Nur wenige Wochen nach der Entlassung von rund 80 Entwicklern hat Riot Games mit einem umfangreichen Blogpost ein klares Signal an die Community gesendet: 2XKO lebt weiter. Game Director Shaun Rivera enthüllte am 13. Februar 2026 nicht nur die nächsten beiden Champions für den Roster – Akali und Senna – sondern skizzierte auch die wichtigsten Entwicklungsschwerpunkte für die kommenden Monate.
Akali und Senna: Zwei Champions mit völlig unterschiedlichem Gameplay
Akali wird als nächste Kämpferin noch in Season 1 zum Roster stoßen. Die Schurken-Assassinin aus Ionia ist im League-of-Legends-Universum für ihre Schnelligkeit und Präzision bekannt und bringt diesen Spielstil auch in 2XKO mit. In den ersten Gameplay-Clips ist zu sehen, wie sie mit ihren Kusarigama-Ketten um den Bildschirm wirbelt, sich hinter Gegnern teleportiert und blitzschnelle Kombos ansetzt. Für viele Fans war Akali einer der meistgewünschten Champions – ihre Aufnahme in den Roster dürfte entsprechend gut ankommen.

Senna folgt voraussichtlich zum Start von Season 2. Die Wächterin des Lichts kombiniert in 2XKO Fernkampf mit aggressivem Rushdown: Mit ihrer massiven Reliktkanone kann sie Gegner auf Distanz unter Druck setzen. Findet sie eine Öffnung, wechselt sie in ihre Geisterform und geht in den Nahkampf über, um Gegner mit Mix-ups zu überraschen. Rivera betonte allerdings, dass sich beide Champions noch in der Entwicklung befinden und weitere Details erst zu einem späteren Zeitpunkt geteilt werden.
Damit sind nun drei der fünf für das erste Jahr geplanten Champions bekannt: Caitlyn, die bereits zum Season-1-Start veröffentlicht wurde, sowie Akali und Senna. Wer die letzten beiden Neuzugänge sein werden, bleibt vorerst offen.
Interessantes Detail am Rande: Die Enthüllung beider Champions wurde durch einen ehemaligen Mitarbeiter vorzeitig geleakt, der nach seiner Entlassung seine Arbeiten auf ArtStation veröffentlichte.
Lokaler Duo-Modus, Gameplay-Richtung und Competitive-Support
Neben den Champion-Enthüllungen ging Rivera auf drei zentrale Entwicklungsbereiche ein:
Der Duo-Modus steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Riot arbeitet an einem lokalen Couch-Co-op-Modus, der es zwei Spielern ermöglicht, gemeinsam von der Couch aus online anzutreten. Das Feature befindet sich noch in der Prototyping-Phase, hat aber höchste Priorität. Dass das Spiel ohne diese Funktion erschienen ist, hatte viele Fans überrascht, da der Duo-Play-Modus eines der zentralen Alleinstellungsmerkmale von 2XKO darstellt.

Beim Core-Gameplay stellte Rivera klar, dass die hohe Skill-Ceiling erhalten bleibt. Das schnelle, kreative Gameplay soll nicht verwässert werden. Stattdessen konzentriert sich das Team darauf, die Stärken und Schwächen jedes Champions deutlicher herauszuarbeiten. Balance-Updates sollen weiterhin Ausreißer in der Meta adressieren, ohne den individuellen Charakter der Kämpfer zu beschneiden. Konkret bestätigte Rivera, dass Nerfs für Yasuo und Ekko in Arbeit sind – beide Champions dominieren derzeit die Tier-Listen und gewannen unter anderem bei den jüngsten Turnieren. Auch Fixes für das Screen-Tearing-Problem auf Konsolen sowie Anpassungen am Ranked-System sind in Entwicklung.
Im Bereich Community und Competitive bekräftigte Riot, dass der Turnierplan für 2026 unverändert bleibt. Die 2XKO Competitive Series umfasst 20 von Riot gesponserte Turniere weltweit. Zusätzlich arbeitet das Team an einem Programm, das lokalen Turnierveranstaltern exklusive In-Game-Belohnungen zur Verfügung stellt, die nirgendwo anders erhältlich sind. Das soll kleineren Szenen neue Werkzeuge zum Wachstum geben.
Entlassungen werfen einen Schatten auf die Zukunft
Der optimistische Ausblick kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Situation rund um 2XKO angespannt ist. Am 9. Februar 2026 – gerade einmal 20 Tage nach dem globalen Launch auf PlayStation 5 und Xbox Series X/S – verkündete Executive Producer Tom Cannon die Entlassung von rund 80 Mitarbeitern, was etwa der Hälfte des gesamten Entwicklerteams entspricht.
Cannon begründete den Schritt mit mangelndem Spieler-Engagement. 2XKO habe zwar eine leidenschaftliche Kernzielgruppe erreicht, aber die Gesamtdynamik reiche nicht aus, um ein Team dieser Größe langfristig zu rechtfertigen. Betroffene Mitarbeiter erhalten die Möglichkeit, sich auf andere Stellen innerhalb von Riot Games zu bewerben. Wer keine neue Position findet, bekommt mindestens sechs Monate Gehalt und Abfindung.

