mainstream wurde. TikTok-Videos beschrieben die Methode als etwas, das „Console-Spieler verschlingen“, und YouTube-Tutorials verbreiteten sich rasant. Die Folge: Nahezu jeder Raid war vom Glitch betroffen.
Update 1.15.0 ignoriert den Glitch – Community reagiert wütend
Am 10. Februar veröffentlichte Embark Studios das mit Spannung erwartete Update 1.15.0, das unter anderem das neue Shared Watch-Event und die Rückkehr des Cold Snap-Modifiers einführte. Doch ausgerechnet der Duplication-Glitch wurde in dem Patch nicht adressiert – und tauchte nicht einmal im Abschnitt „Known Issues“ der offiziellen Patchnotes auf.
Die Community reagierte mit scharfer Kritik. Auf dem offiziellen Discord-Server und dem Subreddit des Spiels häuften sich wütende Beiträge. Spieler warfen dem Studio vor, das gravierendste Problem des Spiels schlichtweg ignoriert zu haben.
Hotfix kommt Stunden später – ohne Download

Nur wenige Stunden nach dem Live-Gang von Update 1.15.0 lenkte Embark Studios ein. Community-Lead Ossen verkündete auf Discord die Veröffentlichung eines serverseitigen Hotfixes: „Wir haben soeben einen Hotfix veröffentlicht, um das aktuelle Duplizierungsproblem zu beheben. Wir beobachten die Situation weiterhin aktiv, um sicherzustellen, dass wir alle Fälle abgedeckt haben.“ Der Hotfix erforderte keinen separaten Download.
Gleichzeitig kündigte das Studio auf Twitter mögliche Konsequenzen an: „Spieler, die übermäßig viele Items dupliziert haben, werden einer weiteren Überprüfung und möglichen Strafen unterzogen. Nichts geht über ehrlich verdiente Beute – also geht raus und verdient eure Coins auf ehrliche Weise!“
Unklare Konsequenzen sorgen für Verunsicherung
Genau diese Formulierung sorgt in der Community für Verunsicherung. Auf Discord schrieb ein Community-Manager: „Wir untersuchen noch die vollen Auswirkungen des Problems und werden je nach Schweregrad der einzelnen Fälle Maßnahmen ergreifen, sobald unsere Untersuchung abgeschlossen ist.“
Viele Spieler bezweifeln, dass Embark die Accounts tatsächlich einzeln prüfen und nur einen Teil der Spielerbasis bestrafen kann. Unklar bleibt, was genau als „übermäßig“ gilt und wo die Grenze zwischen gelegentlichem und systematischem Ausnutzen gezogen wird. Ein mögliches Szenario wäre ein Account-Rollback, bei dem duplizierte Items und die daraus gewonnene Währung entfernt werden. Dies könnte sich auch auf die Trials-Platzierungen erstrecken.
Embarks bisheriges Strike-System sieht ein Drei-Stufen-Modell vor, das bei wiederholten Verstößen bis hin zu permanenten Bans führen kann. Allerdings zeigt die Vergangenheit, dass selbst Spieler mit tatsächlicher Cheat-Software teilweise nur 30-tägige Sperren erhielten.
Die Community ist gespalten
Die Debatte um mögliche Strafen spaltet die Spielerbasis in zwei Lager. Gegner der Bestrafung argumentieren, dass Embark selbst für den Bug verantwortlich sei. Der Glitch war bereits seit Wochen bekannt und von Tausenden Spielern gemeldet worden, ohne dass das Studio reagierte. Zudem nutzten selbst prominente Streamer wie TheBurntPeanut den Exploit öffentlich, was die Frage aufwirft, ob Embark bekannte Content Creator genauso behandeln würde wie normale Spieler. In der Vergangenheit hatte etwa Tfues schnelle Entbannung nach weniger als 24 Stunden bereits für Unmut gesorgt.
Befürworter von Strafen halten dagegen: Der Exploit habe die Integrität des Trials-Modus zerstört, ehrlichen Spielern durch einseitige PvP-Matches hart erarbeitetes Loot gekostet und drohe, die gesamte In-Game-Wirtschaft zu destabilisieren – insbesondere mit dem zweiten Expedition-Fenster nur wenige Tage entfernt. Einige Spieler schlagen als Kompromiss einen Ansatz nach dem Vorbild von Valves „Cheater's Lament“ aus Team Fortress 2 vor: Statt Exploiter zu bestrafen, könnte man Spieler belohnen, die den Glitch nicht ausgenutzt haben.
Embar Studios hat kreative Methoden – und ein Glaubwürdigkeitsproblem
Immerhin: Embark Studios hat in der Vergangenheit bewiesen, dass das Team kreative Wege findet, gegen Cheater vorzugehen. So verwandelte ein früherer Patch Räume in Öfen, die Exploiter bei lebendigem Leib „kochten“, wenn sie einen Tür-Glitch ausnutzten. Auch die spontan verbrennenden Raider, die Berge von Gummienten hinterließen, könnten ein Hinweis auf eine bereits aktive Erkennungsmechanik sein.
Doch das Studio steht vor einem Glaubwürdigkeitsproblem: Die wiederkehrenden Duplication-Glitches seit dem Launch Ende 2025, DDoS-Attacken und diverse andere Exploits haben das Vertrauen der Spielerbasis strapaziert. Jedes Update, das eine Schwachstelle behoben haben soll, wurde bisher innerhalb weniger Tage durch eine neue Methode umgangen. Ob der aktuelle Hotfix dauerhaft hält, bleibt abzuwarten.
Wie geht es weiter?
Die kommenden Tage werden zeigen, wie konsequent Embark Studios gegen die Ausnutzer des Glitches vorgeht. Das Studio steht unter Druck von beiden Seiten: Spieler, die den Exploit nutzten, halten eine Bestrafung für ungerechtfertigt, während Betroffene ein Durchgreifen fordern. Fest steht, dass die Art und Weise, wie Embark diese Situation bewältigt, maßgeblich darüber entscheiden wird, wie viel Vertrauen die Community dem Studio in Zukunft entgegenbringt.
