Einblick in die Gedanken eines Spieleredakteurs, Teil 1.
“Och nöö… Noch ein Vs-Spiel? Ich habe doch schon letztens “Toys Vs Nightmares” testen müssen… “Earth Vs Aliens” ist doch bestimmt ähnlich gestrickt. “Plants Vs Zombies”, “Toys Vs Nightmares”, “Earth Vs Aliens”, alles eine Sauce. Schreibt man eigentlich ‘Sauce’ oder ‘Soße’? Wäre jetzt peinlich, wenn gerade mir ein orthographischer Fauxpas passieren würde. Aber zurück zum Spiel. Ich starte es mal. Hm. Moment. Das ist doch was völlig anderes! Das könnte interessant werden!”
In der Tat ist “Earth Vs Aliens” kein weiterer witzig-alternativer Tower-Defense-Klon. “Earth Vs Aliens” ist ein lupenreiner Retro-Space-Shooter. Wie gut sich das Spiel auf der werkseigenen Prüfbank verkauft, werdet ihr jetzt erfahren!
Grafik: Superretro!
“Earth Vs Aliens” ist ein Augenschmaus für Retro-Fans. Die Schriftarten, die Pixelgrafik und das Blau-Auf-Schwarz-Farbschema erinnern an das dunkle Mittelalter der Computertechnologie, welches wir immer wieder gerne (und wie ich finde auch zu Recht) als romantische Epoche verklären.
Grafik: 4/5
Der Sound setzt den Retro-Grafikstil würdig in Ton und Klang fort. Sowohl die stimmigen Sounds als auch die piepsig-fetzige Musik lassen Herzen der 8-bit-Generation höher schlagen. Doch auch diejenigen Spieler, die bisher noch nicht von der Retro-Welle erfasst worden sind, können sich auf eine qualitativ hochwertige und atmosphärische Soundkulisse freuen.
Sound: 4/5
Steuerung: Nanocool.
Der Retro-Funken mag bei der Steuerung nicht so wirklich überspringen. Möglicherweise haben die Entwickler hier zu sehr dem Zeitgeist gelauscht, da die allgegenwärtige Mauszeigerpositions-Steuerung auch hier leider unnötigerweise Einzug hält. Vielleicht ist das nur eine Geschmacksfrage, vielleicht aber auch eine Frage des Geschmacks. Denn wenn man als Spielentwickler die Spieler und Spieltester auf ein Retro-Game einschießt, kann man nur mit Konsequenz punkten. Und die Steuerung schmeckt nicht nach Atari ST, sondern nach Angry Birds.
Steuerung: 3/5
Umfang: Hyperraum!
“Earth Vs Aliens” bietet viel und sogar noch ein bisschen mehr. Es gibt zahlreiche Levels, sinnvolle Power-Ups und coole Achievements. Verschiedene Einheitentypen und der angenehm ansteigende Schwierigkeitsgrad runden den Umfang ab. Verglichen mit Genre-Rivalen wüsste ich nicht, wie man das Szenario noch sinnvoll pimpen könnte. Daher die Höchstpunktzahl!
Umfang: 5/5
Atmosphäre: Ultrastylisch!
Abgesehen von der Steuerung hat das Entwicklerstudio “RoughSeaGames” den Retro-Stil nahtlos durchgehalten. Und das gefällt. Das gefällt sogar so sehr, dass ich als Spieler spüre, wie “Earth Vs Aliens” eine autarke Atmosphäre versprüht, die zwar viele geistige Väter hat, aber trotzdem auf eigenen Füßen steht. Lange Zeit schwankte ich zwischen vier und fünf Punkten, habe mich dann aber tatsächlich für die Höchstpunktzahl entschieden. Warum? Weil “Earth Vs Aliens” eine Karte hat und ich liebe Karten. Jedes Spiel, welches über eine Karte verfügt, seien es nun PC-Klassiker wie Imperialismus oder Onlinespiele wie Villainous, erzeugt eine taktisch-strategische Aura, die mich sofort fesselt. Ja, ich habe einen Karten-Fetisch, aber ich stehe dazu. :)
Atmosphäre: 5/5
Spaßfaktor: Gigagut?
Trotz aller stylischen und atmosphärischen Highlights – so richtig vom Hocker gerockt hat mich “Earth Vs Aliens” nicht. Vielleicht habe ich in meiner 100-jährigen Laufbahn als Profispieler auch einfach schon zu viele (Retro-)Space-Shooter gespielt, als dass mich ein neuer Vertreter des Genres – sei er noch so cool – so richtig fesseln könnte. Der Spaß geht klar, aber das Game gehört wohl nicht zu der Sorte von Arbeit, die ich mit nach Hause nehme.
Spaßfaktor: 3/5
Fazit:
“Earth Vs Aliens” macht vieles richtig: Der Retro-Stil wird beinahe konsequent durchgezogen, das Spiel ist äußerst umfangreich und optisch wie technisch auf hohem Niveau. Mir persönlich gefällt insbesondere das Kartenmenü und die klassisch-futuristische Farbgebung. Ob das Spiel jedoch Spaß macht oder nicht, ist eine sehr subjektive Sache. Am besten ihr probiert es aus – auf Fettspielen.de!

Video und Spieletest von Frederik Schrader