Die Entlassungen reihen sich in eine Serie von Stellenabbau bei Riot ein: 2024 schloss das Unternehmen sein Riot-Forge-Programm und entließ 530 Mitarbeiter. Im Oktober 2024 folgten weitere Kürzungen. CEO Dylan Jadeja hatte damals erklärt, Riot habe seit 2019 mehrere große Wetten abgeschlossen, die sich nicht ausreichend auszahlten.
Besonders bitter: Ehemaliger Producer Patrick Miller erklärte auf Bluesky, er habe nach zehn Jahren Arbeit an dem Projekt nur 30 Minuten Vorwarnung erhalten.
Kosmetik-Preise als möglicher Faktor für schwaches Engagement
In der Community wird intensiv diskutiert, warum 2XKO trotz positiver Gameplay-Rezensionen nicht den erhofften Erfolg erreicht hat. Ein zentraler Kritikpunkt sind die Preise für kosmetische Items. Als Free-to-Play-Titel finanziert sich 2XKO über Skins und saisonale Pässe – ein Modell, das Riot bereits bei League of Legends und Valorant etabliert hat.
Die Preise sorgen jedoch bei vielen Fighting-Game-Fans für Unmut: Einzelne Legendary Skins kosten rund 20 US-Dollar, das Season-1-Arcade-Megabundle schlägt mit 80 US-Dollar zu Buche, und die beliebten Arcane-Skins für Vi, Jinx und Ekko gibt es ausschließlich im 100-Dollar-Starter-Bundle. In der FGC, der Fighting Game Community, ist die Bereitschaft, hohe Summen für kosmetische Items auszugeben, traditionell deutlich geringer als in MOBAs oder Shootern. Viele Spieler empfinden die Preise als unangemessen für ein Fighting Game.
Ein weiterer oft genannter Kritikpunkt ist das Fehlen von substanziellem Singleplayer-Content. Während Titel wie Street Fighter 6 mit dem World-Tour-Modus oder Mortal Kombat mit Story-Modi auch Gelegenheitsspieler langfristig binden, bietet 2XKO kaum Inhalte für Spieler, die nicht primär online kämpfen wollen. Das schmale Roster zum Launch und die fehlende Verfügbarkeit auf Steam – was öffentliche Spielerzahlen unmöglich macht – werden ebenfalls als problematisch angesehen.
Competitive-Szene zeigt sich lebendig
Trotz aller Turbulenzen zeigt die kompetitive Szene von 2XKO Lebenszeichen. Beim ersten offiziellen Major, den Frosty Faustings XVIII Ende Januar 2026, nahmen 962 Spieler teil. Der 16-jährige Newcomer „bleed“ gewann das Turnier und besiegte dabei etablierte Veteranen. Das Duo-Turnier ging an SonicFox und INZEM.
Am vergangenen Wochenende fand mit Genesis X3 in San Jose das erste Challenger-Event der 2XKO Competitive Series statt. 165 Teilnehmer traten an, Supernoon sicherte sich den Titel mit Yasuo und Ekko und gewann das Preisgeld von 2.660 US-Dollar. 2XKO ist zudem für das EVO-2026-Lineup bestätigt – das nächste Major findet bei EVO Japan vom 1. bis 5. Mai statt.
Wie geht es weiter?
Riot Games steht mit 2XKO an einem Scheideweg. Das verbleibende Team von rund 80 Entwicklern muss beweisen, dass es das Spiel trotz der Kürzungen voranbringen kann. Die Enthüllung von Akali und Senna sowie die klaren Aussagen zur Gameplay-Richtung sind positive Signale. Ob sie ausreichen, um das Vertrauen der Community langfristig zu sichern und neue Spieler anzulocken, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Die offene Kommunikation des Teams – insbesondere durch die wöchentlichen Blogposts von Rivera – wird von der Community positiv aufgenommen. Gleichzeitig bleiben viele Fragen offen: Wie wirken sich die Entlassungen konkret auf die Entwicklungsgeschwindigkeit aus? Werden die Kosmetik-Preise angepasst? Und kann 2XKO langfristig genug Spieler binden, um als Free-to-Play-Fighting-Game wirtschaftlich tragfähig zu sein?
