Recap: Die Erste Trollcon In Mannheim

Sie sind allgegenwärtig und grinsen uns (gefühlt) auf jeder Plattform aus dem Bildschirm ins Gesicht, obwohl niemand wirklich weiß, wo sie herkommen. Die Trolle oder auch Trolls genannt haben das Internet erobert und wie es so oft bei neuen und unbekannten Erscheinungen ist, werden sie kritisch beäugt. Aus diesem Grund wurde die Trollcon, eine Konferenz über das Trolling, ins Leben gerufen. Ziel der Veranstaltung war mit den Vorurteilen gegen das Trolling aufzuräumen.

Aktuell gibt es kaum Literatur über das Trolling, so das sich Gegensprecher gerne auf die wenigen greifbaren Analysen stützen. Eine dieser Analysen ist eine Studie, bei der acht Adminstratoren der hebräischen Wikipedia-Seite zum Thema Trolling befragt wurden. Daraus ergaben sich angebliche Verhaltensmuster und Motivationen der “Troller”:

Angebliche Verhaltensmuster der Trolle

Trolle agieren absichtlich, wiederholt und schädlich

Trolle ignorieren und verletzen die Grundsätze der Community

Trolle richten nicht nur inhaltlichen Schaden an, sondern versuchen auch, Konflikte innerhalb der Community zu schüren

Trolle sind innerhalb der Community isoliert und versuchen ihre virtuelle Identität zu verbergen, etwa durch die Nutzung von Sockenpuppen

Diese Verhaltensmuster kann man ohne große Anstrengungen in den vielen verschieden Communitys und Social-Media-Kanälen beobachten.  So gibt es Trollings, die fragwürdig aber keinesfalls obszön sind, wie der Troll des Ralph Pootwan, der die Illusion der Privatsphäre im Internet zerstörte, indem er vielen Bewohnern des Netzwerks “Second Life” mit seinem Avatar beim Cybersex zusah.

Allerdings gibt es auch Fälle, die deutlich unter die Gürtellinie gingen, wie der Fall der damals 11-Jährigen Jessi Slaughter, die sich mit einer Videochat-Community anlegte und diese Verbal angriff. Dadurch war sie solang unzähligen Anfeindungen ausgeliefert, bis ihr Vater dem Ganzen auf die Schliche kam und sich an einem gemeinsamen Video mit seiner Tochter beteiligte und der Video-Community mit der Cyberpolizei drohte. Nun ja…. das war leider nicht die intelligenteste Idee aller Zeiten, denn ab diesem Zeitpunkt war die ganze der Familie der Internet-Hetze ausgesetzt, das Mädchen wurde von ihrem Vater deswegen verprügelt, er verlor das Sorgerecht und kurze Zeit später segnete er das Zeitliche.

Angebliche Motivation der Trolle

Langeweile, Suche nach Aufmerksamkeit, Rache

Spaß und Unterhaltung

Wunsch, der Community möglichst großen Schaden zuzufügen

Die Teilnehmer der Mannheimer Konferenz kamen jedoch nicht aus dem halb-perversen Milieu, eher waren es Menschen, die sich intensiv und teils beruflich damit auseinandersetzen. Wie zum Beispiel der Designer Stefan Krappitz, der das Thema Trolling in seiner Diplomarbeit behandelt hat und auch die beiden oben genannten Negativbeispiele auf der Konferenz vorstellte. Seine Definition des Trollings ist “das Stören von Menschen oder Systemen zur persönlichen Belustigung einzelner oder mehrerer Personen”. Dabei differenziert er jedoch zwischen den Fällen: Wenn ein Discobesucher den Laptop des DJ’s mit einer Fernbedienung unter seine Kontrolle bringt, ist das wirklich gelungenes Trollen, der Fall der Jessi Slaughter jedoch nicht.

Um dem schlechten Ruf des Trollens entgegenzuwirken, nutzen die Organisatoren eine wohlbekannte Medienstrategie und veranstalteten eine Preisverleihung, an deren Höhepunkt der Troll des Jahres ausgezeichnet wurde. In diesem Jahr war der Berliner Piraten-Fraktionschef Christopher Lauers der glückliche Sieger. Nach Meinung der Jury hat Lauer durch seine absichtliche Übertreibung heikler Fragen gruppendynamische Synergieeffekte hergestellt und damit “erfahrene Berufspolitiker aus ihren inhaltsleeren Worthülsen” befreit.

Eigentlich kann man das Trollen mit Sex vergleichen, welcher ja auch nicht verboten wird oder verpönt ist, weil ein kleiner Teil der Sex-Treibenden sich nicht an die ethischen Regeln halten kann. Vielleicht sollte man Menschen, welche die Würde anderer im Internet verletzen, einfach mal bestrafen und ihnen einen Denkzettel verpassen, genauso wie man es in der realen Welt mit Straftätern tut.

Die Trollcon war ein erster Schritt zur Annäherung der Für- und Gegensprecher, aber es bedarf noch weiteren Austausch, um sich nicht wieder voneinander zu entfernen.

Quelle: Die Zeit, Wikipedia

 

Author: Feri

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