ARC Raiders: Entwickler erklären umstrittenes Matchmaking-System im Detail

Der Extraction Shooter ARC Raiders von Embark Studios sorgt seit seinem Launch im Oktober 2025 für Aufsehen – nicht nur wegen seiner beeindruckenden Verkaufszahlen von über 12,4 Millionen Kopien, sondern auch wegen seines kontroversen Matchmaking-Systems. Design Lead Virgil Watkins hat nun in einem ausführlichen Interview mit GamesRadar+ Klarheit über das sogenannte „Aggression-Based Matchmaking“ geschaffen.

„Aggression-Based“ ist eine irreführende Bezeichnung

Watkins räumt ein, dass die Bezeichnung „Aggression-Based Matchmaking“ nicht ganz zutreffend ist. „Es ist ein bisschen irreführend, es aggressionsbasiert zu nennen“, erklärt der Entwickler. Das System sei wesentlich komplexer, als die vereinfachte Bezeichnung vermuten lässt. Embark Studios plane, das System kontinuierlich zu optimieren, wobei die Community-Vermutungen über die Funktionsweise „nicht weit daneben liegen“.

Das Matchmaking-System von ARC Raiders unterscheidet sich grundlegend von den Skill-Based-Matchmaking-Systemen (SBMM), die in Titeln wie Call of Duty, Battlefield oder Fortnite zum Einsatz kommen. CEO Patrick Söderlund hatte das System zuvor in einem Interview mit GamesBeat bestätigt: „Wir haben ein System eingeführt, bei dem wir auch auf Basis matchmaken, wie anfällig ihr für PvP oder PvE seid.“

Gewichtetes System ohne moralische Urteile

Watkins betont, dass das System nicht binär funktioniert, sondern gewichtet arbeitet. „Es ist nie so, dass ihr jetzt nur mit PvE-Spielern oder nur mit PvP-Spielern zusammen seid. Es ist ein gewichtetes System mit vielen Ebenen“, erklärt er. Spieler, die sich friedlich verhalten und primär PvE-Inhalte spielen, werden eher mit ähnlich gesinnten Spielern zusammengebracht. Wer aggressiv spielt und auf Sicht schießt, landet häufiger in Lobbys mit anderen kampforientierten Spielern.

Eine häufige Sorge der Community betrifft die Manipulation des Systems. Watkins sieht das gelassen: „Wenn ihr wirklich versuchen wollt, euch anzupassen und in einer weniger feindseligen Umgebung zu spielen, wird euch eine Möglichkeit geboten, das zu tun. Aber es sollte den Leuten klar sein, dass es auch nicht binär ist.“

Das System kann technisch erfassen, wer zuerst schießt, wer Schaden nimmt und wer wen tötet. Allerdings – und das ist entscheidend – versucht es nicht, die Absicht zu interpretieren. Watkins verdeutlicht dies an einem Beispiel: „Wenn ich ein sehr schlechter Spieler bin und du ein guter Spieler, und ich der Angreifer bin, aber alle meine Schüsse verfehle und du dich verteidigst, weiß das Spiel nicht, was die Absicht war. Es sieht nur, dass du mich getötet hast, weil ich schrecklich bin.“ Das System registriert also lediglich, ob ein Spieler PvP betreibt – ohne moralische oder wertende Urteile zu fällen.

Kein Skill-Based oder Gear-Based Matchmaking

Entgegen früherer Spekulationen aus der Community stellt Watkins klar: „Wir machen nichts wie Skill-Based Matchmaking oder Gear-Based Matchmaking.“ Diese Faktoren werden beim Matchmaking nicht berücksichtigt. Das widerspricht früheren Aussagen von CEO Söderlund, der das System zunächst als „skill-based“ bezeichnet hatte. Die Priorisierung liegt eindeutig auf dem Spielverhalten, nicht auf der Leistung oder Ausrüstung.

Embark Studios plant, das System weiterhin zu monitoren und basierend auf „Match Health“ und Spieler-Feedback anzupassen. Die Entwickler setzen damit auf einen anderen Ansatz als die meisten modernen Multiplayer-Shooter, die primär auf Skill-Based Matchmaking setzen.

Erfolg und Herausforderungen

ARC Raiders hat seit seinem Launch im Oktober 2025 beeindruckende Erfolge gefeiert. Mit über 12,4 Millionen verkauften Kopien und einem Peak von 960.000 gleichzeitigen Spielern im Januar 2026 gehört der Third-Person Extraction Shooter zu den erfolgreichsten Neuveröffentlichungen des Jahres. Auf Steam hält das Spiel konstant sehr positive Bewertungen mit 87% positiven Reviews.

Allerdings kämpft das Spiel auch mit erheblichen Problemen. Die Cheater-Problematik hat in den letzten Wochen massiv zugenommen, was sogar prominente Streamer wie Shroud dazu veranlasste, eine Pause vom Spiel in Erwägung zu ziehen. Embark Studios reagierte Anfang Januar 2026 mit der Ankündigung „signifikanter Änderungen“ an den Anti-Cheat-Systemen.

Erste Bans stoßen auf Kritik

Seit dem 11. Januar 2026 werden erste Cheater gebannt – allerdings nur für 30 Tage. Diese vergleichsweise milden Strafen sorgen in der Community für erhebliche Frustration. Viele Spieler fordern permanente Bans für Cheater. Die Ban-Meldung lautet: „Dein Account wurde temporär gesperrt wegen Verhaltens, das gegen unseren Code of Conduct verstößt. Dein Zugang wird wiederhergestellt: 2026.02.“

Berichten zufolge funktioniert das Eskalationssystem wie folgt: Beim ersten Verstoß gibt es eine 30-tägige Sperre, beim zweiten Verstoß folgt ein Hardware-ID-Ban. Einige Spieler spekulieren, dass rechtliche Gründe in bestimmten Ländern permanente Bans erschweren könnten, da ARC Raiders ein kostenpflichtiges Spiel ist.

Embark Studios hat zudem versprochen, Client-seitige Fixes für „Out of Map“-Exploits zu implementieren und Tools für Streamer einzuführen, um Stream-Sniping zu bekämpfen. Die Community wartet nun gespannt auf weitere Updates und strengere Maßnahmen gegen Cheater.

Ausblick auf 2026

Embark Studios hat sich zu einem 10-jährigen Entwicklungszyklus für ARC Raiders verpflichtet. Eine offizielle Roadmap für 2026 wurde noch nicht veröffentlicht, Community Manager haben jedoch bereits Balance-Änderungen für Waffen wie Trigger Nades, Kettle und andere Items angekündigt. Die Community hofft auf neue Karten, Gegner-Typen, Waffen und Community-Events im Laufe des Jahres.

Mit seinem innovativen Matchmaking-Ansatz, der atmosphärischen Post-Apokalypse in Italien und dem Fokus auf Spielerverhalten statt reiner Skill-Metrik geht ARC Raiders neue Wege im Extraction-Shooter-Genre. Ob sich das aggression-basierte System langfristig bewährt oder subtil die Community spaltet, wird die Zukunft zeigen.

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